Stichwort: Merlot

‘Louison & Leopoldine’ de Clos Louie 2012

Bordeaux so schön wie einfach

Erfrischend unkomplizierter wie auch äusserst animierender, zum Trinken verleitender Bordeaux für richtig kleines Geld.

Winzer/Weingut: Clos Louie, St. Emilion, Côtes de Castillon, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von teilweise 140 Jahre alten Reben die auf kalkigen, hellen Lehmböden wachsen.

Lousine Flasche/Etikett: In verspielter Typo liest man gross Louison & Leopoldine im oberen Teil des vanillegelben Etiketts. Im unteren Teil in gedecktem orange CLOS LOUIE, das C als grosser offener Kreis dargestellt auf dem ein Junge ein Mädchen an der Hand führt. Louis und Leopoldine, süss. Wie überhaupt die gesamte grafische Erscheinung leicht und locker ist. Man denke nur an die typischen Château-bebilderten Etiketten der “grossen Häuser”. Das hier ist erfrischend und wirkt ausgesprochen jugendlich. Am Rückenetikett wird das Geheimnis um den Namen der Cuvée sowie über die beiden abgebildeten Kinder am Hauptetikett aufgelöst; beides sind die beiden Kinder von Sophie Douteau und Pascal Lucin. Schön. Erfreulich für alle die nicht französisch können ist der Umstand, dass man den Text auch in englisch aufdruckt, was ja nicht gerade üblich ist bei “Franzosen”. Damit sich der gute Tropfen an seine neue Umgebung gewöhnen kann, darf er sich selbige für eine Stunde aus dem Dekanter anschauen.

Im Glas: Dunkles granatrot leuchtet aus dem Glas heraus.

24. Juli 2015 | 0 Kommentare ...alles

Mouth Bomb 2011

Stoff der gesoffen werden will.

Ein Zechwein der nichts als weggesoffen werden will. Selbst wenn man am Ende dabei in die Luft geht.

Winzer/Weingut: Zio Porco Wines di Marco Giovanni Zanetti, San Michele di Bassano del Grappa (VI), Italien.

Lage/Herkunft: Aus einem 2,5 ha großen Weinberg, welcher im Jahr 2000 als Versuchsanbau angelegt wurde.

Mouth Bomb Flasche/Etikett: Nachdem es sich bei diesem Wein um keine weitere vierbeinige Erscheinung aus dem Zanetti’schen Wildschweingehege handelt, trampelt auch kein Eber wie gewohnt von rechts nach links durchs Bild. Dafür springt einem auf diesem Etikett ganz unverblümt in dicken, fetten, überdimensionalen Lettern schon als Warnung der Name MOUTH BOMB ins Gesicht. Damit man aber diese Drohung auf keinen Fall unterschätzen oder gar missverstehen könnte, symbolisiert eine rote Fliegerbombe die tatsächliche Gefahr die vom Inhalt dieser Flasche ausgeht. Oben drüber steht noch WINEPUNK, damit man weiss von wem das Teil gebastelt und scharf gemacht wurde. In Handschrift ist auf die Bombe 2011, das Abwurfdatum eingedruckt. Auf der linken Seite des im Vintage-Style gehaltenen Etiketts noch Rough & Smoky, 100% with Passion, Turn & Burn verewigt. Auf ein Rückenetikett hat man generös verzichtet. Braucht man nicht. Wozu auch, wird das Teil doch sowieso in Kürze in die Luft gesprengt.

Im Glas: In funkelndem Rubinrot steht die ‘Bombe’ ausgesprochen klar im Glas.

26. November 2014 | 1 Kommentar ...alles

Merlot ‘m’ 2012

Vorschub wie eine alte Antonow.

Ein Wein der mit Bedachtsamkeit genossen werden solte. Mit diesem Serum kann man nämlich Elefanten jagen.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von eisenhaltigen Lehm- und Schiefer, sowie Quarz- und Schotterböden der burgenländischen Eisenberg-Region.

Merlot m 2012 Flasche/Etikett: Dick und dunkelschwarz ist das Gebinde in welchem der Merlot m vor sich hin schlummert. Beklebt ist die Flasche mit dem typischen Schiefer’schen Etikett. In diesem Fall in violett und schwarz gestaltet, dunkel wie der Wein der sich dahinter verbirgt. Tiefgründig und so opulent wie es vielleicht die Alkoholangabe bereits vermuten lässt? Durchzogen ist der tiefviolette Tropfen, Daumenabdruck bzw. die blau verfärbte Zunge von einem silbernen Faden. Am Ende hängt so etwas wie eine Ananas, in silber, was jedoch wohl eher eine Beere darstellen soll. Unten steht im scheeweissen Teil schiefer wie gewohnt in Kleinbuchstaben fett gedruckt und in silber merlot ‘m’ 2012. Den rechten, tiefschwarzen Bereich des einteiligen Etiketts füllen wieder sämtliche relevanten Informationen über den Wein. Wie schon erwähnt, springen einem hier die 14,5 %vol. sofort ins Auge und sorgen bereits vor dem Antrunk für ein wenig Ehrfurcht. Bevor der Merlot m aber ins Glas kommt wird er in die grosse Karaffe umgefüllt und darf dort für zwei Stunden reichlich Luft aufnehmen.

Im Glas: Dunkelkirschblutrot bis violett steht der Merlot m im Glas und fliesst nur langsam wieder von der Glaswand ab.

31. Oktober 2014 | 0 Kommentare ...alles

Cuvée Urban 2007

Spätherbst in der Nase und im Mund.

Ein Freudenspender der ‘nicht’ satt macht und sich auch deshalb so gut im Mund anfühlt. Saftig, süffig und charaktervoller Alltagswein.

Winzer/Weingut: Weingut Tauss, Leutschach, Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen und sandigen Lehmböden der Lage Hohenegg.

Cuvée Urban Flasche/Etikett: Auch auf dieser traditionellen Burgunderflasche klebt wie schon bei allen anderen das neue Etikett, das ganz in weiss gehalten für klassische Eleganz sorgt. Ganz oben der Name TAUSS in Grossbuchstaben, leicht angeprägt in rotbraun bzw. weinrot angebracht. Unterhalb CUVEE ROT in Kapitalen und darunter URBAN. Am unteren Rand steht wie üblich der Hinweis ‘Nach alter handwerklicher Tradition’ sowie Biologisch-Dynamisches Weingut Alice & Roland Tauss Leutschach. Fertig ist das flotte Stück Weinbeklebung.

Am kleinen Rückenetikett erfährt der interessierte Weinfreund wieder alles was man unbedingt über diesen Wein wissen sollte. Auch hier wieder eine explizite Dekantier- sowie Trinktemperaturempfehlung, denen ich beiden wieder gerne folge. Zusätzlich wird das grosse Glas ausgepackt. Die Cuvée Urban darf sich bevor sie dann in den grossen Becher kommt, für eine Stunde in der Karaffe austoben und reichlich Sauerstoff aufnehmen.

Im Glas: In dunklem rot mit einem leichten bräunlichen Touch dreht der Wein seine Runden im Glas.

13. Oktober 2014 | 0 Kommentare ...alles

Palistorti di Valgiano 2009

Bäuerliche Naturgewalt.

Wild, eckig, stur und störrisch wie eine bäuerliche Naturgewalt. Da tanzt der Knecht in seinen Stiefeln und nicht die nette kleine Ballerina.

Winzer/Weingut: Tenuta di Valgiano, Lucca, Toskana, Italien.

Lage/Herkunft: Von Weingärten mit steinigen Kalkmergelböden auf rund 250 m Seehöhe.

Palistorti di Aalgiano Flasche/Etikett: Das Etikett, bzw. die beiden Etiketten auf der Flasche, lösen optische Irritation aus. Ist das obere, grosse Stück in vanillegelb noch absolut minimalistisch gestaltet – es steht nur der Name des Weines PALISTORTI DI VALGIANO und der Jahrgang 2009 drauf – so ist das untere, schwarze Stück Papier bedruckt wie die letzte Seite einer Gebrauchsanweisung. In ttürkis, einer recht unüblichen Farbe auf Weinetiketten, ist alles angeführt was gesetzlich vorgeschrieben ist und genauso sieht es dann auch aus. Einerseits als Design nicht wirklich zum Kauf verleitend (Leute die nach Etikett kaufen gibt es immer), andererseits ist es gerade dieses Nicht-Design, dieses eher technisch anmutende Erscheinungsbild, das einen neugierig macht. Auf ein Rückenetikett wird komplett verzichtet und so sollte man sich einfach überraschen lassen was aus dieser Flasche kommt. Bevor das allerdings passiert darf sich der ‘Toskaner’ für eine Stunde mit sich selbst in der Karaffe vergnügen.

Im Glas: Leuchtend rot wie ein Rubin steht der Palistorti rosso im Glas. Sehr klar und alles andere als blickdicht.

29. August 2014 | 0 Kommentare ...alles

L´Apparita 2008 Castello di Ama

Dunkelschokoladig mit einem feinen Pelzchen.

Ein Wein der einem gekonnt zeigt wo sich die Spreu vom Weizen trennt und worin sich Alltagsweine von wirklich grossen Tropfen unterscheiden.

Winzer/Weingut: Castello di Ama, Gaiole in Chianti, Siena, Italien.

Lage/Herkunft: Von einem kleinen Weinberg namens Bellavista, der auf 490 Meter Seehöhe liegt.

L´Apparita 2008 Flasche/Etikett: Wie auf allen Flaschenbeklebungen des Castello di Ama reitet auch auf diesem im oberen, weinroten Teil des Etiketts der italienische Condottiere Guidoriccio da Fogliano auf seinem Ross durch die Gegend. Im unteren, vanillegelben Teil prangt in Kapitalen L´APPARITA und der Jahrgang auf dem Etikett, oben drüber TOSKANA Indicazione Geografica Tipica und darunter wieder das Wappen des Castello di Ama. Ganz unten steht alles drauf was sonst noch drauf stehen muss.

Auf ein Rückenetikett wird verzichtet, man erwartet praktisch, dass der Weinfreund weiss was er in seinen Händen hält. Wer das nicht tut, dem sollte spätestens beim Preis klar werden, dass er was ‘Grosses’ ausgesucht hat. Um dem L´Apparita einen entsprechenden Rahmen zu bieten wird er in die schönste Karaffe umgefüllt und darf sich dort für seinen grossen Auftritt in aller Ruhe vorbereiten.

Im Glas: Dunkles Granatrot steht im Glas, nicht völlig blickdicht, zum Rand hin ein wenig ins Kirschrote gehend.

2. September 2013 | 0 Kommentare ...alles

Haiku 2009 Castello di Ama

Rein, klar und edel.

Ein Wein, der in seiner Klarheit nackt und offen wie ein Buch wirkt und derart rein ist, dass man ihn in seinen ‘Einzelteilen’ schmecken kann.

Winzer/Weingut: Castello di Ama, Gaiole in Chianti, Siena, Italien.

Lage/Herkunft: Die Trauben stammen zur Gänze aus dem Weinberg Montebuoni der ausschliesslich für dien Haiku angelegt wurde.

Haiku 2009 Flasche/Etikett: Ein überaus edel wirkendes, turmhohes Stück Papier klebt auf der Flasche. Reines weiss mit einer silbernen Bordüre oben, in welcher der italienische Condottiere Guidoriccio da Fogliano hoch zu Ross seines Weges reitet. Im weissen Teil der Jahrgang und haiku in schwarz und darunter in zartem grau die Wappen des Castello di Ama. Der Flaschenhals mit einer strahlen weissen Manschette eingefassst und an der Krümmung das Wappen und Ama aufgeprägt. Es ist eine jener Flaschenbeklebungen die man getrost als ‘typisch italienisch’ im positiven Sinn bezeichnen kann. Edel, elegant und stilsicher bis auf den letzten Punkt. Am Rückenetikett liest man über die Philosophie die hinter diesem Wein steht sowie eine lange Erklärung über die Bedeutung von Haiku und was man mit diesem Wein vermitteln möchte. Am Ende der Rebsortenspiegel. Bevor der Haiku in die Gläser kommt, darf er eine Stunde Sauerstoff aufnehmen.

Im Glas: In dunklem rubinrot steht der Haiku im Glas, ist dicht, fast schwarz im Kern. Ganz feine aufhellende Ränder stehen dem entgegen.

1. September 2013 | 0 Kommentare ...alles