L´Apparita 2008 Castello di Ama

| 2. September 2013 | 0 Kommentare ...alles

Dunkelschokoladig mit einem feinen Pelzchen.

Ein Wein der einem gekonnt zeigt wo sich die Spreu vom Weizen trennt und worin sich Alltagsweine von wirklich grossen Tropfen unterscheiden.

Winzer/Weingut: Castello di Ama, Gaiole in Chianti, Siena, Italien.

Lage/Herkunft: Von einem kleinen Weinberg namens Bellavista, der auf 490 Meter Seehöhe liegt.

L´Apparita 2008 Flasche/Etikett: Wie auf allen Flaschenbeklebungen des Castello di Ama reitet auch auf diesem im oberen, weinroten Teil des Etiketts der italienische Condottiere Guidoriccio da Fogliano auf seinem Ross durch die Gegend. Im unteren, vanillegelben Teil prangt in Kapitalen L´APPARITA und der Jahrgang auf dem Etikett, oben drüber TOSKANA Indicazione Geografica Tipica und darunter wieder das Wappen des Castello di Ama. Ganz unten steht alles drauf was sonst noch drauf stehen muss.

Auf ein Rückenetikett wird verzichtet, man erwartet praktisch, dass der Weinfreund weiss was er in seinen Händen hält. Wer das nicht tut, dem sollte spätestens beim Preis klar werden, dass er was ‘Grosses’ ausgesucht hat. Um dem L´Apparita einen entsprechenden Rahmen zu bieten wird er in die schönste Karaffe umgefüllt und darf sich dort für seinen grossen Auftritt in aller Ruhe vorbereiten.

Im Glas: Dunkles Granatrot steht im Glas, nicht völlig blickdicht, zum Rand hin ein wenig ins Kirschrote gehend.

In der Nase: Schon beim Schwenken hüpfen einem nicht die primär erwarteten Kirschen, sondern reife Zwetschken in die Nase. Erst dann ein Schuss süsser Kirsche im Schokomantel. Es ist ein edler Duft der in sich ruht, der keinen Lärm macht und seine Aromen sehr dezent und fein entweichen lässt. Weichseln treiben sich im Hintergrund herum, etwas Minze taucht auf und zarte Gewürzaromen verfeinern die gesamte Aromatik die ins Rotbraune geht. Es ist auch die Minze die dem Bukett einen ganz leichten Stich ins Grüne mitgibt und ihn erfreulich frisch in der Nase wirken lässt.

Im Mund: Dicht, harmonisch und dunkelkirschig lässt sich der L´Apparita auf der Zunge nieder. In feinste Bitterschokolade getauchte Zwetschken schmeckt man und man weiss, dass man Merlot im Mund hat, es fühlt sich nur viel besser an. Nichts was sich rücksichtslos und plump in den Vordergrund drängt, feine, süsse Kirschfrucht die über die Zungenränder frisch abgleitet, wunderbares Säurespiel und eine Gerbstoffcharakteristik die den Gaumen elegant in edelstes Tuch hüllt. Da ist wieder diese frische Minznote am Gaumen die aussergewöhnlich harmonisch mit der Kirschfrucht korrespondiert. Das bringt Frische in den Mund, lässt den L´Apparita lang werden und man spürt wie er kerzengerade über die Zungenmitte zieht. Erst danach geht er auf und sorgt für eine beeindruckende, knochentrockene Mundfülle die aber doch sehr saftig ist.

In atemberaubender Geschwindigkeit nimmt der L´Apparita fast minütlich an der Luft zu, wird immer saftiger, dunkle Gewürze treten mehr in den Vordergrund und was Frucht, Saft und Tannine angeht zeigen sich diese in Höchstform. Wenn man bedenkt, dass der Tropfen im Grunde genommen erst am Anfnag seiner Entwicklung steht, was erlebt man dann 2018, 2025 oder später? Die Kirsche hat jetzt das Fruchtkommando übernommen und die Zwetschke leicht in den Hintergrund gedrängt. Dafür muss sie sich jetzt viel mehr anstrengen um der dunkelschodokaligen Bitternote Paroli bieten zu können. Es wirkt jetzt auch voller im Mund, es fühlt sich weich und vornehm an, noch mehr Saft steht den himmlischen Tanninen gegenüber, beide leben ihr Wesen in wunderbarer Harmonie auf der Zunge und am Gaumen aus. Am Ende bleibt ein ganz ganz zarter Hauch von Pelz übrig, der sich allerdings bestenfalls Pelzchen nennen darf. Überhaupt nicht dick wirkt der L´Apparita, ist im Körper eher ein Mittelgewicht und fühlt sich im Mund frisch und kühl an. Man spürt ihn zweimal, zu Beginn in seinem vollen Saft auf der Zunge und dann dunkelwürzig und wie feinsten Samt am Gaumen. Im Abgang trifft sich alles zu einem eindrucksvollen Stelldichein und versüsst den letzten Weg mit einem Schuss dunkler Kirsche und dem bereits erwähnten Pelzchen hinter den Lippen. Im Nachhall dunkle Schokolade, braune Gewürze, ein wenig Frucht und ein nicht enden wollendes Wohlgefühl. Harmonie, Charakter, Ausdrucksstärke sind wohl die bemerkenswertesten Eigenschaften dieses Tropfens.

Resümee: Den L´Apparita ‘emotionslos’ zu beschreiben fällt ob seines Preises nicht leicht. Um die 150 Euro kostet das Fläschchen und eignet sich somit in keinster Weise für den schnellen Weingenuss. Obwohl, warum eigentlich nicht? Weingenuss und die Freude am Wein sollten ja nichts mit dem Preis zu tun haben. Ohne jeden Zweifel ist der L´Apparita ein Merlot der Extraklasse, ein Wein der absoluten Spitze. Es ist aber auch nur ein Wein der, ‘völlig wertfrei beurteilt’ einfach riesengrossen Spass macht, einem aber trotzdem gekonnt vor Augen führt wo sich die Spreu vom Weizen trennt und worin sich Alltagsweine von wirklich grossen Tropfen unterscheiden. Der L´Apparita ist ohne jeden Zweifel ein Grosser, ob er einem 150 Euro wert ist muss jeder für sich selbst entscheiden.

Tipp: Eine halbe Stunde Luft in der Karaffe tut ihm sehr gut. Danach geht er immer mehr auf. Geniessen Sie ihn bei 16-18º zu festlicher Küche oder zelebrieren sie die schönsten Momente im Leben mit diesem Edeltropfen einfach ohne alles.

Einen Bericht über den L´Apparita lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein L´Apparita 2008 vom Weingut Castello die Ama aus Gaiole in Chianti, Siena, Italien.

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Kategorie: Castello di Ama, Verkostet

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