Riesling ‘Vom Schiefer’ 2009 von Racknitz

| 27. Juni 2014 | 0 Kommentare ...alles

Zwei Gesichter und noch mehr Gefühle.

Riesling für Gesteinsfanatiker. Unverwechselbare gelbwürzige Charakteristik, die man, einmal erlebt, nicht mehr missen möchte.

Winzer/Weingut: Weingut von Racknitz, Odernheim a.d. Nahe, Deutschland.

Lage/Herkunft: Vom Odernheimer Kloster Disibodenberg, der Niederhäuser Hermannshöhle, der Niederhäuser Kertz und der Niederhäuser Rosenheck.

Riesling Schiefer Flasche/Etikett: Auf der dunkelgrünbraunen Schlegelflasche klebt ganz unten ein relativ schmales Etikett. Es erinnert mehr an eine Banderole als ein typisches Weinetikett. Auf gedecktem weiss in klassischer Handschrifttypo von Racknitz, darunter 2009 und Riesling. Am linken Rand ein bronzefarbiges rundes Siegel mit lateinischer Inschrift. In der Mitte der Heilige Disibod und quer darüber ‘auf Schieferboden gewachsen’. Das Siegel weist auf das nach ihm benannte Kloster Disibodenberg hin.

Am rechten, in grau gehaltenen äusseren Rand erfährt man alles was normal auf einem Rückenetikett steht. Ganz wichtig, dem Thema folgend, die Zahl 11,5% vol. Da ich bereits einige der von Racknitz-Weine kenne, kommt auch der ‘Vom Schiefer’ für eine Stunde in die grosse Karaffe. Es sind Weine die Luft brauchen, um dann in ihrer ganzen Pracht aufzugehen und deshalb wandert auch dieser hier vorerst in den gläsernen Kessel.

Im Glas: Goldig gelb dreht der ‘Schiefer-Riesling’ seine Runden im Glas. Die Farbe ist sehr dicht und intensiv.

In der Nase: Schon nach dem Umfüllen hüpft einem der unverkennbare gelbwürzige Duft in die Nase. Nach einer Stunde dann noch immer intensiv, aber etwas konsolidierter geworden. Reifes Steinobst, ebenso reife Orangen- und Zitronenaromen welche sich an der Nasenwand fest anlegen. Dazu diese unverkennbare gelbe Würze die den Wein wie eine schwere Robe umhüllt. Extreme Mineralität nach nassem Stein und eine ebenso ausgeprägte Senfaromatik. Unheimlich kraftvolles, saftiges und konzentriertes Dufterlebnis an das man sich erst gewöhnen muss.

Im Mund: Kaum lässt sich der Riesling vom Schiefer auf der Zunge nieder, spürt man eine richtig rassige Säure auf ihr. Nicht vorne, sondern ganz weit hinten drückt sie ihren Saft aus und zaubert einem ein Grinsen ins Gesicht. Auch der Geschmack und das Mundgefühl sind unverkennbar für die ‘Gesteinsweine’ derer von Racknitz. Nasser Schiefer bis zum Abwinken steht am Gaumen, vom Geschmack her meint man vollreife Zitronen- und Orangen zu erkennen, etwas dunkler Kandiszucker ist dabei. Intensiv zeigt sich die gelbe Würze auf der Zunge und am Gaumen tanzt die Säure ihre Polka. Es fühlt sich frisch, fast frech an und im Abgang schmeckt man Schiefer in Orangenschale. Es ist so vielschichtig was da im Mund steht, so intensiv, so aromatisch und dicht, dass man gar nicht nachkommt alles auf einmal zu erfassen. Und weil ich weiss wie sich der andere ‘Gesteinswein’ (Riesling vom Vulkangestein) mit Zeit und Luft entwickelt hat, wird auch von diesem das zweite Glas erst am Abend getrunken.

Wie erwartet hat der Wein bis zum Abend enorm zugelegt, ist jetzt kristallklar und hat sich trotzdem seine feine Aromenopulenz erhalten. Der Wein ist weicher geworden, fühlt sich cremig auf der Zunge an und hat zur allgemeinen Überraschung nichts von seiner Rassigkeit verloren. Es ist als würde man zwei Weine im Mund spüren. Der eine sanft, sowie durch seine gelbe Würze weich und warm. Der andere, dank seiner klaren Struktur messerscharf und seiner Säure frech und lebenslustig. Gemeinsam vermittelt das ein Mundgefühl das dazu einlädt mit dem Wein zu spielen, ihn zu rollen und zu quteschen, in ihn hinein zu stechen mit der Zungenspitze und ihn unendlich lange am Gaumen zu behalten. Man geniesst das ‘Volle’ an ihm, das doch so fein und flüchtig ist. Immer wieder blitzt im Hintergrund am Gaumen diese nasse Schieferaromatik auf und immer wieder wird diese von einem Schuss Orange mit Kandiszucker unterfüttert.

Resümee: Obwohl der Riesling vom Schiefer mit nur 11,5 Umdrehungen rotiert hat man das Gefühl etwas ‘kräftigeres’ im Mund zu haben. Man vermutet mehr als wirklich da ist, was diesen Riesling so bezaubernd wie auch süffig macht. Leicht muss nicht immer inhaltlos sein, es kann auch richtig Eindruck schinden. Das tut der Wein und zu alldem behaupte ich auch, dass man von Racknitz-Weine mögen muss. Ganz speziell die ‘Gesteinsweine’, welche so intensiv aromatisch, so unverkennbar in ihrer Duftigkeit und so unverwechselbar im gelbwürzigen Mundgefühl sind. Nasse Mineralik ist nichts für Fruchtfanatiker und gelbe Würze ist auch nichts für jedermanns Nase. Hat man sich aber erstmal damit angefreundet, dann möchte man diese unvergleichliche Charakteristik nicht mehr missen und wird sich immer und immer wieder auf sie einlassen. Ich persönlich war zu Beginn verwirrt von diesen Weinen und heute bin ich echter Fan davon. Die 14 Euro die der ‘Schieferwein’ kostet sind mehr als gut investiert. Morgen trinke ich dann der Rest der Flasche und bin sicher, dass der Tropfen weiter zugelegt hat.

Tipp: 2-3 Stunden Luft sind ideal. 10-12º sind empfehlenswert. Fisch und weisses Fleisch, knackiges Gemüse und auch leichte asiatische Küche begleitet er charaktervoll. Als Solist ein Wein der über Tage grossen Spass macht.

Einen Bericht über den Riesling ‘Vom Schiefer’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling ‘Auf Schiefer’ 2009 vom Weingut von Racknitz aus Odernheim an der Nahe, Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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