Grüner Veltliner St. Georg 2015

| 5. Juni 2019 | 0 Kommentare ...alles

Grüner Veltliner wunderbar

Ein Veltliner der einen nicht kalt lässt, ein wahrlich grosses Abenteuer. Ganz toller Wein von dem man nie genug bekommen kann.

Winzer/Weingut: Weinlaubenhof Kracher, Illmitz, Österreich.

Lage/Herkunft: Von alten Weingärten im Weinviertel.

St. Georg 2015 Allgemeines: Seine Liebe zu österreichischen Weinen, und da wieder konkret zum Grünen Veltliner, teilt Aldo Sohm, der seit 2007 Chef Sommelier im 3* Michelin Restaurant Le Bernardin in New York, einer der angesagtesten Locations an der gesamten Ostküste ist, mit Gerhard Kracher vom Weinlaubenhof im Burgenland. Seit 2009 betreiben die beiden das gemeinsame Projekt Sohm & Kracher, das man, anders geht ja auch nicht, beim Essen und beim Wein entwickelt hat. Man hat sich dazu entschieden, gemeinsam Veltliner zu machen und sich für dieses ehrgeizige Projekt alte Weingärten mit ganz besonderen Bodenformationen im Weinviertel ausgesucht. Einer dieser Veltliner, der Grüner Veltliner St. Georg 2015 steht heute hier am Tisch der Wahrheit. Der 16er war vor einer Weile dran und es wird spannend werden, den Unterschied zwischen diesen beiden Jahrgängen herauszuarbeiten. Auch der 2015 kommt für eine Weile in die Karaffe um sich etwas entfalten zu können. Danach geht´s ab in den Burgunderkelch.

Im Glas: In dunklem Gelb steht der Wein im Glas.

In der Nase: WOW. Was für ein Duft. Knackige, pfeffrige Würze strömt aus dem Kelch ins Riechorgan. Bevor sich reifer Apfel noch bemerkbar machen kann, steht ein ungewöhnlich kühler, frischer Kräutermix in der Gegend rum und hat ein wenig Karamell im Schlepptau. Etwas Birne zwängt sich durch, ein wenig Maracuja kommt dazu, der Duft ist schlicht der Wahnsinn. Kein Vergleich mit 2016, der St. Georg 2015 startet einen Frontalangriff auf die Geruchszentrale. Einen herrlich erfrischenden, sei hiermit angeführt.

Im Mund: Reife Birne, feinst bestreut mit weissem Pfeffer, steht auf der Zunge und am Gaumen. “Atmet” man den Tropfen aus, so spürt man einen ausgesprochen feinen Rauch am Gaumen vorbei ziehen. Auch der Apfel ist im finalen Reifestadium und eine ebensolche Maracuja tropft förmlich ab vom Gaumen. Der St. Georg 2015 steht “im Saft” wie es so schön heisst, ist extraktreich und hat dennoch einen wunderbaren eleganten Grip. Der Kräutermix ist für die Hintergrundmusik zuständig und spielt diese auch entsprechend leise. Das Finale ist ein saftiges, ein reifes, rauchiges und ewig lang anhaltendes. Der Tropfen zeigt wie ungemein vielschichtig und sinnlich Grüner Veltliner sein kann.

Eines steht nach einer Stunde fest: der St. Georg 2015 ist der totale “Exotiker”. Überreife Maracuja geht in feinstem Rauch auf, fleischige Zitrone vermengt sich immer mehr mit einer dicken Birne, man atmet förmlich reife, in Rauch gehüllt Frucht ein. Unterfüttert von einer äusserst würzigen Ader zieht der Tropfen mit toller Haftung über die Zunge, legt sich auf ihr an und sorgt damit für ein richtig griffiges Mundgefühl. Was bleibt ist diese enorme Saftigkeit, diese dunkelgelbe Aromatik die im Mund steht und sich nicht und nicht verziehen will. Der Wein wirkt ewig nach dank seiner reifen Frucht und lässt einen ständig an ihm kauen und an das nächste Maul voll davon denken. Grüner Veltliner wie er ausdrucksstärker fast nicht sein kann. Verführerischer auch nicht. Köstlich.

Hat man sich mit dem St. Georg 2015 erst einmal eingetrunken, dann kann man einfach nicht mehr aufhören an ihm rum zu nuckeln. Trocken einerseits, saftig andererseits, dazu griffig, exotisch, würzig, sinnlich, sexy.

Resümee: Ein Veltliner der einen nicht kalt lässt. Der beste Weg sich mit ihm anzufreunden, ist, ihn vom Anfang weg zu trinken, also direkt nach seinem Weg in die Karaffe und von dort so lange etwas von ihm da ist. Er entwickelt sich enorm und zeigt im Viertelstundentakt sein ganzes Potential und seine Wandlungsfähigkeit. Ein wahrlich grosser Veltliner, ein wahrlich grosses Abenteuer. Ganz toller Wein von dem man nie genug bekommen kann.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe ist fein, ein grosses Glas empfehlenswert. Ca. 12º Trinktemperatur sind perfekt. Zum Wiener Schnitzel eine Bank, zum Backhendl unschlagbar, als Solist ein grosser, charaktervoller Begleiter.

Einen Bericht über den Grüner Veltliner St. Georg 2015 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner St. Georg 2015 von Sohm & Kracher, Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Fine Wine Shop, Illmitz.

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Kategorie: Kracher, Verkostet

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