Mouth Bomb 2011

| 26. November 2014 | 1 Kommentar ...alles

Stoff der gesoffen werden will.

Ein Zechwein der nichts als weggesoffen werden will. Selbst wenn man am Ende dabei in die Luft geht.

Winzer/Weingut: Zio Porco Wines di Marco Giovanni Zanetti, San Michele di Bassano del Grappa (VI), Italien.

Lage/Herkunft: Aus einem 2,5 ha großen Weinberg, welcher im Jahr 2000 als Versuchsanbau angelegt wurde.

Mouth Bomb Flasche/Etikett: Nachdem es sich bei diesem Wein um keine weitere vierbeinige Erscheinung aus dem Zanetti’schen Wildschweingehege handelt, trampelt auch kein Eber wie gewohnt von rechts nach links durchs Bild. Dafür springt einem auf diesem Etikett ganz unverblümt in dicken, fetten, überdimensionalen Lettern schon als Warnung der Name MOUTH BOMB ins Gesicht. Damit man aber diese Drohung auf keinen Fall unterschätzen oder gar missverstehen könnte, symbolisiert eine rote Fliegerbombe die tatsächliche Gefahr die vom Inhalt dieser Flasche ausgeht. Oben drüber steht noch WINEPUNK, damit man weiss von wem das Teil gebastelt und scharf gemacht wurde. In Handschrift ist auf die Bombe 2011, das Abwurfdatum eingedruckt. Auf der linken Seite des im Vintage-Style gehaltenen Etiketts noch Rough & Smoky, 100% with Passion, Turn & Burn verewigt. Auf ein Rückenetikett hat man generös verzichtet. Braucht man nicht. Wozu auch, wird das Teil doch sowieso in Kürze in die Luft gesprengt.

Im Glas: In funkelndem Rubinrot steht die ‘Bombe’ ausgesprochen klar im Glas.

In der Nase: Das Riechorgan darf sich über eine äusserst üppige Duftkomposition freuen. In Milchschokolade eingelegte dunkle Kirschen nimmt man zuerst wahr. Dicht, matschig, voluminös. Ein paar Zwetschken trampeln durch die Tafelschokolade und sagen den Kirschen den Kampf an. Eine kraftvolle rote Würze schwebt über dem so ausladenden Duft und sorgt für Pfeffer im Glas. Es riecht bombastisch, üppig, voll und fett und sündhaft opulent. Wenn das was in der Nase steht auch in den Mund kommt, wird das in der Tat ein mehr als explosives Feuerwerk ergeben, dann wird nämlich richtig Krach gemacht.

Im Mund: Überraschung! Völlig konträr zu dem was in der Nase abgegangen ist, strömt die Mouth Bomb in den Mund. Ich hatte ehrlich Angst nur Üppiges aufnehmen zu müssen und jetzt tänzelt ein Wein auf die Zunge, der zwar vor Frucht und Schokolade nur so strotzt, aber dank einer richtig explosiven Säure sowie ausladend feinen und griffigen Gerbstoffen für richtig Feuer sorgt. Die Bombe ist gezündet und sorgt für Stimmung in der Futterluke. Es schmeckt rot, nach Kirschen, nach Weichseln und nach Milchschokolade. Begleitet von ein paar hellen Tabakblättern und schwarzem Pfeffer. Für den richtigen Wumms aber sorgt eine Säure, die man mit dem Lasso festhalten muss. Schwer beeindruckend, rassig, lebhaft, ungezügelt, omnipräsent. Eine Explosion auf der Zunge und am Gaumen, ein Feuerwerk im Mund. Und dazu Gerbstoffe die für soviel Grip sorgen, dass man denkt man leckt das Mauerwerk ab. Trinkig und süffig sind bestenfalls Hilfsausdrücke, will man dieses Gefühl von Trinkfluss auch nur annähernd korrekt beschreiben.

Geschmacklich nimmt man augenblicklich die volle Bandbreite des Cabernet Sauvignon wahr, gefühlsmässig dominiert Sangiovese mit ihrer straffen Säure. Zusammen ergibt alles ein harmonisches Ganzes, das zwar rund und voll wirkt, aber dank der pulsierenden Säure und den reichlich vorhandenen Gerbstoffen für leicht spröden Charakter sorgt. Und während man beobachtet wie der Wein die Zunge säuretechnisch neckt und fordert, sie mit seiner Frucht förmlich einlullt, dem Gaumen einen feinen Tanninanstrich mit dezenter herber Note verpasst, verdunstet der Tropfen in riesengrossen Schlucken im Mund. Kirschen satt, bis zum Anschlag schmeckt man, auch schwarze Johannisbeeren. Üppig aber nicht fett, kräftig aber nicht dick. Die Säure ist der wahre Dominator in diesem Elixier, sie ist es die den Wein ‘schlank’ hält, ihn derart süffig macht, dass man sich schwer beherrschen muss, weil nur daran rumnippen einfach überhaupt nicht möglich ist. Das Zeug will gesoffen werden. Selbst wenn man am Ende dabei in die Luft geht.

Mouth Bomb & Burger Entgegen den Empfehlungen von Marco habe ich mich zu diesem Explosivkörper für eine geschichtlich nicht überlieferte Wiener Kreation entschieden. Entstanden ist diese nach dem zweiten Glas der Mouth Bomb und weil diese rote Fruchtexplosion noch nicht reichte, musste es dazu auch noch eine Cholesterinbombe geben. Dem zu 100% von der glücklichen Wiesenkuh entnommenen Fleisch wurden noch eine banale Gewürzgurke, Senf, Ketchup, Mayo, Zwiebel, Tomaten, Steinpilze, Salat, Speck, ein Spiegelei und reichlich Cheddar hinzugefügt bevor alles zwischen einer Kaisersemmel endgelagert und verzehrbereit gemacht wurde. Das Ergebnis war dann wohl eine der massivsten Explosionen die jemals in einer geschlossenen Mundhöhle stattgefunden haben.

Resümee: Wie sagt Marco Giovanni Zanetti über seine WINEPUNK-Essenzen? “Bei diesen Weinen steht weniger der Terroirgedanke im Vordergrund, sondern mehr der unkomplizierte, frische, fruchtige Trinkspass. Sie sollen den Weintrinker der nicht sehr in der Materie steckt irgendwo abholen. Den Wein sehe ich mehr an der Theke, der Grillparty, dem Konzert, auf dem Festival. Gerne auch gut gekühlt zur Currywurst, dem guten Cheeseburger oder zur Pizza. Easydrinking!” Dem ist nichts hinzu zu fügen. Ausser, dass ich jetzt noch einmal die Küche anwerfe, mir noch einen Burger bastle und den Rest der Pulle im Mund hochgehen lasse.

Tipp: Schrauber ab und wegmachen. Leicht gekühlt mit 16º am besten zu trinken. Pizza, Burger, Döner, Currywurst und vieles mehr jagt der Tropfen süffig in den Rotwein-Himmel. Als Solist ein hochexplosives Elixier, das man nicht zu warm werden lassen sollte.

Einen Bericht über die Mouth Bomb lesen Sie auch hier.

Wenn im Rotweinglas schon Bombenstimmung herrscht, dann sollte auch als musikalische Begleitung etwas Bombastisches aus den Bose-Boxen tönen.

Verkostet wurde ein Mouth Bomb 2011 von Marco Giovanni Zanettis Projekt WINEPUNK aus einem 2,5 ha großen Weinberg in San Michele di Bassano del Grappa (VI), Italien.

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Kategorie: Verkostet, Zio Porco Wines

Kommentare (1)

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  1. Was der Marco macht gelingt. Keine hochkomplexen Hirnlastigen Unterhalter, vielmehr Spaß den man gern auch mit Freunden teilt. Klingt abgedroschen nach “Marketing” – viele verkaufen sich so – aber nicht jeder kanns dann auch…

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