Valdeorras 2014

| 17. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Jugendlicher Charme der Spass macht

Man schmeckt ihn lange, man spürt ihn lange und man erliegt garantiert seinem verspielten jugendlichen Charme.

Winzer/Weingut: Joaquin Rebolledo, A Rúa (Ourense), Valdeorras, Spanien.

Lage/Herkunft: Von Rebstöcken, die in Weinbergen in 200 bis 300 Metern Höhe auf Granit und Schiefer stehen.

Mencia Valdeorras Allgemeines: Die eine Region heisst Bierzo, die andere Valdeorras. Beiden gemeinsam ist die Heimat der Rebsorte Mencia. Sie ist autochthon, wächst also nur dort. Einer der sich dieser Rebsorte verschrieben hat und zu den Spitzenwinzern der Region gehört ist Joaquin Rebolledo, der mit 40 Hektar Rebfläche gleichzeitig der größte Winzer der Appellation Valdeorras ist. Die Rebstöcke in seinen Weinbergen in 200 bis 300 Metern Höhe stehen auf Granit und Schiefer. Dort wächst auch sein Mencia Valdeorras, der heute unter dem Motto Rot für lau am Tisch der Wahrheit steht. Joaquin hat diesen Wein im gebrauchten Barrique ausgebaut. Zur Rebsorte ist noch anzumerken, dass diese hierzulande leider noch immer ein stiefmütterliches Dasein fristet weil sie so gut wie unbekannt und deswegen auch nicht verbreitet ist. Was schade ist, weil sie doch so viel zu bieten hat wenn man sie richtig “anfasst”. Mit dem Mencia Valdeorras 2014 möchte ich dazu beitragen, diese Weine ein wenig aus dem Dunkeln rein ins Licht zu führen. Bevor der Valdeorras aber ins Glas kommt, darf er eine Stunde in der Karaffe Sauerstoff aufnehmen.

Im Glas: In kräftigem kirschrot mit violetten Reflexen steht der Valdeorras im Glas.

In der Nase: Rote Früchte, Erdbeeren und auch schwarze Brombeeren duften verführerisch aus dem Glas heraus. Leicht balsamisch wirkt es, man riecht einen Schuss Nelke und stellt eine ganz feine leichte mineralische Würze fest. Im Hintergrund etwas Kakao, ein wenig Kalk. Insgesamt ein sehr verführerischer Duft der grosse Neugier auf den ersten Schluck weckt.

Im Mund: Frisch, fruchtig und vor allem herrlich griffig macht sich der Valdeorras auf der Zunge breit. Danach schmeckt man Kakao und erst am Schluss spürt man seine volle Weichheit. Und dann legt er los, zeigt seine wahre Frische die von einer feinen Säure unterstützt wird, schafft es trotz aller dunklen Früchte wie Erd- und Brombeeren nicht in einen Fruchtorkan auszuarten. Weil diesen nämlich Graphit und eine verirrte Nelke verhindern. Ganz kurz fällt einem Zinfandel ein, dieser zarte süssliche Nachtritt, der jedoch in diesem Fall ein äusserst zarter ist. Am Gaumen samtig, rotbeerig und von wunderbar weichen Gerbstoffen gestreichelt. Etwas Kalk dazu und fertig ist der Valdeorras für einen kühlen, mineralisch-fruchtigen Abgang der in einem ebenso fruchtigen Nachhall endet.

Ich bin kein Fruchttrinker, aber so wie diese dunklen Beeren hier eingearbeitet sind, wie harmonisch sie mit dem Kakao, der Nelke und dem Kalk zusammenspielen, das macht schon Spass. Noch dazu weil es der Valdeorras schafft kühl und frisch im Mund zu bleiben. Da klebt nichts, das wirkt nichts schwer, alles fliesst, alles ist leicht und trotzdem “erwachsen”. Spielerisch agiert der Wein auf der Zunge, während er am Gaumen mit seinen feinen Gerbstoffen Eindruck schindet. Auf der Zunge hat er diesen typisch leichten nelkigen Zinfandelstich, am Gaumen kommt er eher herbwürzig daher. Und während man überlegt was einem mehr zusagt, kommt man immer mehr zur Überzeugung, dass einen dieser Wein tatsächlich an einen Zinfandel erinnert. Nur hat der halt nicht diese herbe wie auch würzige Schlussnote. Und dann kaut man weiter an den frischen Brombeeren und ist einfach glücklich, weil sich alles so leicht und verspielt anfühlt.

Wie so oft, stelle ich auch beim Valdeorras fest, dass man diesen Rotwein besser mit kühlen 14º trinkt als ihn mit irgendeiner Zimmertemperatur zu quälen. Da ist er frisch, da ist er fruchtig, geschmeidig und ein richtiger Spassbolzen. Da tänzelt er trotz seinem Gerbstoffkleid spielerisch auf der Zunge auf und ab, schmiegt sich wunderbar weich an den Gaumen an und sorgt am Ende doch für ein richtig erwachsenes Finale. Man schmeckt ihn lange, man spürt ihn lange und man erliegt garantiert seinem jugendlichen Charme mit seiner Leichtfüssigkeit und seiner Verspieltheit.

Resümee: Der Valdeorras ist alles andere als ein grosser Wein, er ist einer der für den täglichen Genuss für wenig Geld (8,90 Euro) gemacht ist und einfach unkomplizierten Trinkspass bereiten soll. Genau das macht er und wer nicht aufpasst, der hat zum Mittagessen schneller eine Flasche weg gemacht als er geplant hat. In diesem Sinne: Trinkt mehr Mencia, so einen wie diesen hier. Das ist Spass für jeden Tag!

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe sollte man ihm gönnen. Dann am besten mit 14 – max. 16º trinken. Der braucht keine Zimmertemperatur. Zu gutem roten Fleisch, zu scharfen Gerichten, zu vielen Gemüsekreationen, oder einfach so zum Spass, ohne alles, verputzen. Trinkt sich wie Wasser.

Einen Bericht über den Valdeorras lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Mencia Valdeorras 2014 von Joaquin Rebolledo aus A Rúa (Ourense), Valdeorras, Spanien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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