Zinfandel ‘Old Vine’ 2011 Bedrock

| 24. Januar 2015 | 0 Kommentare ...alles

Mit Handkuss ins Verderben.

Zinfandel, so pulsierend wie eine Nacht am Ocean Drive. Latin-Rhythm in jeder einzelnen Rille. Wein zum Niederknien.

Winzer/Weingut: Bedrock Wine Co., Sonoma, Kalifornien, USA.

Lage/Herkunft: Von verschiedenen Weingärten mit unterschiedlichen Böden und unterschiedlich alten Rebstöcken.

Old Vine Flasche/Etikett: Auf der monströs schweren und dunklen Flasche klebt ein grosses leicht vergilbtes Etikett, dessen Hauptmotiv eine Grafik eines knorrigen, alten Rebstocks mit seinen grossen Wurzeln zeigt. Unter einem weit ins Bild reichenden dicken Ast ist BEDROCK in einer Papyrus-Schrift aufgedruckt und im unteren Teil des Etiketts liest man Old Vine Sonoma Valley Zinfandel. Rechts im Eck in einem roten Quadrat ist der Jahrgang 2001 angebracht. Ein schönes Etikett, dessen Grafik an einen Linolschnitt erinnert. Kein unnötiges Beiwerk welches störend wäre, alles einfach, reduziert und doch mit grossem Wiedererkennungswert gestaltet. Am Rückenetikett liest man ein paar sensorische Notizen und dass die Trauben von unterschiedlichen Weinbergen aus dem Sonoma Valley stammen. Unvermeidlich die üblichen Warnhinweise was nicht alles passieren kann wenn man Alkohol trinkt, dass man weder Autos fahren noch Maschinen bedienen sollte, und so weiter und so fort. Bevor der Zinfandel Old Vine Sonoma Valley in das Glas kommt, darf er für eine Stunde in der Karaffe die Luft der Alten Welt schnuppern.

Im Glas: Klares, dunkles rubinrot steht im Glas. Leicht bläuliche Reflexe blitzen am Rand auf.

In der Nase: Schwarze Beeren, reife Kirschen, etwas Lavendel, Zimt und Tabak strömen wohlig süss und würzig aus dem Glas die Nase hoch. Dunkle Frucht gepaart mit kräftiger Würze ergibt einen betörenden Duft der Lust auf mehr macht. Ebenso dunkle Schokoladetöne riecht man wie auch Kirschlikör. Was opulent und üppig wirkt ist letztlich nichts anderes als die Kombination der Beschaffenheit unterschiedlicher Weinberge die frisch die Nasenflügel hoch ziehen. Typische Zinfandel-Nase und doch erfreulich anders.

Im Mund: Stramme frische Säure, versteckt im Körper feinster Bitterschokolade. Als würde die flüssige Füllung aus ihr austreten und sich süss und sauer auf der Zunge festsetzen. Konzentriert, dicht und saftig steht der Old Vine in der Zungenmitte und bohrt sich quasi süss in sie hinein. Ohne wirklich süss zu sein. Kakaoaromen schmeckt man, vollreife Kirschen, bestreut mit einer Prise Zimt. Dunkelfruchtig, reif und vor allem ungemein frisch und animierend ist der Wein im Mund. Von 15 PS keine Spur, wo sind die? Vielleicht mit 2º mehr erkennbar, jetzt nur kühle Seide die über Zunge und Gaumen streift. Unglaublich diese Dichte, diese Tiefe und das Gerüst welches derart feingestrickt wirkt, dass man geneigt ist leichtsinnig zu werden. Phantastisch diese Frische bei all der Fülle von dunklen saftigen Aromen. Ein Wein der einen packt und nicht mehr los lässt.

Unfassbar wie schnell sich der Old Vine an der Luft in einen Saft verwandelt, den man am liebsten ohne Rücksicht auf Verluste wegtrinken möchte. Pures Extrakt umspült die Zunge mit einer Säure wie ich sie nie zuvor in Zinfandel erlebt habe. Neckisch frech wirkt es wenn der Tropfen an den Zungenrändern abfliesst, man möchte meinen Zitrusnoten zu spüren so frisch und frech fühlt es sich an. Und während sich die Zunge um ihre eigene Achse rollt, lässt sich der Gaumen von Bitterschokolade mit Zimt und Tabak verwöhnen. Gerbstoffe zeigen sich von ihrer scheuen Seite, als würden sich sie schämen da zu sein. Weich und fein, richtig vorsichtig zeigen sie leise auf und verschwinden auch gleich wieder. Ein Bottich reifer dunkler Beeren und schwarzer Kirschen ergiesst sich in voller Kraft im Mund und man kommt sich vor als würde man darin ertrinken. Schaurig schön und süchtig machend. Ich will mehr von diesem Elixier.

Immer edler wird das was da im Mund abgeht. Feine Würze in Kombination mit dunkler Frucht, Eleganz der Extraklasse. Kraftvoll und doch so fein, voluminös und doch so leicht. Der Old Vine ist ein Verführer der alten Schule. Mit seiner Aromenvielfalt unwiderstehlich, mit seinem Charme verführerisch. Keiner entkommt ihm. Mit Handkuss ins Verderben. Die Zunge nach wie vor benebelt von der Süsse die keine ist, der Gaumen nach wie vor in Ekstase, weil aus der Cohiba fetter Kirschlikör tropft. Der Abgang ein Erlebnis das man am liebsten im Repeat-Mode immer und immer wieder in der Endlosschleife erleben möchte.

Resümee: Zinfandel, so pulsierend wie eine Nacht am Ocean Drive. Latin-Rhythm in jeder einzelnen Rille. Zinfandel zum Niederknien. Und von den 15 PS ist noch immer nichts zu spüren. Am Ende ist für mich eines völlig klar: Das ist der beste Zinfandel den ich je getrunken habe, und: Es gibt tatsächlich Weine die sogar mit 15% ungezwungen leicht zu trinken sind. Von diesem Tropfen werde ich mir eine Kiste (besser zwei) in meinen Keller legen und mir von Zeit zu Zeit eine frische Infusion verpassen.

Tipp: Halbe Stunde reicht, dann einfach miterleben wie er immer mehr aufgeht. Um die 16 bis max. 18º geniessen. Fast zu schade um was dazu zu essen. Auf der Couch mit den Füssen auf dem Tisch der ideale Wein für kalte Winterabende.

Einen Bericht über den Zinfandel ‘Old Vine’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Zinfandel ‘Old Vine’ Sonoma Valley 2011 von der Bedrock Wine Co. aus dem Sonoma Valley, Kalifornien. USA. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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