Siefersheimer Silvaner 2014 VDP.Ortswein

| 14. April 2016 | 0 Kommentare ...alles

Silvaner zum Träumen

Sündig gelbexotische Fruchtaromatik und herrlich herbe, erdige Charakteristik. Ein ganz toller Saft. Daumen hoch.

Winzer/Weingut: Wagner-Stempel, Siefersheim/Rheinhessen, Deutschland.

Lage/Herkunft: Aus den besten Siefersheimer Weingärten mit sandigen und steinigen Porphyrverwitterungsgesteinsböden.

Siefersheimer Silvaner 2014 Allgemeines: Im Zuge des Verkostungsthemas Hauptsache Silvaner steht heute wieder einmal ein Wein vom Naturland® zertifizierten VdP-Weingut Wagner-Stempel aus Siefersheim in Rheinhessen am Tisch der Wahrheit. Ein paar Jahre ist es her, da hatte ich zum ersten Mal einen Wein von Daniel Wagner in der Verkostung, eine Scheurebe. Heute ist es sein Siefersheimer Silvaner 2014 VDP.Ortswein. Ortsweine sind jene Weine, die an eine erste geographische Eingrenzung der Herkunft gebunden sind. Die Trauben dieser Weine kommen nur aus Siefersheimer Weinbergen. In diesem Fall aus den besten und ältesten Parzellen, die ausgesprochen steinige, skelettreiche Sand-, Schotter- und Lehmböden aufweisen. Ausgebaut wurde der mit wilden Hefen spontanvergorene Siefersheimer Silvaner im Stahltank sowie im traditionellen Stück- und Halbstückfass aus deutscher Eiche. Und bevor der gute Tropfen aus den Trauben der besten Siefersheimer Weingärten in das Glas kommt, darf er sich für eine Stunde in der Karaffe vergnügen. Soviel Zeit muss sein.

Im Glas: In kräftigem goldgelb dreht der Siefersheimer Silvaner seine Runden im Glas.

In der Nase: Der Duft herrlich bananig, leicht ananassig und überhaupt sehr gelbfruchtig. Dazu eine ausgeprägte mineralische Note. Der Unterbau mit etwas feuchter Erde (Lehm) ausgestattet. Zur Banane und zur Ananas gesellt sich ein Stück Karamell. Sandelholz riecht man, auch feine braune, gemahlene Gewürze. Ein sehr sinnlicher Duft der da im Glas steht und unbedingt auch im Mund wahrgenommen werden will.

Im Mund: Oh, wie ist das schön! Gelbe Würze trifft, noch bevor die Frucht auf der Zunge aufsetzt, voll den Gaumen und hüllt diesen augenblicklich in einen feinen Nebel ein. Erst dann schmeckt man die Banane, auch die Ananas und das süsse Holz. Als würde der Orient-Express durch den Mund gleiten. Das ist www neu definiert, das ist warm, weich und würzig. Und gelb. Es schmeckt reif, im Grunde genommen schon exotisch. Mit einer wunderbaren Fülle steht der Siefersheimer Silvaner im Mund, ist aber alles andere als sättigend. Dank der lebhaften Säureader (knappe 7 g) machen sich auch die 4,5 g Restzucker nicht wirklich grossartig bemerkbar, man spürt und schmeckt nur gelbe Reife. Im Abgang dicht, saftig, gelbwürzig und ausgesprochen mineralisch. Der Nachhall ganz leicht herb, etwas erdig und wohlig wärmend.

Der Saft wird immer süffiger und immer sexier. Es sind seine wohlgeformten Rundungen die der Siefersheimer Silvaner ganz bewusst ins Rennen wirft. Die sich in ihrer zartesten Süsse, aber auch mit einer herben Erdigkeit präsentieren. Die einen zum spielen einladen, zum kauen, kneten, knuddeln und zum rollen. Man will den Wein ganz lange auf der Zunge spüren, wie er sich in seiner ganzen orientalischen Charakteristik weich und gelb an sie schmiegt, wie er sie einlullt und satt und saftig an ihren Rändern abfliesst. Während der Gaumen die Gewürze des Maghrebs zählt. Aus Marokko, aus Algerien und aus Tunesien. Und mittendrin, da suhlen sich verzückt die Ananas und die Banane. Kommt der Wein aus Deutschland oder wie? Ich weiss nicht was mir mehr gefällt, diese sündige gelbexotische Fruchtaromatik oder die herrlich herbe, erdige Charakteristik. Der Tropfen hat mich angefixt, ich will mehr davon.

Süsse Erde, oder doch gelbes Gewürz? Ananas im Lehmmantel, oder Sandelholz in Banane eingelegt? Satt aber nicht dick. Reif, extraktreich und sehr würzig. Der Siefersheimer Silvaner ist kein Magermodel. Das ist ein Wein der genauso elegant ist wie die Supermodels aus den Achtzigern. Und genauso sexy. Er ist erotisch, sinnlich, lädt zum verweilen und entspannen ein. Und dabei ist er ganz gefährlich, weil man ihn immer weiter trinken will, immer mehr von seinem Körper spüren und von seiner Reife schmecken will. Es ist das traumhaft angenehme Mundgefühl UND der saftig-reife Geschmack, der ihn so harmonisch macht. Süss und herb, dicht und fein, rassig und doch mit feinen Rundungen.

Resümee: Silvaner zum Träumen. Den herben Touch gibt´s gratis oben drauf. Eine Schönheit unter seinesgleichen. Kommt unverzüglich in meine persönliche 5er-Liste. Und dann in den Keller. Toller Saft. Daumen hoch.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe ist ideal. Mit 10-12° geniessen. Perfekt als Begleitung von Salaten, aromatischen Vorspeisen sowie anspruchsvoller Gemüseküche. Zur Alleinbespassung ein sehr sinnlicher wie auch sympathischer Begleiter.

Einen Bericht über den Siefersheimer Silvaner lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Siefersheimer Silvaner 2014 VDP.Ortswein vom Weingut Wagner-Stempel aus Siefersheim, Rheinhessen, Deutschland. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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