Ventoux ‘Vieilles Vignes’ 2007 Version 2.0

| 23. Januar 2015 | 0 Kommentare ...alles

Nur für echte Kerle.

Das ist Wein für Erwachsene und definitiv nichts für “Anfänger”. Sprengstoff mit dem umgehen können muss, will man nicht in einem Desaster enden.

Winzer/Weingut: Even Bakke, Clos de Trias, Le Barroux, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Kalksteinböden am Mont Ventoux, mit den ältesten, über 60 Jahre alten Reben.

Clos de Trias 2.0 Flasche/Etikett: Waren die beiden Etiketten der “einfachen” Clos de Trias-Weine von einer klar definierten, fossilen Muschelillustration dominiert, so ist diese hier in Form einer durch kleinste Punkte bestehenden Linie dargestellt. Durchkreuzt von zwei Diagonalen und eingefasst von einem Rechteck, dessen untere “Linie” in Form des Eindrucks Even Bakke, Vigneron gestaltet ist. VIEILLES VIGNES steht etwas grösser unterhalb der Zeichnung und im linken unteren Teil der Jahrgang. In der Mitte CLOS DE TRIAS. Die ganze Illustration gleicht einer geometrischen Zeichnung. Dass es sich bei diesem Wein um einen ganz speziellen handelt, wird in Form eines roten Stempels mit dem Aufdruck Version 2.0 im oberen Teil hervor gehoben. Am hinteren Etikett erfährt man in französisch und englisch alles über den Inhalt (96% Grenache und 4% Syrah) sowie über das Alter der Rebstöcke (60+ Jahre). Da ich Evens Weine bereits kenne und weiss was einen hier erwartet, wird der Vieilles Vignes 2.0 vor dem Antrunk für zwei Stunden in die Karaffe verfrachtet. Die sind auch das Minimum, das man diesem Wein gönnen sollte.

Im Glas: Schwarzkirschrot und überraschend klar steht der Ventoux Vieilles Vignes 2.0 im Glas und hellt zum Rand hin etwas auf.

In der Nase: Pfefferwürze, Unterholz und Rinde geben sich ein Stelldichein im Riechorgan. Es duftet “spicy”, extrem frisch und kühl und fein. Kein Deut von Schwergewicht, vielmehr elegant und edel. Vereinzelt nimmt man dunkle Beeren wahr, Schlehdorn, und jede Menge Wald. Es riecht nach Herbst und es fühlt sich auch nach Herbst an in der Nase. Was überrascht, ist wie feingestrickt der Duft ist und wie leicht er die Nasenflügel hochzieht. Erstaunlich ob seiner Kraft die doch so elegant wirkt.

Im Mund: Oh Mann! Am Gaumen spürt man pure Kraft, auf der Zunge dicken Saft. Reif steht der Ventoux Vieilles Vignes 2.0 auf ihr und man spürt wie er langsam aus jedem einzelnen Tropfen trieft. Die Zungenspitze taucht in fast schon süsse Konzentration ein und kaum wandert alles nach hinten, lagern sich wunderbar samtige Gerbstoffe auf ihr ab. Voluminös im Mund, kühl und fein am Gaumen. Viel Pfeffer, viel braune Aromen, Erde, Gewürze, Baumrinde, der ganze Wald steht hier im Glas. Ungemein tief ist der Wein und kraftvoll wie ein Muscle Car. Eine Bombe, deren Gewicht man ahnt, welches jedoch ganz geschickt hinter einem feingestrickten Vorhang steckt. Gefahr die man nicht sieht. Es schmeckt blaubraun, leicht herb und doch strotzt alles vor hoch konzentriertem Saft. Im Abgang unendlich würzig und im Nachhall endlos, aufregend, wärmend, kräftig, erdig.

Immer mehr kommen kräftige Röstaromen zum Vorschein. Dunkle rote Beeren die fast schon an Likör erinnern zwängen sich nach vorne. Die Erde, die Pfefferwürze und das Gerbstoffkleid mögen einem Rustikalität vortäuschen, doch ist es keine. Der Ventoux Vieilles Vignes 2.0 schafft es bei aller Gewalt die ihn ihm schlummert fein zu bleiben, kühl zu bleiben und bestenfalls einen dezenten, aber doch bestimmten Hinweis darauf zu geben, dass man mit ihm nicht spassen sollte. Wobei der Grund dafür weniger in den 14,5 PS zu suchen, sondern mehr in seiner gewaltigen Konzentration zu finden ist. Wie Seide stehen die Tannine auf der Zunge, während an deren Rändern süsslicher Saft abfliesst. Der Gaumen ist eingehüllt in dichtem, würzigen Nebel und sobald der Tropfen weg ist verharrt man in einem Zustand von wohliger Paralyse. Je mehr der Ventoux Vieilles Vignes 2.0 Luft aufnimmt, umso voluminöser, kraftvoller, saftiger und gefährlicher wird er. Es empfiehlt sich den Sicherheitsgurt anzulegen, um nicht aus der Kapsel geschleudert zu werden.

Resümee: Das ist Wein für Erwachsene und definitiv nichts für “Anfänger”. Sprengstoff mit dem umgehen können muss. Alles andere würde in einem Desaster enden. Die grosse Überraschung, das wirklich Beeindruckende aber ist, wie seidig, frisch und kühl ein Wein solchen Kalibers im Mund agieren kann. Wie klar definiert sich alles anfühlen kann und wie man die totale Power unter einer eleganten Karosserie versteckt. Ich kenne Evens Weine bereits und wette, dass der VV 2.0, so werde ich ihn ab heute nennen, in sechs bis sieben Stunden der totale Saft ist, den man am besten tröpfchenweise einnimmt. Wenn man bedenkt, dass Even für dieses “Wein-Experiment” den Tropfen von 2007 an für 65 Monate hat reifen lassen ohne zu wissen, was am Ende (2013) dabei rauskommt, dann sind die 24 Euro für die Flasche einfach lächerlich. Ich nehme jetzt noch einen guten Schluck davon und morgen wird der Rest der Flasche einfach der totale Wahnsinn sein.

Tipp: 2 Stunden Minimum in der Karaffe. Je mehr, je besser. Mit 16 – max.18º geniessen. Rustikale, deftige Küche schreit nach ihm. Eintopf, Braten und Wurstgerichte mag er. Zum puren Genuss nur für echte Kerle geeignet. Dann aber bitte nur mit Sicherheitsgurt.

Einen Bericht über den Vieilles Vignes 2.0 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Ventoux ‘Vieilles Vignes’ 2007 Version 2.0 von Clos de Trias aus Le Barroux, Frankreich. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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