ACHTUNG! Gemischter Satz 2011

| 24. Juni 2014 | 0 Kommentare ...alles

Kino für Kenner.

Schafft es bravourös sich fruchtig und würzig gleichzeitig zu zeigen. Ein Wein der in Balance ist und Kennern ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Kamptal/Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Eichelberg am rechten Kampufer bei Zöbing.

Achtung! Gemischter Satz 2011 Flasche/Etikett: Wie es sich anhört wenn polynesische Fruchtbarkeitsgötter ACHTUNG! schreien weiss ich nicht. Dass sie es aber tun kann man auf dem naturweissen Etikett das auf der Flasche klebt sehr gut sehen. Mit einem grossen Trichter vor dem Mund brüllt der kleine Gott mit Inbrunst in selbigen hinein und schreit hinaus, dass man gefälligst achtgeben soll. Irgendwie hat der kleine polynesiche Marktschreier eine gewisse Ähnlichkeit mit Lui alias La Linea. Wer das kleine Quasselmonster kennt, der weiss was hier gemeint ist. Unterhalb der lustigen Illustration dann das ‘echte’ Loimer-Logo und am Rand, ganz unten, in orange Achtung! Gemischter Satz sowie in schwarz der Jahrgang 2011. Am Rückenetikett ganz oben Achtung! und in der Mitte das Siegel der Traditionsweingüter Österreichs. Ebenso der Hinweis, dass dieser Gemischte Satz ein Wein aus der Umstellung auf biologische Landwirtschaft ist. Landwein, trocken, 14%vol. liest man als Zusatzinformation. Bevor der gute Tropfen aber angetrunken wird, darf er für eine volle Stunde ein paar Runden in der grossen Karaffe drehen.

Im Glas: Leuchtendes Orange strahlt aus dem Glas heraus, kräftig, mit saftigen gelben und bernsteinfarbigen Begleitnoten. Ein fetter Film fliesst an der Glaswand langsam ab.

In der Nase: Wunderbar ist das was die Nasenflügel hoch strömt. Viel Orange ist dabei, etwas Butterkeks, Birnen und auch eine feine Würze dreht sich zivilisiert im Kreis und verleiht dem Duft Charakter. Kräftiger Waldhonig macht sich bemerkbar, ein Hauch von Bäckerei weht im Glas. Insgesamt ein kraftvoller Duft, welcher keinen Krach macht, sondern sehr gesittet für beste Unterhaltung in der Nase sorgt. Man riecht zuerst das Fruchtige, das sich schlagartig in einer feinen Würze auflöst, um am Ende wieder relativ fruchtig die Nebenhöhlen hinunter zu ziehen.

Im Mund: ACHTUNG! Da kommt was wirklich Geiles! in den Mund. Der erste Eindruck verwirrt ein wenig weil man ad hoc nicht sagen kann, ob man jetzt mehr Frucht, mehr Würze oder mehr Erde schmeckt. Es schmeckt definitiv orange, nicht im Sinn von fruchtiger Überreife und Gerbstofflastigkeit, sondern rein farblich. Es ist saftig was auf der Zunge steht und gleichzeitig fühlt es sich an als wäre alles von einem ultrafeinen weissen Nebel überzogen. Orangenschale schmeckt man, dicke fette Birne, keinesfalls matschig, eher straff und fest, auf dem Höhepunkt der Reife. Man spürt Volumen, nimmt das aber keinesfalls als voluminös wahr. Vielmehr fühlt sich der Wein trotz seiner Dichte sehr fein im Mund an. Gerbstoffe so fein wie Seide verleihen dem Wein Ausdruck und Charakter.

Nach drei Stunden an der Luft fühlt sich der ACHTUNG! erst so richtig lebendig, frisch und in Hochform an. In einträchtiger Harmonie reichen sich gelbe Fruchtaromen mit feiner erdiger Würze die Hand, verbinden sich und präsentieren sich in wunderschöner Balance sowohl auf der Zunge wie am Gaumen. Auf der Zunge eher der Frucht das Feld überlassend, darf am Gaumen eine ausgesprochen feine Würze das Kommando führen. Erst jetzt nimmt man den Tick von Säure wahr, welche so tief eingebettet ist in diesen kräftigen und doch so feinfaserigen Körper. Nicht wie ein Zehnkämpfer steht der Gemischte Satz im Mund, sondern wie ein Marathonläufer. Schlank, sehnig und fast schon grazil. Keine Spur von Hammer, vielmehr ein echter Feinmotoriker. Insgesamt kann man den Wein durchaus als delikat bezeichnen. Man kann ihn richtig schmecken wenn er auf der Zunge steht und ebenso spüren wenn er über den Gaumen zieht. Auch die Art wie sich die Gerbstoffe dieses Weins präsentieren, macht den Tropfen zu einer Ausnahmeerscheinung. Man ahnt sie mehr als man sie spürt, man weiss, dass sie da sind und doch fallen sie nicht wirklich auf. Gekonnt verrichten sie ganz weit hinten ihre ‘Arbeit’, unterstützen den Charakter mehr als ihn auszumachen, verleihen dem durchaus eleganten Kleid Patina und lassen den Orangen- und Birnenaromen genügend Platz, dem Wein seine durchaus fruchtige Charakteristik zu zeigen.

Resümee: Der ACHTUNG! schafft es bravourös sich sowohl fruchtig wie auch würzig in einer einzigen Wahrnehmung zu zeigen. Man schmeckt UND spürt ihn gleichzeitig, nimmt in der Sekunde Frucht wahr und in der selben seine Erdigkeit. Im Abgang ein fruchtig-erdiges, mit weissem Nebel behaftetes Gaumenvergnügen und im Nachhall ein butterorangebäckriges Spektakel das nicht enden will. Um die 30 Euro sind für diesen Genusshappen dem Konto zu entnehmen. Spätestens nach dem zweiten Glas zeichnet man jedoch gerne einen Dauerauftrag, weil man sich dieses Vergnügen für weitere Jahre sichern möchte. Man hat ja sonst schon nur mehr wenig was zur allgemeinen Freude beiträgt. Den Wein gibt es unter anderem hier käuflich zu erwerben.

Tipp: Ein bis zwei Stunden in der Karaffe sind empfehlenswert. Mit 14-16º! geniessen. Lammgerichte begleitet er vorzüglich, ebenso fein gewürzte Fleischgerichte. Als Solist ein Wein der grosse Freude macht und sich so überhaupt nicht als typischer ‘Orange Wine’ zeigt. Kino für Kenner.

Einen Bericht über den ACHTUNG! lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein ACHTUNG! Gemischter Satz 2011 von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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