‘Beaumont’ 2011 Rouge Mâcon-Cruzille

| 28. Juni 2014 | 0 Kommentare ...alles

Gamay mit Charakter & Struktur.

Ist das tatsächlich Gamay? Knochentrocken, frisch und lebendig, agil, lebendig und wunderbar würzig treibt dieser Wein sein Spiel im Mund.

Winzer/Weingut: Domaine Guillot-Broux, Mâcon-Cruzille, Mâconnais, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergelböden der Lage Beaumont im Mâconnais.

Beaumont Flasche/Etikett: Irgendwie typisch französisch wirkt das blasshellbeige Etikett das auf der dunklen Burgunderflasche klebt. Oben ist ein Pferd gross abgebildet, welches sich in einem Gestrüpp aus Pflanzen austobt. Unterhalb in einer Art Frakturschrift Domaine Guillot-Broux und in rot der Name Beaumont, der für die Lage steht, welcher der Wein entstammt. Das war es dann auch schon auf den ersten raschen Blick und erst wenn man die Flasche dreht, findet man am rechten seitlichen Rand alle Informationen die den Wein betreffen. Mâcon-Cruzille ganz oben, Herkunft ist das Wichtigste bei französischen Weinen. Ohne dieser Angabe geht in Frankreich nichts. Dann noch ein paar technische Infos und die beiden Siegel von AB und ECOCERT, damit man weiss, dass man hier Biowein in der Flasche hat. Am Flaschenhals ein kleines Etikett das in rot den Jahrgang trägt und mit einer weinroten Manschette oben eingefasst. Für eine halbe Stunde kommt der Beaumont jetzt noch in die Karaffe und dann ist er bereit zu zeigen was er kann.

Im Glas: Klar wie ein Rubin leuchtet der Beaumont aus dem Glas heraus. Transparent und hell steht er darin und kündigt frisches Vergnügen an.

In der Nase: Kraftvoll strömen würzige Aromen die Nase hoch. Nicht laut, nur sehr ausgeprägt. Es duftet pfeffrig, auch Zimt ist dabei. Rotwürzig trifft es am besten. Hier spiegeln sich nicht die typischen Waldbeeren und sonstigen roten Vertreter, sondern eindeutig der Boden, das Unterholz, die Erde und der orientalische Gewürzkorb wider. Ein robuster Duft der auch ein wenig Leder und Kakao mitführt und erstaunlich anders riecht als man es von klassischem Gamay gewohnt ist. Gewöhnungsbedürftig weil anders und ungewohnt, dafür aber ungemein attraktiv.

Im Mund: Kaum ist der Beaumont im Mund stellt man fest, dass dieser Gamay völlig anders ist als alles was man kennt. Kalkig steht er auf der Zunge (von Kalkmergelböden stammt er auch), und diesen Kalk schmeckt und spürt man. Verbunden mit einem Gerbstoffgerüst, das ebenso ungewohnt ist wie es überrascht. Frische Säure dreht ihre Runden im Mund, es rieselt und raschelt auf der Zunge und eine pfeffrige Würze steht auf ihr. Der Wein lebt im Mund, pocht wie beschleunigter Puls und zeigt eine Struktur, die man in keiner Weise erwartet hätte. Ist das tatsächlich Gamay? Diese oft so dünne und banal wirkende Weine hervorbringende Rebsorte? Nicht zu glauben. Wie Samt legt sich der Tropfen in seiner ganzen kühlen Frische auf den Gaumen, streift dort sein Gerbstoffkleid ab und lässt einen spüren wie sich Mikrofaser im Mund anfühlt. Knochentrocken, ungemein frisch und lebendig, agil, lebendig und wunderbar würzig treibt der Beaumont sein Spiel das mehr als nur beeindruckend ist.

So leicht der Beaumont im Alkohol ist, so kraftvoll, so engmaschig und dicht ist er Mund. Man spürt den Wein fast mehr als man ihn schmeckt. Rotwürzig ist es auf der Zunge, aber den Gaumen dominiert eine Frische, die von ultrafeinem weissen Kalkstaub begleitet wird. Als hätte der Wein eine natürliche Kühlung eingebaut. Rassige Säure, so darf man jene die präsent ist durchaus bezeichnen, sorgt für Leben im Mund, orientalische Gewürze streiten sich gesittet und einigen sich darauf, als ‘Oriental mix’ aufzutreten. Der Wein macht einerseits Druck, ist aber auf der anderen Seite leicht und fein gewirkt. Was dieses Mundgefühl so eindrucksvoll macht, ist die gekonnt inszenierte Vereinigung von schmeckbaren roten Früchten mit den ausgeprägten dunklen Gewürzaromen. Zimt mit Waldbeere, Pfeffer mit Himbeere, alles eingehüllt in einer mit Kalkstaub gefüllten Erdkruste. Soviel Charakter in Gamay, das ist einfach unglaublich.

Resümee: Nach zwei Stunden Luftzufuhr scheint es, als hätte der Beaumont seine ideale Reiseflughöhe erreicht. Zu meiner Verteidigung muss ich zugeben, dass ich bis jetzt nur Gamays von Granitböden kenne und keine die dem Kalk entspringen. Ab sofort möchte ich diese, wenn sie denn so wie der Beaumont sind, nicht mehr missen. Man muss auf jeden Fall das was man hier schmeckt und spürt zulassen. Man ist wahrscheinlich anderes gewohnt, weshalb das hier verwirren mag. Hat man sich aber erst darauf eingestellt, dann darf man sich die Frage stellen, wo denn nun die Grenze ist, die diesen Gamay von Pinot Noir unterscheidet. Letztlich ist es die orientalische Würze die ihn ‘entlarvt’. Bei all dem grossen Spass die dieser Wein macht, eines jedoch ist dieser wunderbare Gamay sicher nicht: Er ist keine Feierpulle, leider. Dafür ist er zu kostenintensiv. Andererseits, wer´s hat, dem könnte dieser Tropfen täglich als Sommer-Terrassen-Rotwein allerbeste Dienste leisten. 18 Euro sind stolz für einen Gamay. Wer diesen allerdings gekostet hat, der weiss, dass Qualität einfach etwas kostet.

Tipp: 1-2 Stunden in der Karaffe tun dem Wein gut. Nicht zu warm trinken. Im Sommer um die 16º. Passt jung getrunken hervorragend zu Terrinen und Käse sowie zu Champignongerichten. Gereift dann schön zu Fasan und Wachtel. Für sich allein genossen ein Gamay der überrascht und Eindruck hinterlässt.

Einen Bericht über den Beaumont lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein ‘Beaumont’ 2011 Mâcon-Cruzille von der Domaine Guillot-Broux in Mâcon-Cruzille, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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