Amarone ‘Vigneti di Ravazzol’ 2009

| 25. Januar 2015 | 0 Kommentare ...alles

Bittersaftigherbsüsstrocken.

Ein Verführer. Wer nicht aufpasst geht in einem Strudel purer Kraft verloren. Grandioser Wein für Leute die das Leben in vollen Zügen kosten wollen.

Winzer/Weingut: Cà La Bionda, Valgatara di Marano, Veneto, Italien.

Lage/Herkunft: Von der Lage Ravazzol aus 300 m Höhe von 50 bis 70 Jahre alten Corvinone- und Oseleta-Reben.

Amarone Flasche/Etikett: Klassisch elegant wirkt das Stück Papier das auf der Burgunderflasche klebt. Vanillegelb der Untergrund, oben RAVAZZOL AMARONE in Grossbuchstaben, schwarz und fett. Rundherum in hellem grau Vigneti sowie della Valpolicella und natürlich CLASSICO noch unterhalb. CA’ LA BIONDA steht in roten Kapitalen im unteren Teil und ein grosses rotes B zeigt das Logo. Ganz oben steht der Jahrgang und fertig ist die Frontbeklebung. Unaufgeregtes Design, einfach, ohne Schnickschnack, fein. Am Etikett auf der Rückseite steht in italienisch und englisch einiges über den Wein, seine Herkunft und die Herstellung. Man liest, dass der Wein unfiltiert und ungeschönt ist. Leider nur für Adleraugen geeignet weil die Schrift so klein ist, dass man eine Lupe braucht um alles zu entziffern. Da es ausdrücklich empfohlen wird den Ravazzol Amarone zu dekantieren, wird dem natürlich Folge geleistet und der Wein in die grosse Karaffe umgefüllt. Eine halbe Stunde darf er dort Luft aufnehmen bevor er dann ins Glas kommt.

Im Glas: Dunkles karminrot steht im Glas. An der Glaswand fliesst ein dicker Film ab.

In der Nase: Es riecht intensiv, aber nicht heiss. Schwarze reife Kirschen und etwas Pflaume dampfen aus dem Becher raus. Erst wenn man die Nase tiefer eintaucht nimmt man die Schwere richtig wahr. Dabei kommen leichte Minzenoten hervor, ganz zart. Gepaart mit ein paar schwarzen Pfefferkörnern und getrockneten Feigen. Es riecht dunkel, mystisch, würzig und gefährlich. Der Amarone Ravazzol schickt seine Boten voraus und lässt einen vorsichtig ans Werk gehen.

Im Mund: Das wär’s dann eigentlich schon wieder. Aber nein, das gehört natürlich aufgelöst und so schräg es sich auch anhört: Das ist genau das Gefühl das man hat, wenn der Amarone Ravazzol in den Mund kommt. Und zwar gleichzeitig. Auf der Zunge doch irgendwie fruchtig, mit einem ungemein herben Film drüber, am Gaumen herb, sogar leicht bitter, mit einem saftigen Abzug. Frische Säure und reife Tannine betreiben Paarlauf und drehen perfekt wie Eiskunstläufer ihre Runden. Man schmeckt dunklen Kakao, schwarzen Pfeffer und ebensolche Kirschen und alles zusammen ist einerseits saftig, sogar richtig fruchtig und doch sehr herb auf Zunge und Gaumen. Ein Erlebnis das wohligen Schauer auslöst, und wo die 6g Restzucker versteckt sein sollen fragt man sich mit purer Verwunderung.

Die totale Überraschung die dieser Brummer von Wein aber zu bieten hat, ist seine Frische und seine ausgeprägte mineralische Charakteristik. Dazu sei bemerkt, ich trinke ihn mit 16º. Man spürt die volle Kraft mit der er auf der Zunge steht, wie er Druck am Gaumen macht und wie wunderbar herb sein kann. Es hat etwas leicht Bitteres unter den Lippen, geröstete Mandeln, sogar etwas dezent Salziges. Es ist ein Gefühl das man nicht kennt, ein Geschmack der völlig anders ist und ein Gesamteindruck der einerseits verwirrt und andererseits anzieht. Man kommt sich vor wie ein Abenteurer und dringt immer tiefer in diesen Dschungel von Andersartigkeiten ein. Die Zunge empfindet den Amarone Ravazzol nach einer Stunde saftig-bittter, der Gaumen notiert herb-trocken und im Abgang schmeckt man eine feine Bitterkeit die vom reifen Saft der schwarzen Kirschen ausgelacht wird.

Nach drei Stunden in der Karaffe “klart” der Amarone Ravazzol immer mehr auf, wird feiner, seine Opulenz wird schlanker. Frucht einerseits und Säure und Gerbstoffe andererseits treten so balanciert auf, dass es schwer fällt sich auf eine “Empfindung” festzulegen. Es ist nämlich mehr empfinden als schmecken. Der Wein ist ein Brummer, das spürt man. Und doch ignoriert man es weil er trotz seiner Gewalt so elegant daher kommt. Im Mund wird er immer fruchtiger, die Bitterkeit die ihn begleitet puffert alles auf einen Level runter die ihn trocken erscheinen lässt. Und doch ist er alles andere als das. Da ist ein Gewürz am Ende des Gaumens das an Zimt und Nelke erinnert, letztlich ist es Muskat.

Resümee: Der Amarone Ravazzol ist ein Verführer und wer nicht aufpasst, der geht in einem Strudel purer Kraft verloren. Da passt es gut, dass so ein Fläschchen 42 Euro kostet. Nicht auszumalen wenn man mit dem Ravazzol statt Erdgas die Bude heizen würde. Grandioser Wein für Leute die das Leben in vollen Zügen kosten wollen. Interessierte finder hier einen spannenden und ausführlichen Einblick in die Geschichte und die Herstellung von Amarone und warum der Stoff so aussergewöhnlich ist.

Tipp: Neugierige trinken ihn nach 30 Minuten an. Wer zwei Stunden warten kann der geht dann in die Vollen. 16º sind perfekt, 18 schon fast zuviel. Futtertechnisch zu fetten warmen und kalten Würsten die Erfüllung. Als Solist ein Überflieger. Aber nur für jene die es können. Oder können wollen.

Einen Bericht über den Amarone Ravazzol lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Amarone della Valpolicella ‘Vigneti Ravazzol’ 2009 von Cà La Bionda aus Valgatara di Marano im Veneto, Italien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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