Luitmar 2010 Philipp Kuhn

| 30. Juni 2015 | 0 Kommentare ...alles

Was für’n geiles Zeug!

Die wohl schrägste deutsche Rotwein-Cuvée die man im Glas haben kann. Um dann zu bemerken, dass das Ding ganz einfach der totale Brüller ist.

Winzer/Weingut: Philipp Kuhn, Laumersheim, Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Weingärten mit Löss- und Sandböden rund um Laumersheim.

Luitmar 2010 Flasche/Etikett: Eine recht düstere Erscheinung ist die dunkelbraune Schlegelflasche mit ihrem pechschwarzen Etikett. Dunkel wie die Nacht ist es, in gold steht ganz oben PHILIPP KUHN in Kapitalen und in der Mitte ebenso ganz gross LUITMAR über einer dunkelgrauen Illustration die einen Kreis mit, so sieht es aus, einzeln aufgesetzten Kronen darstellt. Die tatsächliche Bedeutung bzw. Definition konnte ich leider nicht eruieren. Unterhalb noch der Jahrgang und PFALZ, auch in gold und fertig. Das Rückenetikett ist ebenfalls pechschwarz und wieder gold bedruckt. Gerade das Nötigste und unbedingt vorgeschriebene steht oben. Immerhin liest man, dass der Wein im Barrique gereift ist. 14 PS weisen darauf hin, dass es sich vielleicht nicht gerade um einen sommerlichen Zechwein handeln könnte. Eine schwarze Halsmanschette mit dem goldenen Logo des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) rundet die mystische Erscheinung ab. Eine halbe Stunde kommt der Luitmar noch in den Dekanter, um sich etwas mit seiner neuen Umgebung anzufreunden.

Im Glas: In kräftigem dunkelkirschrot dreht der Luitmar seine Runden im Glas.

In der Nase: Sehr vielschichtig ist der Duft der die Nase hoch zieht. Reichlich dunkle Kirsche, saftig, angequetscht. Dunkler Rauch, ganz viel Erdwürze, leicht angefeuchtet. Aus einem dicken Brocken weicher schwarzer Schokolade quetscht sich eine fette Brombeere heraus. Vordergründig riecht man Cabernet und Sangiovese. Bei verstärktem Schwenken entfalten sich feine Minzaromen und verleihen dem Luitmar eine gewisse Frische. Insgesamt ein sehr herbstlicher, rotbrauner Duft der auf ganz viel Erde und auch Würze aufbaut.

Im Mund: Feine Tannine, frische, ansprechende Säure, lustige Sauerkirsche und dunkle Schokolade. Und das alles gleichzeitig. So sieht der erste Eindruck aus wenn der Luitmar auf die Zunge kommt. Der Wein hat Grip, man spürt sehr feine Gerbstoffe, ganz leicht und zärtlich abrollen. Gleichzeitig spürt man auf der Zungenspitze und an den Rändern eine überaus lebendige Säureader die man nicht erwartet hätte, was die eigentliche Überraschung ist. Dazu gesellen sich sowohl Sauerkirschen wie auch Brombeeren. Untermalt wird alles von einer erstaunlich kühlen wie erdigen Würze. Das Holz sehr schön eingebunden, leicht rauchig, etwas geräucherter Paprika und Bitterschokolade. Ich bin positiv überrascht und angetan von diesem ersten Eindruck.

Ich muss zugeben, dass ich hin und hergerissen bin. Schmecke ich nun Cabernet oder Sangiovese? Cabernet wenn es darum geht, sich mit den wirklich gekonnt geschliffenen Gerbstoffen zu spielen, Sangiovese wenn es gilt, sich durch die lustige Sauerkirsche zu kauen. Die dunkle Schokolade sagt mir wieder Cabernet und die plötzlich aufkommende Erdwürze blendet den Blaufränkisch ein. Die feine Minzenote könnte vom St. Laurent stammen und am Ende steht der Luitmar ganz einfach auf der Zunge, fühlt sich dezent geröstet wie auch saftig, griffig, frisch und fein an. Am Gaumen schön rauchig, mit einer Kombination aus Schokolade und trockenem Geäst. Die 14 Volumenprozent nicht spürbar, nicht schmeckbar. Wo sind die? Wäre ich in Italien würde ich behaupten, dass ich einen eleganten Sangiovese mit einer guten Portion von Cabernet im Glas habe. Würde ich in Frankreich sitzen, dann würde ich den Cabernet loben und anmerken, wie sauber hier feinster Sangiovese eingearbeitet ist. Sorry Blaufränkisch und St. Laurent, ihr seid hier zwar gern gesehen, aber das Kommando haben die beiden anderen.

Nach zwei Stunden an der Luft ist der Luitmar rauchiger, ein wenig erdiger, noch herber geworden. Auf der Zunge nicht mehr dieses freche Säurespiel, dafür mehr Grip und noch mehr Würze. Am Gaumen trocken, griffig, viel Textur. Was nach wie vor wunderbar strahlt, ist der Saft der Sauerkirsche. Nicht mehr so keck säuerlich, dafür umso dichter und konzentrierter. Auch die Schokolade ist ‘flüssiger’ geworden, verbindet sich noch mehr mit den dunklen Kirscharomen und macht aus dem Luitmar jetzt einen richtig eleganten wie auch fordernden Wein. Jetzt merkt man auch die Kraft die ihn im schlummert, was einzig der gestiegenen Temperatur zu verdanken ist. Im Abgang sauerkirschig, erdig, würzig und lang. Im Nachhall wieder die grosse Frage ob man dem Cabernet oder dem Sangiovese die Trophäe überreichen soll.

Resümee: Ich korrigiere mich an dieser Stelle und ziehe meine anfänglichen Zweifel diesen Wein betreffend vollständig zurück. Der Luitmar hat durchaus das Potential sogar im Sommer zum totalen Renner zu werden. Einzig die Trinktemperatur ist das entscheidene Kriterium. Zwei bis drei Grad frischer und der Tropfen zischt. Im Herbst und Winter dann entsprechend moderater gekühlt ein Wein, der grossen Spass macht und garantiert für das eine oder andere ungläubige Gesicht sorgt. Was mich persönlich an diesem Wein begeistert, ist, dass ich einen deutschen Italo-Franzosen mit österreichischen Wurzeln trinke und nicht genug bekommen kann. Was für’n geiles Zeug!

Tipp: 30-60 Minuten im Dekanter. Im Sommer mit 14-16º, wenn es frischer wird um die 18º geniessen. Passt zu kräftigen Gerichten, rotem Fleisch und Wild und auch zur opulenten Pasta. Den Osterhasen und das Unschuldslamm begleitet er auf elegante Art. Als Solist ein ganz gewiefter Kerl. Macht grossen Spass und auch leicht süchtig.

Einen Bericht über den Luitmar lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Luitmar 2010 vom Weingut Philipp Kuhn aus Laumersheim in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: Furore, München.

Tags: , , , , , , , ,

Kategorie: furore, Verkostet

Ihr Kommentar