Muret Azul tinto 2008

| 30. Oktober 2012 | 0 Kommentare ...alles

Bäuerlicher Okkultismus.

Dunkelwürzig riecht er, dunkelwürzig schmeckt er und erdig, rustikal und bäuerlich fühlt er sich an. Konzentrierte Grenache für ‘echte Männer’.

Winzer/Weingut: Bodega Vinae Mureri, Murero/Saragossa, Spanien.

Lage/Herkunft: Von 80-100 Jahre alten Reben, die auf steilen Schiefer-Lagen auf einem 800 und 1000 m hohen Plateau in Aragon stehen.

Flasche/Etikett: Rank und schlank steht die Bordeauxflasche auf dem Tisch und auf ihr klebt ein in äusserst unüblichem blau gehaltenes, turmhohes Etikett. Eine farbliche Wohltat unter dem gewohnten Einerlei. Auch der geschichtliche Hintergrund des Namens ist insoferne interessant als sich der Name Muret auf die Schlacht um Muret bezieht, als das Languedoc noch unter der Lehnsherrschaft des Königreiches von Aragonien stand. Was den Beinamen Azul angeht heisst zwar auch eine brasilianische Billigfluggesellschaft so, in diesem Fall aber steht er wohl eher für die blaue Farbe der Beklebung auf der Flasche. Graphisch anspruchsvoll gestaltet ‘fliegt’ die Schrift fast auf dem blau schimmernden Etikett. Am Rückenetikett Wissenswertes in spanisch, interessant dabei die Angaben über die Reifung von 14 Monaten, die optimale Reife, die Trinkempfehlung von 2010 bis 2015 und die Trinktemperatur von 14º. Wir halten uns daran und giessen den Wein, nachdem er eine Weile im Dekanter Luft geschnappt hat, entsprechend kühl in unsere Gläser.

Im Glas: In leuchtendem dunkelkirschrot dreht der Muret Azul seine Kreise im Glas und lässt trotz seiner Dichte noch einen tiefen Einblick in den Kern zu. Die Glaswand wird vollflächig von einem kräftigen Film benetzt und deutet entsprechend Gehalt im Kelch an.

In der Nase: Wer nun geglaubt hat, dass einem saftig-fruchtige Aromen in die Nase steigen, der wird auf der Stelle von einem Duft überwältigt, der förmlich rustikal aus dem Glas dampft. Es riecht erdig, dunkle Beeren sind zwar dabei, aber es dominiert eine eigenwillige Mischung aus Bauernhof und dunkelwürzigem Duft. Schwer zu beschreiben weil es so anders riecht, so intensiv rustikal, so ‘dunkel’. Ein Bukett das Rätsel aufgibt und das richtig ungewöhnlich, fast okkult wirkt.

Im Mund: Was dann in Form von reinster, ertragsreduzierter Grenache über die Lippen auf die Zunge zieht ist … einfach umwerfend. Einerseits strömt der Wein relativ fein auf die Zunge, um sich aber im selben Augenblick mit richtig Kraft auf ihr niederzulassen. Es schmeckt dunkelbeerig mit einem Schuss Holz versehen, nicht dominant, aber doch präsent. Man spürt die rustikale Ader die der Muret Azul in sich trägt und sein trockener Auftritt im Mund macht ihn fast ätherisch. Feinste Tannine sorgen für ein wunderbares Mundgefühl, ziehen sanft über den Gaumen und beweisen doch Statur. Was man hier im Mund spürt ist gewöhnungsbedürftig im positiven Sinn, weil es wirklich anders schmeckt, sich anders anfühlt und völlig andere Eindrücke hinterlässt als man sie von ‘herkömmlichen’ Grenacheweinen kennt. Geringste Erträge und fast 100 Jahre alte Reben sind die Basis für diesen konzentrierten und auch kräftig strukturierten Wein.

Müsste man das was man im Mund spürt mit drei Worten beschreiben, würden deftig, bäuerlich und herbstlich wohl treffend sein. Fast schlank wirkt der Muret Azul auf der Zunge, aber kaum am Gaumen angelangt hüllt er diesen kraftvoll mit einem dunkelwürzigen Film ein. Dabei bleibt er samtig und kühl, wirkt irgendwie transparent und klar, trotz seiner Muskeln die er hat und auch zeigt. 14,5% sind nicht gerade wenig und doch hat man nie das Gefühl, dass sie einem von hinten in den Rücken fallen. Was den Muret Azul nur umso ‘gefährlicher’ macht. Der Tropfen wirkt irgendwie losgelöst, ist Yin und Yang und beschert einem ein zwar ungewohntes, dafür aber umso imposanteres, beeindruckenderes Weinerlebnis. Es ist dieses auf einen Nenner gebrachte Gegensätzliche, das den Muret Azul so faszinierend macht, ihn förmlich mit einer geheimnisvollen Aura umgibt.

Resümee: Trotz seiner Kraft empfindet man den Wein nicht unbedingt als voluminös, mächtig oder vollmundig. Er bleibt stets schlank und elegant, zeigt was ihn ihm schlummert, ohne aber seinen Bizeps aufzublasen. Das macht ihn sympathisch und ich persönlich habe einen neuen ‘Partner für den Herbst’ gefunden. Dort gehört er hin, dort ist er zu Hause. Und dort werde ich ihn weiterhin erforschen und meine Freundschaft mit ihm vertiefen. Muret Azul, ein Wein der sich abseits von den bekannten ‘Italienern und Franzosen’ ein wirklich grosses Publikum verdient hat. Um 13,50 Euro zu beziehen und jeden einzelnen Cent davon mehr als wert. Authentizität inklusive.

Tipp: Die empfohlenen 14º sind absolut in Ordnung. Nicht mit mehr als 16º servieren. Geben sie ihm wenigstens 30 Minuten in der Karaffe um sich zu konsolidieren und geniessen sie ihn dann zu bäuerlichen, rustikalen und heftig-deftigen Küchenkreationen. Solo, im vinophilen Zwiegespräch genossen, ein Wein der etwas zu erzählen hat.

Einen Bericht über den Muret Azul lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Muret Azul tinto 2008 von der Bodega Vinae Mureri aus Murero/Saragossa, Spanien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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