Oppidum 2011

| 16. Juni 2013 | 0 Kommentare ...alles

Aussergewöhnliche Geschmackserfahrung.

Ein Wein der nicht alltäglich und schon deshalb jederzeit einen Versuch wert ist. Freunde von fülliger Opulenz sind in höchstem Maße suchtgefährdet.

Winzer/Weingut: Château de Gaure, Rouffiac d’Aude, Languedoc, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Mergel,- Ton,- Schutt- und Schotterböden rund um die Gegend von Limoux stammenden Weinbergen.

gaude oppidum Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt kein gewöhnliches Etikett, vielmehr ist es ein kleines Kunstwerk das diese Flasche ziert. Auf weissem Untergrund ein abstraktes Gemälde aufgedruckt, mit viel rot und gold und auf der Seite ebenso in gold, der name GAURE in überdimensional grossen, abstrahierten Buchstaben. Eine beeindruckende Erscheinung die da vor einem steht. Ganz klein und fein steht unten Oppidum wie aufgekritzelt drauf. Ein Etikett komplett abseits des Mainstreams und jeglicher Konvention.

Auch das Rückenetikett ist ‘künstlerisch’ gestaltet. In hangekritzelter, schwer leserlicher Schrift, hat man ein wenig Mühe die Informationen zu entziffern. Wer nicht französisch spricht der kann sich immerhin an der künstlerischen Ausführung erfreuen. Wir dekantieren den Wein absichtlich nicht (obwohl es ausdrücklich empfohlen wird), weil wir ihn von Beginn an in seiner Entwicklung verfolgen wollen.

Im Glas: Kräftiges Stroh- bis Goldgelb tummelt sich im Weinglas. Satt schaut die Farbe aus und kräftige Schlieren ziehen die Glaswand hinab.

In der Nase: Relativ verhalten zeigt sich der Wein in der Nase, duftet leicht nach weissen Früchten, nach Blumen und zieht eine ganz eigenartige wie auch eigenwillige, ein wenig nass-morbide Duftnote hinter sich her. Es ist ein ungewohnter Duft der einem aus dem Glas entgegen strömt. Er ist weich, komplex und warm. Es ist auch etwas Nussiges das diesem Duft seine ungewöhnliche Note verleiht. Man hat ebenso das Gefühl frisches Brot zu riechen und ist erstaunt und gleichzeitig verwirrt ob dieses ungewöhnlichen Buketts.

Im Mund: Etwas vollkommen unbekanntes, ungewohntes und auf den ersten Eindruck verwirrendes kommt auf die Zunge. Das hängt damit zusammen, dass der Wein nicht dekantiert wurde (was er aber gehört), weil wir wissen wollten wie er direkt aus der Flasche schmeckt. Nach einer Stunde werden wir sicher einen anderen Wein erleben. Aktuell schmeckt der Tropfen wie etwas das ich persönlich noch nie getrunken habe. Wie ein Hybrid zwischen süss und Chardonnay, zwischen aromatisch und Chenin Blanc und wie ein Süsswein der trocken und mineralisch, wie ebenso aromatisch und herb ist. Wie Äpfel und Birnen die ein wenig ‘drüber’ sind. Verwirrt? Mir geht es ebenso. Das liegt wohl daran, dass in dieser eigenwilligen Cuvée die Rebsorte Mauzac enthalten ist, welche den beiden anderen, nämlich Chardonnay und Chenin Blanc, mit ihrer eigenwilligen Art diesen ebenso eigenwilligen Charakter verleiht. Verstörend? Keineswegs. Es schmeckt einfach köstlich und macht Lust auf den Rest der Flasche.

Auf der Zunge liegt der Oppidum schwer und satt und macht keine Anstalten sich rasch wieder zu verabschieden. Es ist saftig, es ist opulent und es ist betörend weich und süffig. Vollgepfercht mit Aromen von dicken fetten Äpfeln und Birnen die der Rebsorte Mauzac zu verdanken sind. Über die Zunge fliesst der Oppidum in einer süss-saftigen Opulenz die fast schon weh tut, im positiven Sinn. Matschige Birnen und Äpfel schmeckt man, überreif, und das Nussige vom Chardonnay vermengt alles zu einem aromatischen ‘Brei’. Chenin Blanc bringt Textur und Struktur in den Wein und lässt alles wunderbar weich und rund im Mund erscheinen. Man glaubt süssen Nektar zu trinken, der aber nicht süss, sondern nur extrem reif und saftig und voll ausgeprägter Fruchtaromen ist. Ein wunderbares Weinerlebnis das man nicht alle Tage geboten bekommt.

Resümee: Nach zwei Stunden ist das Opulente, das vordergründig Saftige ein wenig in den Hintergrund getreten, es ist alles nusssiger, teigiger und aromatischer geworden. Der Oppidum zeigt sich jetzt kerniger auf der Zunge, weit hefiger und mit viel mehr ‘Bäckereiaromen’ im Gepäck. Jetzt spielt eindeutig Chardonnay die ‘Erste Geige’, Chenin Blanc sorgt für leise Untermalung und Mauzac würzt den Oppidum mit ‘exotischeren’ Begleitaromen. Der Oppidum hat seine ‘Reiseflughöhe’ erreicht und fliegt ruhig, weich und sanft dahin. Ein Wein der nicht alltäglich und schon deshalb jederzeit einen Versuch wert ist. Freunde von fülliger Opulenz sind aber in höchstem Maße suchtgefährdet.

Tipp: Eine Stunde sollte er in der Karaffe atmen. Danach geht er über viele weitere Stunden und zeigt entsprechend viele Gesichter. Zu Kabeljau, Steinbutt, Muscheln, Krebsen und anderem Meeresgetier ein aussergewöhnlicher Begleiter. Als Solist ein Erlebnis der wirklich ganz besondern Art.

Einen Bericht über den Oppidum lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Gaure ‘Oppidum’ 2011 vom Château de Gaure im Languedoc, Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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