Custoza 2012 bianco

| 25. Oktober 2013 | 0 Kommentare ...alles

Herbfruchtige Schönheit.

Ein Wein der einen in den Sommer zurückblicken und einen dank seiner Herbheit und weichen Fülle, ebenso leicht in den Herbst hinübergleiten lässt.

Winzer/Weingut: Gianni Piccoli, Corte Gardoni, Valeggio sul Mincio, Italien.

Lage/Herkunft: Von nach Süden geneigten, lehmhaltigen Hügeln in Valeggio sul Mincio am Gardasee.

Custoza 2012 Flasche/Etikett: Wie auf der Flasche des bereits im August 2011 verkosteten Bardolino Chiaretto klebt auch auf dieser, in grün gehaltenen Flasche, ein grosses und ein etwas kleineres Etikett. Den olivgrünen Untergrund ziert wieder die ansprechende Grafik mit dem Männchen welches in diesem Fall die Erde, oder auch ein Weinfass, auf seinen Schultern trägt. Beide Interpretationen sind wohl zulässig. Oberhalb der mit gelbweissen geometrischen Flächen gestalteten Grafik (stellt möglicherweise die Landschaft dar) steht im olivgrünen Teil CORTE GARDONI in weissen Kapitalen. Das untere, kleinere, Etikett enthält den Namen, ebenfalls in weissen Grossbuchstaben und den Jahrgang.

Am Rückenetikett, das aus einer transparenten Folie gefertig ist, steht nichts Wesentliches drauf, gerademal nur das was nötig ist. In weiss noch einmal Erzeuger, Name und Jahrgang, sowie eine Chargennummer und erfreuliche 12% vol. Das war´s dann auch schon. Zur farblichen Abrundung hüllt eine senfgelbe Manschette den Flaschenhals ein. Damit jedoch der Abschied vom Sommer nicht gänzlich verpasst wird, kommt der Custoza nun endgültig direkt von der Flasche in die Gläser.

Im Glas: In hellem strohgelb steht der Custoza im Glas, zeigt dezente grünliche Reflexe und ist klar wie ein Bergsee.

In der Nase: An den Nasenwänden zieht eine erfrischende Spur von grünen Äpfeln hoch, eine leichte Zitrusnote steht daneben. Es riecht ausgesprochen fruchtig und klar und drückt sofort auf die Speicheldrüsen, welche ihrerseits für einen augenblicklich einsetzenden Speichelfluss sorgen. Weisse Pfirsiche duften frisch aus dem Glas heraus und würde man es nicht besser wissen, könnte man diesen Duft problemlos mit einem fruchtbetonten Grünen Veltliner verwechseln. Weisse Blütenaromen kommen dazu und verleihen dem Wein eine weiche Note. Trotz der relativ hohen Geruchsintensität ist es weder laut noch überzeichnet was da aus dem Glas dampft.

Im Mund: So fruchtig der Custoza auf die Zunge kommt, so frisch und lebhaft er sich auch zeigt, so weich, fast schon cremig mild steht er auf ihr. Erst danach merkt man wie trocken er ist, wie herb er im Grunde am Gaumen liegt und auch für einen ebensolchen Abgang sorgt. Was auf der Zunge kristallklar und rein abfliesst stellt sich am Gaumen als dezent herbe Frucht dar. Dabei fällt auf wie mild der Wein im Mundgefühl ist, wie weich er trotz dieser glasklaren Struktur ist. Es verwirrt ein weing weil er eben so strahlend über die Zungenspitze strömt und sich urplötzlich in einen Tropfen mit Struktur und Tiefe verwandelt. Nimmt man den Mund einmal so richtig voll damit und spielt mit dem Custoza, so geht der Fruchtkern erst so richtig auf, man schmeckt Pfirsiche und weisse Blüten, spürt diese weiche Fülle, die sich fast warm zeigt. Man staunt wie der Wein trotz aller Fruchtigkeit edelst herb am Gaumen haftet und für einen ebensolchen Abgang wie auch Nachhall sorgt.

Obwohl der Custoza insgesamt eine relativ herbe Erscheinung ist schafft er es, mit seiner gut integrierten und irgendwie versteckt wirkenden Säure, dass es einem ganz leicht die Wangen zusammenzieht wenn man ihn ein wenig länger ‘kaut’. Es scheint als hätte dieser Wein zwei Gesichter, welche er in unmittelbarer Folge kurz hintereinander zeigt. Man meint strahlend klare Frucht auf der Zunge zu verspüren und schwupps, fegt ein herber Hauch über den Gaumen hinweg, vereint sich kurz wieder mit der Frucht im Abgang und bleibt dann als herber Nachhall in Erinnerung. Als würde sich der Wein kurz in seine Bestandteile auflösen und sich am Ende wieder zusammenfügen. Nach wie vor stehen intensive Pfirsicharomen im Glas, duften aussergewöhnlich stark in der Nase und sind auch jene Aromen die man am stärksten im Mund wahrnimmt. Dazu kommen wieder weisse Blüten und eine etwas steinige Note.

Resümee: Je öfter man vom Custoza kostet umso grösser wird der Spass mit ihm. Man hat sich an seine letztlich doch eher herbe Charakteristik gewöhnt, kann sie besser auf der Zunge und am Gaumen auseinander halten und geniesst das Spiel im Mund damit. Man blickt umweglos in den Sommer zurück und findet, dank der Herbheit und der weichen Fülle, ebenso leicht den Übergang in den Herbst mit diesem Wein. Fast wirkt er bei niedrigeren Aussentemperaturen weicher und fülliger, sogar aromatischer. Würde er im Sommer gnadenlos verdunsten, so ist er jetzt, im Herbst, ein durchaus ernst zu nehmender Spielgefährte den man ohne Reue jeden Tag geniessen kann. Mit seinen 12% vol. ist er so gut wie gefahrlos, was ihn aber keineswegs anspruchslos macht. Ganz im Gegenteil. Nicht einmal 9 Euro kostet dieser Alltagstropfen, der abseits von typisch deutschen Zechweinen, für richtig grossen Weinspass sorgt. Als Österreicher stelle ich ihn sogar selbstbewusst neben manch Grünen Veltliner, den er locker aus dem Rennen wirft.

Tipp: Ohne Umweg in die Gläser mit dem Tropfen. Bei 10-12º am besten zu geniessen. Kann zu Feststofflichem gereicht werden, muss aber nicht. Zechwein für unbeschwerte Sommer- wie auch Herbsttage. Nicht denken, einfach trinken.

Einen Bericht über den Custoza lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Custoza 2012 von Corte Gardoni aus Valeggio sul Mincio am Gardasee, Veneto, Italien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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