Stettener Trollinger 2014 K&U Sonderedition

| 16. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Inkarnation von Zechwein mit Charakter

Der Wein fürs Ritteressen oder für das feudale Römerfest. Man bringe den grossen Becher und schütte mir das Zeug im Liegen in den Mund.

Winzer/Weingut: Jochen Beurer, Kernen-Stetten, Württemberg, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von 40 Jahre alten Reben auf kargen Mergelböden hoch über Stetten.

Trollinger Allgemeines: Tri, Tra, Trollinger. Eigentlich ein Wein den keiner braucht. Weil aber Jochen Beurer (seit 2013 Mitglied im VDP – Verband Deutscher Prädikatsweingüter) als Ausnahmewinzer im Ländle bekannt ist und ebenso seine Weine, wurde bei der gemeinsamen Verkostung mit Martin Kössler das Projekt “K&U Trollinger” gestartet. Das Ergebnis ist der Stettener Trollinger 2014 K&U Sonderedtion, der heute unter dem Motto Rot für lau am Tisch der Wahrheit steht. Exklusiv und einzigartig. Ausgebaut wurde der Wein im alten Holzfaß mit 10 Monaten Reife auf der Feinhefe. Die 40 Jahre alten Rebstöcke stehen auf kargen Mergelböden hoch über Stetten. Jochen Beurers Weinen sagt man nach, dass sie Ecken und Kanten haben, Profil und Persönlichkeit besitzen und auch gerne anecken. Das hört sich gut für mich an, weil ich solche Weine liebe. Angemerkt sei noch, dass Jochen Beurers Weingut seit 2009 EcoVin- und seit 2012 Demeter-zertifiziert ist. Ich werde jetzt den Stettener Trollinger gekonnt von seinem Schraubverschluss befreien und mir einen lustigen Tag mit ihm machen. Oder zumindest ein paar Stunden.

Im Glas: Wie dunkle Himbeerlimonade steht der Stettener Trollinger im Glas. Transparent, klar und leuchtend.

In der Nase: Traumhaft würzig in der Nase ist er, frisch, frech und lebendig zieht er hoch. Etwas Mandelduft schwebt im Hintergrund, vorne riecht es ausnehmend rotwürzig, nach Kirschen und nach kleinen roten Beeren. Richtig erfrischend fühlt sich der Wein in der Nase an, mineralisch und von ganz zarten Röstaromen begleitet. Typisch Trollinger was aus dem Glas dampft.

Im Mund: Gerade noch an sein Pendant, den Vernatsch gedacht, und schon knallt mir der Stettener Trollinger mit einem erfrischend belebenden Säurehammer auf die Zunge. Was zum Henker ist das denn? Erstens rassig und pikant, zweitens saftig und klar und drittens überhaupt süffig wie man sich es nur wünschen kann. Die rote Würze herrlich animierend, die Säure sorgt sogar für dezenten Speichelfluss und die weit weniger herbe, typische Mandelbitterkeit ist nicht vorhanden. Nicht dass ich was dagegen hätte, aber das hier ist einfach zum Trinken aus Kübeln gemacht. Erst wenn der Tropfen nicht mehr im Mund ist, spürt man wie wunderbar spröde er eigentlich ist, wie zart herb und mineralisch er auf der Zunge und am Gaumen verweilt. Der totale Flash von Frische und Lebendigkeit.

Wie kann etwas weich UND knackig sein? Der Stettener Trollinger schafft das, und wie. Frische rote Beeren und reife Kirschen tanzen auf der Zunge, fein gekörnt, leicht spröde, kantig und doch so liebenswert. Da ist Struktur auf der Zunge, da spürt man feine Stoffigkeit und jault vor Freude über diese rassige Säureader auf. Was dem Stettener Trollinger komplett fehlt ist diese, wie bereits erwähnt, typische Mandelnote. Das macht ihn fast schon fruchtig. Am Gaumen ist er eher kalkig, sandig, vor allem aber staubtrocken. Letztlich setzt sich doch eine gewisse Herbheit durch, die so fein wie elegant und unaufdringllich ist. Man trinkt und trinkt und trinkt und wer nicht aufpasst hat die Flasche schneller vernichtet als er vorgehabt hat. Wer braucht schon Trollinger? Ich! Und zwar von diesem. Kistenweise.

Ganz interessant und äusserst beeindruckend ist es zu verfolgen, wie sich der Stettener Trollinger offen im Glas entwickelt. Ein, zwei Grad mehr, etwas Luft und Zeit, und plötzlich hat man einen richtig griffigen Wein im Mund. Der fast cremig weich ist (langes Hefelager), der sich stoffig zeigt, der samtig ist und von einer roten Würze dominiert wird, die mit der lebendigen Säure Hand in Hand geht. Dazu eine edle Herbheit am Gaumen die dem Sand und Kalk geschuldet ist. Im Abgang rotfruchtig, feingekörnt, spröde und am Gaumen haften bleibend. Der Nachhall mittellang, fruchtig-pikant und einfach schön.

Resümee: Der Stettener Trollinger ist die Inkarnation von Zechwein mit Charakter. Der ist genau jene Sorte von Wein, der tatsächlich Ecken und Kanten hat, den man aber aufmacht und ihn einfach ohne nachzudenken wegmacht. Und zwar in grossen Mengen. Für mich der Wein fürs Ritteressen oder für das feudale Römerfest. Man bringe den grossen Becher und schütte mir das Zeug im Liegen in den Mund.

Tipp: Schrauber runter und weg damit. Wichtig: Bitte nicht mit mehr als 16º trinken, eher 14º. Zu deftiger regionaler Küche, zur Wurst und zur rustikalen Brettljause. Gans und Schweinebraten mag er ebenso und auch Wild macht er locker mit. Oder trinken Sie ihn einfach wie Caesar: im Liegen, aus dem grossen Römerkelch.

Einen Bericht über den Stettener Trollinger lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Stettener Trollinger K&U-Sonderedition vom Weingut Jochen Beurer in Kernen-Stetten, Württemberg, Deutschland. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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