Stromberg 2017 Grosses Gewächs

| 10. Juni 2019 | 0 Kommentare ...alles

Riesling für Steinesammler

Ein Paradebeispiel dafür, wie man subtile Fülle und krachend steinig-salzige Kargheit unter einen Hut bringt.

Winzer/Weingut: Schäfer-Fröhlich, Bockenau an der Nahe, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von den einzigartigen, ca. 40 Jahre alten Parzellen der Grand Cru-Lagen Felsenberg und Stromberg.

Stromberg 2017 GG Allgemeines: Es gibt ein Leben ohne Riesling. Aber es macht keinen Sinn. Vor allem wenn man an die Rieslinge vom Weingut Schäfer-Fröhlich aus Bockenau denkt. Von jenem Weingut, wo Tim Fröhlich von den einzigartigen, ca. 40 Jahre alten Parzellen der Grand Cru-Lagen Felsenberg und Stromberg seine Grossen Gewächse in die Flaschen zaubert. Jedes Jahr wird er von den internationalen Medien besungen, die seine Grossen Gewächse zu den besten Deutschlands küren. Heute habe ich seinen Riesling Stromberg 2017 GG im Glas, der, wie der Name schon sagt, von der Grand Cru-Lage Stromberg kommt, einer spektakulären, sehr steilen Lage mit 60 bis 70 Jahre alten Reben am Fuße einer vulkanischen Felswand mit einer Hangneigung von bis zu 70%. Hier gibt es quasi nichts als Vulkangestein. Damit sich der gute Tropfen ein wenig akklimatisieren kann, kommt er für eine halbe Stunde in die Karaffe um sich dann im Glas von seiner eindrucksvollsten Seite zu zeigen.

Im Glas: Helles strohgelb mit klaren grünen Reflexen leuchtet einem aus dem Glas entgegen.

In der Nase: In die Nasenflügel zieht der Stromberg augenblicklich mit dichten Schiefertönen hoch, gefolgt von einer ausgesprochen kraftvollen Würze. Leichte Kräuternoten schweben oben drüber. Wer Frucht sucht und erwartet ist hier völlig fehl am Platz. Hier geht´s ans Eingemachte. Mineralik pur, enorme Würze, Stein bis zum Anschlag, einfach schiefrig-rauchig, als würde man sich das Vulkangestein direkt in die Nase ziehen.

Im Mund: Und dann macht´s richtig bumm. Kaum kommt der Stromberg auf der Zunge an, fliegt einem förmlich knackige, geschliffene, leicht salzige Mineralität um die Ohren. Kristallklar, mit einem richtig hohen Säurepuls der einem ein verzücktes Grinsen in die Mimik zaubert, nimmt sich der Tropfen den Wangen und den Zungenrändern an. Das Zeug ist derart knackig, dass sich die Augen unwillkürlich zu schmalen Schlitzen verwandeln und man rasch den nächsten Schluck davon nimmt. Und dann erst merkt man diese Haftung die der Kerl am Gaumen aufbaut und sich gnadenlos in die Geschmacksbibliothek einbrennt. Mensch, ist das gut. Hallo, ist das geil.

Muss man einfach im Mund haben dieses Teufelszeug. Auf der einen Seite zeigt der Stromberg eine durchaus angenehme Fülle, packt richtig zu und ist dabei trocken wie ein Löschblatt. Auf der anderen Seite knackt es nur so vor Feuerstein und dunkler, rauchiger Würze. Man kann sie suchen, die Frucht, nur ist dies ein sinnloses Unterfangen, weil es nämlich keine gibt. Dafür schleudert der Kerl mit Vulkangestein nur so um sich, schiebt feine Kräuternoten hinterher und am Schluss gibt´s eine flotte Prise Salz noch oben drauf. Man könnte auch am nassen Felsen lecken, dann hätte man auch nicht mehr von dieser enorm beeindruckenden Mineralität im Mund. Der Grip wird dabei immer dichter und krallt sich richtig fest am Gaumen. Ausnahmezustand in der Futterluke. Einfach grandios!

Der Stromberg ist in der Tat ein Paradebeispiel dafür, wie man subtile Fülle und krachend steinig-salzige Kargheit unter einen Hut bringt. Es ist durchaus saftig, und kaum hat man diesen Zustand realisiert, schwenkt der Tropfen ins genaue Gegenteil und knallt einem pure Steinigkeit in die Sensorik. Und während man vor lauter Knackigkeit die Augen fast nicht offen halten kann, greift sich der Kerl ungeniert den Gaumen und pinselt ihn mit einem Steinfilm ein der irgendwie nicht mehr herunter gehen will.

Resümee: Was für ein Erlebnis dieser Riesling, was für ein Auftritt, was für ein Charakterkopf. “Freundlich” ist der gute Tropfen nicht, dafür ist er zu wild, zu eigensinnig, zu kompromisslos. Was er aber ist, ist rein und unverfälscht, ehrlich, frei von Allüren und derart gradeaus, dass man mit einem Lineal seine Linie nachziehen kann. Grosser Riesling, Grosses Gewächs, ganz grosses Kino. Riesling für Steinesammler. Hammerstoff.

Tipp: Eine halbe Stunde in die Karaffe damit und dann mit 10º-12º geniessen. Kann man zum Essen trinken, ist aber als Solist der totale Überflieger. Ein Wein der einen nicht mehr loslässt und den man auch nicht mehr vergisst.

Einen Bericht über den Stromberg GG lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Stromberg 2017 Grosses Gewächs vom Weingut Schäfer-Fröhlich aus Bockenau an der Nahe, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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