FOUR 2012 Grüner Veltliner

| 20. April 2016 | 0 Kommentare ...alles

Kecke Tropenlastigkeit mit Pfeffer im Hintern

Grüner Veltliner mit richtig Pfeffer im Hintern und auch mit jener kecken Tropenlastigkeit, die schon der Jahrgang 2011 geboten hat.

Winzer/Weingut: LAURENZFIVE Fine Wine, Wien, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Trauben vom Gaisberg im Kamptal in Niederösterreich.

Four 2012 Allgemeines: 2015 durfte ich den FOUR 2011, der im Zuge der Tour mit dem Motto Ten Years After – The ’404′ Tasting, welche die Grüner Men und ihren FOUR durch die 10 wichtigsten Städte für Grüner Veltliner führte, erstmals verkosten. Heute steht der neue Jahrgang des FOUR, 2012, am Tisch der Wahrheit. Als feierlicher Geburtstagswein für den Vater von Laurenz Maria V. gedacht und deshalb auch so ausgebaut wie damals, im Barriquefass, ist nun der Nachfolgejahrgang auf dem Markt. Die Trauben des FOUR 2012 stammen wieder vom Gaisberg im Kamptal und reiften 18 Monate in französischer, medium getoasteter Eiche. Die 30 bis 35 Jahre die man ihm nachsagt dass er reifen könnte, wird dieser hier mit Sicherheit nicht erleben, wenngleich es schon sehr interessant wäre, einen kurzen Blick in Zukunft werfen zu können. Auf jeden Fall kommt auch der FOUR 2012 für eine Stunde in die Karaffe, weil ihm das im letzten Jahr schon äusserst gut getan hat. Ausserdem wird diesmal gleich von Beginn an aus dem grossen Burgunderglas verkostet weil sich auch das als positiv erwiesen hat.

Im Glas: Strahlendes Gelb leuchtet aus dem Becher und schmiert mit einem dichten Film, der auf hohen Extraktwert hinweist, an der Glaswand ab.

In der Nase: Wie schon der FOUR aus 2011, öffnet auch der 2012 augenblicklich seinen tropischen Obstkorb. Reife Ananas, Kiwi und auch Grapefruit duften sündig in der Nase, doch sind sie, da hier im grossen Glas verstaut, erheblich feiner in der Nase. Auch die Honignote ist wieder schön präsent und verleiht dem Duft gewisse Fülle. Was 2012 ausgeprägter scheint ist die Würze die über allem schwebt. Ausserdem kommt am Schluss ein Tick von Grün hinzu, was dem Duft den Extrakick verleiht. Fein unterfüttert ist der Aromenkorb mit einem dezenten Vanilleton.

Im Mund: Eindeutig würziger, eindeutig säurebetonter. Das ist der erste Eindruck des FOUR 2012 im Vergleich zu 2011. Es schmeckt erdiger, fühlt sich auch erdiger an im Mund. Auf der Zunge lebhaft, wenn auch als weich und sanft empfunden. Doch zeigt sich auch eine animierende Frische die sogar ein wenig knusprig ist. 2012 wirkt würziger, feiner, schlanker als 2011. Im Geschmack weniger Mango, mehr Kiwi und auch mehr Grapefruit sowie Limette. Weniger die fetten gelben Tropenfrüchte, mehr jene die als sauerherb bekannt sind. Es fühlt sich ingsgesamt weniger gewichtig als im Vorjahr an. Am Gaumen saftige Säure, der Abgang erdig-würzig mit einem guten säurefrischen Schuss von gelber Grapefruit. Der Nachhall mit einem leisen Ton Vanille untermalt, die dafür sorgt, dass die Erde sich nicht allzu trocken anfühlt. Etwas weisser Pfeffer als dezente Deko obendrauf.

Phantastisch ist das Gefühl, das der FOUR 2012 am Gaumen hinterlässt. Erst zieht er eine saftige gelbe Spur über die Zunge, um dann am Gaumen in seiner vollen Würze aufzutreten. Da ist Pfeffer, Erde und auch ein wenig Gneis und Schiefer schmeck- und spürbar. Trotz seiner Saftigkeit die aus dem mittelschweren Körper tropft fühlt sich der FOUR relativ herb an. Einerseits diese feine exotisch-tropische Aromatik, andererseits diese enorme Erdigkeit. Im Geschmack ist 2012 sehr von der Grapefruit dominiert, im Gefühl vom Boden. Ich trinke ihn jetzt “rückwärts” um zu sehen, ob er im “normalen” Weissweinglas wieder das ist, was er beim letzten Mal schon war; sündig tropensaftig. Zu meiner Überraschung zeigt sich der FOUR jedoch auch im normalen Glas nicht wirklich “fetter”. Er wirkt dichter, das habe ich erwartet, doch steht auch hier die erdbetonte Würze klar im Vordergrund. Einzig das Mundgefühl ist kompakter. Ein wenig kommt der feine Holzton mehr hervor, ein wenig wirkt es gelber. Der Abgang und der Nachhall etwas intensiver was die Wärme angeht. Man hat die Qual der (Glas)Wahl.

Am Ende ist es einzig die persönliche Präferenz welche die Wahl des Glases entscheidet. Wer mehr Dichte mag nehme das reguläre, wer mehr Finesse will, der entscheide sich für das Burgunderglas. Ich bleibe beim grossen Becher, weil da auch die Säure mehr zum Vorschein kommt, die Würze straffer definiert und die Aromatik subtiler, weil immer erdig unterfüttert ist; Geschmackssache. Insgesamt aber ist der FOUR 2012 erheblich erdiger, würziger und herber als 2011. Und das gefällt mir.

Resümee: Das ist Grüner Veltliner mit richtig Pfeffer im Hintern und doch auch mit jener kecken Tropenlastigkeit, die schon der 2011 geboten hat. Jetzt muss ich nur noch 20 oder 30 Jahre warten um ihn in seiner Endausbaustufe zu erleben. Wenn das nur mal gut geht.

Tipp: Ein bis zwei Stunden in die Karaffe damit. Glas nach persönlicher Präferenz. 10-12º Trinktemperatur sind perfekt. Zum gegrillten Fisch, zum Wiener Schnitzel, zum steirischen Backhendlsalat, oder einfach als exotisch angehauchten Freudenspender zwitschern.

Einen Bericht über den FOUR 2012 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner FOUR 2012 von LAURENZ V., Österreich. Zu beziehen in Ö bei Wein & Co.

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Kategorie: LAURENZ V, Verkostet

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