Villanyi Kékfrankos Nagytótfalu 2012

| 24. Oktober 2016 | 0 Kommentare ...alles

Fein, feiner, Nagytótfalu

Eine traumhaft gelungene Symbiose von subtiler Frucht, präsenter Würze und leichtfüssiger Rasanz.

Winzer/Weingut: Weingut Hummel, Villanyi, Ungarn.

Lage/Herkunft: on kalkhaltigen, mineralischen Lössböden in Villanyi.

nagytotfalu-2012 Allgemeines: Einen hatte ich ja schon vom Weingut Hummel aus Villanyi; den Lindenblättriger 2015. War das ein Erlebnis! Heute habe ich einen zweiten Wein von ihm, der mich ganz neugierig gemacht hat, am Tisch der Wahrheit stehen; den Kékfrankos Nagytótfalu 2012. Der Name Nagytótfalu erinnert mich irgendwie an Nosferatu, aber nur weil ich ihn nicht aussprechen kann und ihn quasi optisch umforme. Jedenfalls ist es ein lupenreiner Blaufränkisch (Kékfrankos) der biologischem Anbau entspringt und im Barrique ausgebaut wurde, von wo er mit schlappen 11,5 Umdrehungen in die Flasche wanderte. Hört sich für mich nach einem mehr als leichten Trinkvergnügen an. Horst Hummel sagt, dass 2012 ein grosser Jahrgang mit niedrigen Erträgen war. Wie gross der Jahrgang wirklich war und wie sich die niedrigen Erträge in seinem Kékfrankos Nagytótfalu widerspiegeln, dem gehe ich jetzt auf den Grund. Ein wenig Luft in der Karaffe schadet nie und nach einer halben Stunde wird der gute Tropfen angetrunken.

Im Glas: Schwarzrot steht der Nagytótfalu im Becher.

In der Nase: Ungewöhnlich ruhig ist der Duft der aus dem Glas strömt. Etwas Weichsel, dann viel feine erdige Würze, leise, verhalten und doch sehr präsent. Keine Aufregung im Riechorgan, alles ist ungemein elegant. Etwas Thymian riecht man weit hinten, dazu ein wenig Laub und ein paar verdorrte Äste. Ein sehr schöner, unaufgeregter herbstlicher Duft der sich die Nasenflügel hocharbeitet.

Im Mund: Schon der erste Schluck macht klar, dass dieser Flasche kein langes Leben beschert sein wird. Richtig frisch macht sich der Nagytótfalu augenblicklich über Zunge wie auch Gaumen her, geizt nicht mit knackiger Säure (was ich liebe in Rotweinen) und sorgt mit einer ausgesprochen feinen Textur für Staunen. Sauerkirschen auf der Zunge, Grafit und Erde am Gaumen, ein Gerbstoffkleid so fein wie kühle Seide, kein Gewicht, nur Tempo in der Futterluke. Ich würde diesen Tropfe ohne zögern einfach als rasant beschreiben. Ich glaube das ist das beste Wort für ihn. Und nehme noch ein Maul voll, weil der Geschmack von saurer Kirsche und den feinen getrockneten Kräutern gar so animierend ist. Der Trinkfluss schlicht und einfach … rasant, wie schon gesagt.

So richtig lustig aber wird es erst, wenn der Nagytótfalu ein wenig Luft getankt hat. Dann tropft ein frischer, leichtgestrickter Saft von Weichseln und von roten Beeren an den Zungenrändern ab, vom Gaumen rieselt richtig feiner Steinstaub und die Mineralik zeigt sich von ihrer elegantesten Seite. Sie wirft mit Grafit und Erde um sich, vom Holz ist keine Spur zu merken. Null, nada. Und dann, ganz plötzlich, herrlich leise Röstaromen, ganz weit unter der Sauerkirsche vergraben. Ein wenig dunkler Rauch, ganz fein und leise, wie ein dünner Nebel über allem. Nach wie vor unglaublich diese frische Säureader die für soviel Puls, soviel Frische sorgt im Mund. Dazu so wenig Alkohol im Spiel, dass man den Wein am liebsten aus der Flasche trinken möchte.

Es ist einfach abartig. Im posivsten Sinn. Der Nagytótfalu zischt durch die Kiemen und man kann nicht aufhören weiter nachzufüllen. Sogar mit Temperatur bleibt er kühl, verliert nichts von seiner Frische, agiert dermaßen lebhaft, dass man sich fragt wie sowas möglich ist. Enorm schlank im Körperbau, extrem leicht im Mund, fast schon filigran und doch so resolut im Auftritt. Eine traumhaft gelungene Symbiose von subtiler Frucht, präsenter Würze und leichtfüssiger Rasanz.

Resümee: Der Tropfen ist ein Hammer, schlichtweg ein echter Kracher. Einer der feinsten und frischesten Blaufränkisch die ich seit langer Zeit getrunken habe. Davon bitte gerne mehr. Zu jeder Zeit. Respekt, Hut ab!

Tipp: Eine halbe Stunde in die Karaffe damit. Mit frischen 14-16º genossen die grösste Freude zur Martinigans, zur Wurst, zum Braten und zu vielem mehr. Als Solist ein ausgesprochen süffiger wie lebenslustiger Geselle.

Einen Bericht über den Nagytótfalu lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Kékfrankos Nagytótfalu 2012 vom Weingut Hummel aus Villanyi, Ungarn. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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