Viña Pedrosa ‘Crianza’ 2008 Ribera del Duero

| 31. Oktober 2012 | 0 Kommentare ...alles

Megasüffiger Spasswein.

Eine megasüffige ‘Crianza’ die es locker mit einigen ‘Reservas’ aufnimmt und einige davon völlig humorlos in den Schatten stellen würde.

Winzer/Weingut: José Manuel Pérez, Bodegas Hnos. Pérez Pascuas, Pedrosa de Duero, Spanien.

Lage/Herkunft: Von den Hängen des Duero, die auf einer Hochebene zwischen 500 und 800 m hoch liegen und extremen Witterungsschwankungen ausgesetzt sind.

Flasche/Etikett: Auf der langen schlanken Flasche klebt ein ebenso langes und schlankes, in weiss gehaltenes Etikett. Irgendwie sieht es ‘typisch spanisch’ aus, kennt man die Art dieses Designs, der klassischen Typografie und der irgendwie schlichten, unaufgeregten und leicht verstaubt wirkenden Gesamtgestaltung. Ein Etikett wie ein Klischee, mit elegant geschwungenem Namen in der Mitte, die Qualitätsbezeichnung als Bestandteil dessen und auch was Herkunft und Produzent angeht und somit nichts wirklich Neues in der Welt der Weinbeklebungen. Einzig der am Flaschenhals aufgeprägte Name der Crianza sorgt für etwas Abwechslung.

Das Rückenlabel ist in spanisch abgefasst, weist auf die rigorose Selektion des Leseguts und den 18-monatigen Barriqueausbau hin und darunter, auf einem eigenen kleinen Streifen noch der Hinweis, dass es sich um einen Wein aus dem ‘Herzen des Duero’ handelt. Bevor die Crianza in die Gläser kommt wird sie im Dekanter etwas Sauerstoff aufnehmen und nach einer Stunde darf sie dann zeigen was sie kann.

Im Glas: Ein wunderschönes bordeauxrot leuchtet aus dem Glas heraus, wirkt satt und klar und gewährt einem volle Durchsicht bis auf den Boden. Zum Rand hin wird es heller, geht ins krischrot über und an der Innenwand legt sich ein fester, öliger Film an.

In der Nase: Was sofort positiv in der Nase auffällt ist, dass der Wein trotz seiner langen Zeit im Barrique überhaupt nicht überholzt riecht, vielmehr ist die Note fein und elegant und begleitet perfekt die roten Beerenaromen. Es fühlt sich leicht an in der Nase, feingewirkt und fast ätherisch. Einerseits duftet es nach dem so typischen ‘Tempranilloholz’ und gleichzeitig stehen reife Kirschen, ein Schuss Vanille und ein Hauch von Nelken und etwas schokoladiges im Glas. Alles wohldosiert und richtig vornehm.

Im Mund: So wie sich der Viña Pedrosa in der Nase angefühlt hat, ebenso leichtgewirkt strömt er über die Lippen auf die Zunge. Unüblich schlank und kühl ist er, nichts was man von so vielen fetten Tempranillos kennt findet sich in diesem Wein. Das erste Fruchtaroma das man spürt ist das von süssen Kirschen, richtig frisch und frech im Sinn von süss-sauer benetzt sie die Zunge und erst danach meldet sich ganz feines Holz zur Stelle. Was sofort mächtig Eindruck macht ist dieses delikate, spannende und höchst bezaubernde Säure-Gerbstoff-Gerüst das sich aktiv, saftig und mineralisch zugleich über den Gaumen legt. Da ist Leben im Glas und es fühlt sich ausserordentlich frisch im Mund an. Weit entfernt von all den picksüssen, heissen und vor Alkohol strotzenden Tempranillos ist der Viña Pedrosa und lässt diese fetten Brummer ob seiner jugendlichen Frische und seiner herrlich schlanken Struktur ziemlich alt aussehen.

Kommt der Viña Pedrosa auf die Zunge so zeigt er dort erfrischende Länge, lässt saftige Frucht ausströmen und lädt diese mit einer pikant-süssen Note auf der Zunge ab. Den Gaumen hingegen hüllt er mit seinen edlen, leicht holzbetonten Gerbstoffen ein und fühlt sich dabei an als würde man einen kühlen Windhauch spüren. Der Wein fühlt sich in des Wortes Sinn leicht an, er ist schlank, er ist frisch und er schwebt fast im Mund. Delikat und mit einer Durchflussgeschwindigkeit behaftet die das Attribut ‘megasüffig’ verdient. Das ist echter Spasswein der sympathisch ist, der die Quadratur des Kreises in Form des perfekten Verhältnisses von Gerbstoff, Säure und Frucht schafft und damit sowohl Zunge wie auch Gaumen einfach spielerisch erobert. Dass der Viña Pedrosa trotz all dieser betörenden Eigenschaften äusserst trocken ist macht ihn nur noch begehrenswerter.

Resümee: Es ist diese Kombination von saftigen Beeren, von eleganter Würze und der charmanten Holznote die den Viña Pedrosa so süffig, so trinkig und Freude versprühend macht. Der Wein ist einfach der Hammer, um es einmal ein wenig rustikaler auszudrücken. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass es diese ‘Crianza’ locker mit einigen ‘Reservas’ aufnehmen kann und da wieder einige davon völlig humorlos in den Schatten stellen würde. Freundliche 13,5% im Alkohol sind ein Grund für die jugendliche Frische dieses Tropfens, die komplette, harmonische Textur und das was man im Mund spürt ein anderer. 20 Euro machen ihn nicht gerade zu einem Wein für jeden Tag, obwohl man von diesem Spanier problemlos jeden Tag ein Fläschchen wegmachen könnte.

Tipp: 30-60 Minuten Luft gefallen ihm. Bei 16-max.18º geniessen. Zu Rindfleisch, Gegrilltem oder kräftiger regionaler Küche eine Bank. Solo genossen… versuchen Sie es und beschweren sie sich nicht, wenn er schneller weg als Ihnen lieb ist.

Einen Bericht über den Viña Pedrosa lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Ribera del Duero ‘Crianza’ Viña Pedrosa 2008 von Bodegas Hnos. Pérez Pascuas aus Pedrosa de Duero, Spanien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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