Silvaner Gelbkalk Sonnenberg 2014

| 16. April 2016 | 0 Kommentare ...alles

Nie hat Gelb gelber geschmeckt

Silvaner der den Mund zum Schwingen bringt und eine Interpretation von trocken-saftig zeigt, die nicht alltäglich ist.

Winzer/Weingut: Zehnthof Luckert, Sulzfeld/Main, Franken, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Sonnenberg mit Muschelkalkböden und Gelbkalkbänken.

Sonnenberg Gelbkalk Allgemeines: Aus dem Maustal hatte ich bereits einen vom Weingut Zehnthof Luckert aus Sulzfeld bei Kitzingen. Den Blauen Silvaner des Jahrgangs 2011. Heute steht ein weiterer Wein vom Zehnthof unter dem Motto Hauptsache Silvaner am Tisch der Wahrheit, der Silvaner Gelbkalk Sonnenberg 2014. Die Lage Sonnenberg ist ungefähr 35 ha gross und der Name Gelbkalk kommt daher, weil die Muschelkalkböden mit Gelbkalkbänken durchzogen sind. Der Wein selbst darf sich die Bezeichnung VDP.Erste Lage umhängen, worauf auch der schwarze Adler, das Logo des VDP, am knallgelben Stelvin-Schraubverschluss hinweist. Die Weinberge der Luckerts sind alle natürlich begrünt und werden seit 2009 ökologisch bewirtschaftet. Die Erziehung der Reben erfolgt im Kordonsystem, um die Erträge stark reduzieren zu können. Soviel zur allgemeinen Information. Der Silvaner Gelbkalk Sonnenberg wurde spontanvergoren, im Grossen Holzfass ausgebaut und ungeschwefelt und unfiltriert abgefüllt. Jetzt dümpelt der Gelbkalk Sonnenberg bereits seit einer Stunde in der Karaffe vor sich und ist bereit für seinen grossen Auftritt.

Im Glas: Nur Goldbarren leuchten goldiger. Dafür kann man die aber auch nicht trinken.

In der Nase: Die Nasenflügel werden verwöhnt mit einem Duft von reifen Apfelaromen und einer kraftvollen gelben Würze. Man kann den Gelbkalk förmlich riechen, man spürt wie er Druck in der Nase aufbaut. Es duftet reif und satt und man hat das Gefühl, dass es richtig tropft im Riechorgan. Knallharte Mineralik begleitet den feinen Apfelduft des Gelbkalk, im Hintergrund meint man etwas Ananas zu riechen. Insgesamt sehr würzig wie auch mineralisch mit einem grossen Anteil an reifer Frucht.

Im Mund: Staubtrocken, cremig, würzig, gelb und druckvoll strömt der Gelbkalk auf die Zunge. Das ist Essenz, kein Luftikus. Was macht der Spass! Man spürt die physische Dichte dieses Weines und merkt wie fein und elegant er gleichzeitig ist. Keine Spur von breit, zieht der Gelbkalk in kerzengerader Linie über die Zungenmitte. Am Gaumen pure Mineralik, gelbe Würze, weich und druckvoll. Man schmeckt ganz hinten, erst sehr spät, die feine Apfelfrucht, während man erstaunt ist über diese edle Herbheit, welche nicht wirklich herb ist. Das Mundgefühl fein stoffig, wohlig und vor allem saftig. Es schmeckt tatsächlich gelb, und zwar richtig gelb. Der Abgang eine Sünde. Saftig, voll und hoch aromatisch. Der Nachhall leicht apfelig mit einem Schuss feuchter Erde.

Nach zwei Stunden an der Luft geht dann so richtig die Post ab. Extrem stoffig ist der Gelbkalk geworden, man spürt praktisch wie sein Namensgeber auf der Zunge steht. Traumhaft weich ist er, jetzt auch wirklich herb, jedoch von soviel Apfelfrucht durchzogen, dass man es als angenehm empfindet. Die Würze kräftig, ausgeprägt, nach Erde, Apfelschale und trockenem Geäst. Am Gaumen agil, frisch, zärtlich von der Säure geküsst und trotz seiner enormen Mineralik charmant gelbfruchtig. Man spürt wie der Saft tropft, wie er dicht und konzentriert im Mund steht und man staunt wie harmonisch sich alles in einem gelben Mundgefühl auflöst. Ich bin jetzt neugierig geworden und entscheide, den nächsten Durchgang im grossen Burgunderkelch vorzunehmen weil ich sicher bin, dass dieser Wein das locker schafft und auch verträgt.

Wie erwartet lacht der Gelbkalk auch das grosse Glas aus, steht wie eine Eins im Mund, ist sogar feiner vom Gefühl her, ziselierter und noch mehr auf seine Mineralität reduziert. Er wirkt leichter, nicht mehr so konzentriert, dafür aber umso kalkiger, auch herber. Die gelbe Würze wird ein wenig schwächer, der Apfel ein wenig deutlicher. Es bleibt einem selbst überlassen was einem besser gefällt. Im “regulären” Glas die physische Dichte und Konzentration zu spüren, oder im grossen Becher zu erleben wie sehr der Gelbkalk aufmacht. Was immer man mag, der Tropfen geht aus beiden Gläsern und hat in beiden seine Stärken.

Resümee: Unabhäng davon welches Glas man nimmt, das ist Silvaner der den Mund zum Schwingen bringt. Der Zunge und Gaumen bezirzt und eine Interpretation von trocken-saftig zeigt, die nicht alltäglich ist. Ich selbst habe in dieser Themenrunde wieder drei Weine gefunden, die ich selbst in meinem Keller haben möchte. Den Gelbkalk ganz besonders, weil er tatsächlich herrlich gelb und kalkig ist.

Tipp: Eine Stunde in die Karaffe damit. Mit 10-12º geniessen. Zum Wiener Schnitzel oder zur gegrillten Hühnerbrust, auch zur frischen Gemüseküche. Oder einfach ohne alles, weil er gar so süffig und charmant ist.

Einen Bericht über den Gelbkalk Sonnenberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Silvaner Gelbkalk Sonnenberg 2014 vom Zehnthof Luckert aus Sulzfeld am Main in Franken, Deutschland. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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