Sgarzon 2014 Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT

| 15. April 2016 | 0 Kommentare ...alles

Schlank wie Gisele Bündchen

Auch so elegant und herb und lang. Schreit nach der Küche und brüllt einem gnadenlos und laut ein “koch doch was” ins Ohr.

Winzer/Weingut: Elisabetta Foradori, Mezzolombardo, Trentino, Italien.

Lage/Herkunft: Von der Einzellage Sgarzon im Campo Rotaliano.

Sgarzon 2014 Allgemeines: Kürzlich hatte ich von Elisabetta Foradori aus Mezzolombardo im Trentino ihren Morei 2014 zur Verkostung. Ein Wein so klar wie das berühmte Nordlicht am finnischen Polarkreis. Heute steht ihr nächster Wein am Tisch der Wahrheit. Ebenfalls ein Teroldego, der Sgarzon 2014. Seit ich ihren ersten, den “einfachen” Teroldego und dann den Morei getrunken habe, bin ich ich bekennender Fan ihrer Weine. Die Einzellage Sgarzon im Campo Rotaliano liegt ungefähr einen Kilometer von der Lage Morei entfernt und weist ein weitaus kühleres Klima auf, weshalb die Weine von Sgarzon in der Regel frischer, feinfruchtiger, noch schlanker und auch würziger sind. Der Sgarzon wurde für acht Monate in der Amphore auf den Schalen belassen, abgefüllt wurden 10.000 Flaschen. Wie schon der Morei, ist auch der Sgarzon ein richtig junger Hüpfer, aber Teroldegos altern fast unendlich vor sich hin und man muss sie in diesem jungen Stadium verkosten um eine Ahnung davon zu bekommen, wohin die Reise einmal gehen wird. Der Sgarzon kommt deshalb für zwei Stunden in die grosse Karaffe um wenigstens etwas Luft vor seinem Auftritt zu bekommen. Natürlich in einem grossen Glas.

Im Glas: Dunkles kirschrot mit leichter Randhaufhellung steht im grossen Becher. Ganz leichte violette Reflexe.

In der Nase: In die Nasenflügel steigt ein sehr frischer wie auch sehr kühler, ausgesprochen mineralischer Duft. Steinig (die Amphore) und kühl-fruchtig. Veilchen riecht man, Sauerkirsche, vereinzelt ein paar Kräuter und vor allem eine richtig frische Mineralik. Auch beim Sgarzon taucht irgendwo im Hintergrund die bereits bekannte Zitrusnote auf, hier ist sie noch ausgeprägter als beim Morei, der ganze Duft ist noch einmal um einen Level frischer und filigraner, noch säurebetonter, noch schlanker. Irgendwie sogar ein typischer “Amphorenduft”.

Im Mund: Low-carb in flüssig. Das ist es was auf die Zunge strömt. Es erinnert mich an einen bestimmten Gamay, welcher auf Lavastein wächst und so schlank ist, dass man ihn am liebsten zwangsernähren möchte. So ähnlich fühlt sich der Sgarzon im Mund an. Phantastisch frische Säure auf der einen Seite, ungemein feine wie auch kühle Gerbstoffe, die eher an ein Mikrofasertuch als an Kaschmir oder Seide erinnern. Saure Kirsche, etwas Zitrone und ein Brocken Erde stehen auf der Zunge und diskutieren, ob sie das zarte Nussaroma das ebenfalls die Hand hebt in der erlauchten Aromenkreis aufnehmen. Klar, der Wein ist jung, was heisst jung, der liegt praktisch in den Windeln, aber wer Babylachen kennt, der wird ihn jetzt schon lieben. Den Sgarzon. Am Gaumen durchaus griffig, leicht kräutrig und wunderbar den Speichelfluss anregend. Schlank wie Gisele Bündchen, auch so elegant und herb und lang. Vor allem im Abgang. Der Nachhall sauerkirschig, kräutrig, steinig und auch zart zitronig.

Schon jetzt ist klar, der Sgarzon wird über den Tag hinweg richtig aufmachen und noch für gewaltig Trinkbespassung sorgen. Aktuell hat er nach drei Stunden Karaffenstandzeit einen Zustand erreicht, der ihn etwas kirschiger erscheinen lässt, auch würziger. Es fruchtelt quasi im Mund, das zitronig-salzige Gefühl ist nach hinten gewichen, es wird sogar leicht hefig, auch fein nussig. Das Gefühl lässt sich durchaus als leicht mürbe beschreiben, die Tannine rieseln elegant vom Gaumen ab, stehen herb und trocken auf der Zunge und vermengen sich traumhaft mit der roten Frucht und der feinen Würze. Auch wenn ich mich um Kopf und Kragen schreibe, aber der Vergleich mit einem säurebetonten, frischen, eleganten sowie schlanken und auf Würze ausgelegten Burgunder ist für mich persönlich zulässig. Aber das hier ist Teroldego. Was liebe ich diesen Stoff! Der immer mehr Fahrt aufnimmt und sich zu einem Wein der Haftungsklasse “Supergrip” entwickelt. Es schreit nach Küche und darum werfe ich jetzt auch den Herd an. Der Sgarzon brüllt einem nämlich gnadenlos und laut ein “koch doch was” ins Ohr.

Fast scheint es als würde der Sgarzon runder werden je mehr er Luft aufnimmt. Doch ist es das nicht, es wird nur ein wenig roter, fülliger und kirschiger. Es wird etwas hefiger, fein nussig und weicher. Was bleibt ist die steinige Mineralik, die Würze und auch eine gewisse Erdigkeit. Am Gaumen wird der Sgarzon richtig anschmiegsam, bleibt lange haften und entwickelt auch eine schöne Tiefe. Im Abgang ist er nach ein paar Stunden klar kirschfruchtig, begleitet von einer zart tabakigen und leicht floralen Note. Was den Sgarzon in jeder Hinsicht auszeichnet ist seine frische, kühle und auch schlanke Charakteristik. Dazu eine Säure die für bestee Unterhaltung sorgt.

Resümee: Ein Jungspund, keine Frage. Doch macht der jetzt schon grosse Freude und sollte einen jugendlichen Antrunk in jedem Fall wert sein. Für mich schon jetzt ein Trinkspass den ich über viele weitere Jahre geniessen möchte. I love Teroldego. So schaut´s aus.

Tipp: Zwei Stunden in die Karaffe um es lustig zu haben, drei und mehr wenn Sie in der Mitte einsteigen wollen. Undbedingt ein grosses Glas nehmen und mit frischen 14-16º geniessen. Zur traditionellen Brettljause, zum Steak, zur fetten Wurst oder einfach nur zur PASTA. Macht alles mit. Als Solist ein Spassbolzen der auf jeden Fall über einen oder gar zwei Tage hinweg erkundet werden sollte.

Einen Bericht über den Sgarzon 2014 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Sgarzon 2014 Teroldego Vigneti delle Dolomiti IGT von Elisabetta Foradori aus Mezzolombardo, Trentino, Italien.

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Kategorie: Elisabetta Foradori, Verkostet

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