Comondor 2009

| 21. Juni 2013 | 0 Kommentare ...alles

Braucht Zeit um aufzuwachen.

Nichts für Schnelltrinker ist dieser Edeltropfen. Erst nach ein paar Stunden an der Luft dreht er richtig auf und offenbart seine wahre Grösse.

Winzer/Weingut: Anita & Hans Nittnaus, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von den drei ‘Traumlagen’ Kurzberg, Ungerberg und Tannenberg mit jeweils unterschiedlichen Bodenverhältnissen.

Comondor 2009 Flasche/Etikett: Konsequent wird auch auf dieser Flasche das Corporate Design von Anita & Hans Nittnaus fortgesetzt. Zweiteilig und terracottarotbraun wie alle dieser Linie angehörigen Weine, klebt das Etikett auf der Bordeauxflasche. Es zeigt wie gehabt in stilisierter Form den Neusiedlersee mit einem Schilfgürtel im Vordergrund und die sanften Hügel des Leithagebirges im Hintergrund. Alles in schwarz. Am unteren Etikett wieder der Name des Weines in weiss und der notwendige Rest wie Jahrgang und Herkunft in schwarz.

Das Rückenetikett informiert wie gehabt über Lage, Herstellung und Zusammensetzung, sowie mit allem was man sonst noch über den Wein wissen muss und soll. Bevor der Comondor aber in die grossen Gläser gelassen wird darf er sich für zwei Stunden im ebenso grossen Ballon austoben und seine Kreise ziehen.

Im Glas: So dunkel, fast schwarz wie der Comondor im Glas steht, so klar ist er und lässt einen bis zum Glasboden durchblicken. Am Rand hellt er ganz fein ins Rubinrote auf.

In der Nase: Eine kräftige Würze dampft aus dem Kelch, erdige Töne, Holz, dunkle fleischige Waldbeeren und feuchtes Herbstlaub riecht man. Es ist ein intensiver, aber kein lauter Duft. Kraftvoll, komplex, dicht und in seiner Farbe braun. Bei aller dampfenden Intensität bleibt alles wundersam frisch, wirkt nicht überkonzentriert oder gar heiss, sondern eher wie gekühlter Kaschmir in der Nase. Ein vielschichtiges Bukett das immer wieder neue Facetten freisetzt und einen zum ‘schnüffeln’ animiert.

Im Mund: Nach zwei Stunden wird angetrunken und in den Mund strömt ein Wein der einerseits staubtrocken, andererseits mit einer frischen Säure und richtig saftiger Frucht auf die Zunge zieht. Saftig-würzig trifft es eher, fast süss wirkt es und man ist geneigt sich schmatzend über die Lippen zu lecken ob dieses durchaus frechen Auftritts. Dabei merkt man erst im Nachhinein wie stoffig sich alles anfühlt wenn der erste ‘Fruchtstich’ vorbei ist. Es ist kräftig, fühlt sich aber schlank an, die Gerbstoffe sind süss und verleihen dem Comondor diesen extremen Saft. Kirschen blitzen auf, was erdig in der Nase war fühlt sich jetzt nach Herbst an. Trotz seiner Vielschichtigkeit und Kraft merkt man davon nichts, nimmt den Wein sehr fein, sehr leicht wahr und geniesst es wie er Zunge und Gaumen gleichermassen einnimmt. Interessant wird es, wenn er zwei Grad mehr hat und ‘wärmer’ geworden ist. 16º gehen als leicht gekühlt durch, bei 18º haben wir dann den Vergleich.

Auf der Zunge spürt man wie der Comondor seinen Saft ablädt, sich dabei stets in der Mitte aufhällt und wirklich schlank bleibt. Am Gaumen spürt man mehr das Erdige in ihm, schmeckt ein wenig Kirsche heraus und spürt auf den Lippen einen fruchtsüssen Film der mit einer leichten holzigen Würze versetzt ist. Was auffällt ist, dass der Wein zwar kräftig ist, das aber nicht in einem übermässig ‘austrainierten’ Körper zeigt. Es fühlt sich alles leicht und filigran, fast transparent an, eher wie ein Marathonläufer als ein Zehnkämpfer. Obwohl der Comondor eindeutig einer wird wenn er ein paar weitere Jahre in Ruhe vor sich hin reifen kann. Als ‘Ungeübter’ würde man sagen, dass er ‘schmeckt’ und einfach Spass macht und ihn garantiert mit bestem Gewissen einfach weg trinken. Dabei steht der Tropfen erst am Anfang einer langen Reise, die ihn zweifelsohne zu einem richtig Grossen machen wird.

Resümee: Ein paar Stunden später und zwei bis drei Grad wärmer, zeigt sich der Comondor entsprechend robuster, resoluter, wirkt kraftvoller und erdiger. Dabei hat er aber nichts von seiner saftigen Würze verloren, es ist nur alles noch dichter, noch kompakter geworden. Jetzt steht echter Stoff im Mund, die Taninne habe ein wenig von ihrer Süsse zugunsten einer leichten Herbe abgegeben, fühlen sich nun äusserst seidig am Gaumen an. Der Comondor fängt jetzt erst richtig an ‘aufzuwachen’. Jetzt spürt man welch konzentrierte Struktur über den Gaumen zieht, diesen seidig in einen kühlen Gerbstoffmantel einhüllt und für einen fruchtig-würzigen Abgang sorgt der noch ewig lange haften bleibt. Der Comondor hat seine ‘Reisegeschwindigkeit’ erreicht und beschert einem ein kompaktes, kraftvolles, sowie dichtes und saftiges Trinkvergnügen. Je nach Bezugsquelle gibt es den Edelstoff um ca. 36 Euro zu erstehen. Ein Investment in die Zukunft, in der es diesen aussergewöhnlichen Tropfen sicher nicht mehr um diesen Kurs geben wird.

Tipp: Zwei Stunden mindestens in die Karaffe, vier bis fünf sind ideal. Bei ca. 18º geniessen. Zu Bratengerichten vom Rind, vom Lamm und auch zu Wild ein idealer, kräftiger Geselle. Als Alleinunterhalter für die besonderen Augenblicke bestens geeignet.

Einen Bericht über den Comondor lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Comondor 2009 von Anita & Hans Nittnaus aus Gols im Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Nittnaus Anita & Hans, Verkostet

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