Lindenblättriger 2015 Hárslevelü Villanyi

| 5. Oktober 2016 | 1 Kommentar ...alles

Was für ein Wein! Bitte mehr davon!

Schmecken und fühlen gleichzeitig. Sinnlich, saftig, trocken, fein und elegant. Das Mundgefühl ganz einfach traumhaft. Absoluter Suchtstoff!

Winzer/Weingut: Weingut Hummel, Villanyi, Ungarn.

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen, mineralischen Lössböden in Villanyi.

lindenblaettriger-2015 Allgemeines: Heute steht ein Hárslevelü am Tisch der Wahrheit. Kennen Sie doch, oder? Nein? Na gut, Hárslevelü ist ungarisch und heisst Lindenblättriger. Den kennen Sie aber. Auch nicht? Dann bitte bei Horst Hummel in Berlin nachfragen. Der macht daraus nämlich Wein, aus dieser alten autochthonen Rebsorte Ungarns. Im Weingut Hummel in Villanyi. Soviel zur Orts- und Rebsortenorientierung. Sein Hárslevelü, ich werde ihn hier Lindenblättriger nennen weil es einfacher ist, ist ein Gutswein (1 Hummel), die Orts- und Premiumweine haben entsprechend mehr. Hummeln. 74 Stunden Maischestandzeit lassen schon im Vorfeld auf ein recht dichtes aromatisches Weinvergnügen schliessen, die 12,5 Umdrehungen auf ein erfreulich leichtes. Instinktiv verfrachte ich den guten Tropfen für eine halbe Stunde in die Karaffe und entscheide mich für das grosse Burgunderglas. Ich bin mir sicher, dass der Wein das durchaus mag und freue mich auf den ersten Lindenblütler Lindenblättrigen meines Lebens. Die Premiere kann beginnen.

Im Glas: In kraftvollem Goldgelb steht der Lindenblättriger im Becher.

In der Nase: Seinem Namen alle Ehre machend riecht er auch. Lindenblütentee, ganz intensiv, dazu ein grosser Löffel Bienenhonig und etwas grüne Wiese. Fertig ist ein Duft in den ich mich am liebsten auf der Stelle reinsetzen möchte. Betörend, sinnlich, sexy, ungewohnt und höchst aromatisch. Ein Fest in der Nase. Es fühlt sich weich und saftig an, wird mit der Zeit aber immer feiner wie auch mineralischer.

Im Mund: Mein erster Lindenblättriger. Und garantiert nicht mein letzter. Was für ein Erlebnis! Es ist saftig auf der Zunge, dabei jedoch auch haptisch äusserst anspruchsvoll, weil traumhaft texturiert. Man schmeckt tatsächlich Lindenblüten, der Honig hält sich fein im Hintergrund auf. Dafür zeigt sich eine Mineralik die durch eine wunderbare Salzigkeit besticht. Frisch und agil ist auch die Säureader dieses Tropfens. Lebendig wirkt er im Mund, am Gaumen haftet er sich aromatisch wie auch leicht würzig an. Was ist das für ein Spass! Der grosse Kelch die absolut richtige Entscheidung, zeigt der Wein darin doch seine enorme Feinheit, welche im kleinen Glas erdrückt würde. Die einzige Frucht die man, so man will, erkennen könnte, wäre Quitte, der Rest ist Aromatik pur und zärtlich herbe Würze. Ich mag den Hárslevelü.

Ich glaub ich habe mich verliebt in diesen Wein. Diese gelbwürzige Aromatik ist genau mein Ding. Schüchtern zeigt sich eine reife Ringlotte, um sich augenblicklich wieder hinten anzustellen um dem Rest des Aromenchors Vorrang zu geben. Der Honig tritt wieder etwas stärker in den Vordergrund, der Wein himself bleibt aber trocken, fein und äusserst mineralisch. Die anfängliche Salzigkeit dreht immer mehr zu einem herbwürzigen Empfinden hin. Es fühlt sich an, als würde der Lindenblättriger im Mund auftrocknen. Am hinteren Teil der Zunge zeigt sie sich dann wieder kurz, die Salzigkeit, bevor alles in einen ausgesprochen gelbaromatischen Abgang übergeht. Im Nachhall knochentrocken, wahnsinnig fein, null Gewicht und doch druckvoll und nachhaltig. Ich will ganz viel mehr von diesem Zeug.

Resümee: Man gebe dem Kerl Luft und er verwandelt sich in einen Wein der total griffig, ja fast weiss im Gefühl wird, so als würde man sich Kalk durch die Kiemen blasen. Dabei bleibt er aber gelb im Geschmack, Was fasziniert ist die Harmonie zwischen weicher Saftigkeit und stoffiger Textur, welche beide in einer knochentrockenen Kalkwolke aufgehen. Das Mundgefühl ist einfach traumhaft. Schmecken und fühlen gleichzeitig. Sinnlich, saftig, trocken, fein und elegant. Mein Geschmack, meine Weinwelt. Ich hab´s vorhin gesagt und wiederhole es zum Abschluss: das war mein erster, aber garantiert nicht mein letzter Lindenblättriger. Was für ein Wein! Bitte mehr davon!

Tipp: Eine halbe Stunde Luft in der Karaffe tut gut. Geht immer mehr auf. Mit 10-12º geniessen. Zum Fisch, zum Beuschel, zu Kalbfleisch und Gemüse. Zur Alleinbespassung ein famoser Tropfen der allergrösste Freude macht.

Einen Bericht über den Lindenblättriger lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Lindenblättriger 2015 vom Weingut Hummel aus Villanyi, Ungarn. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

Kommentare (1)

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  1. Urbanek Karl sagt:

    Habe gerade einen harslevelü 2015 Hatari von Bott getrunken und bin ebenso begeistert !

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