Valmaggiore 2013 Nebbiolo d’Alba

| 22. April 2016 | 0 Kommentare ...alles

Grosses Piemonteser Kino

Es könnte auch edelster Burgunder sein, auch feinster Barbaresco. Weil der hier locker in der Liga der “aussergewöhnlichen Gentlemen” mitspielen könnte.

Winzer/Weingut: Luciano Sandrone, Barolo, Piemont, Italien.

Lage/Herkunft: Von Der Lage Valmaggiore, der berühmtesten des Roero mit teilweise 100% (45º) Gefälle.

Sandrone 2013 Allgemeines: Von der berühmtesten Lage des Roero im Piemont kommt der Wein der heute am Tisch der Wahrheit steht; Valmaggiore. Luciano Sandrone ringt diesem Weinberg, der teilweise ein Gefälle von 100% (45º) aufweist, dank rigoroser Ertragsbegrenzung Weine ab, die den weit bekannteren Vertretern aus Barolo und Barbaresco mehr als nur Paroli bieten. Valmaggiore wird von sandigen Böden dominiert, weshalb die Weine dieser Lage auch feiner und ziselierter sind. Der Valmaggiore Nebbiolo d’Alba 2013 von Luciano Sandrone wurde im Stahltank vergoren und anschliessend im französischen 500 Liter-Eichenfass ausgebaut. Abgefüllt wurde dieser Nebbiolo von dem es 21.000 Flaschen gibt, im Dezember 2014. Heute steht er zur Verkostung an und weil ich bekennender Piemont-Fan bin und Weine dieser Gegend wirklich liebe, freue ich mich ganz besonders, diesen Tropfen gleich im Glas zu haben. Vorher kommt er aber zur Belüftung für eine Stunde in den grossen Dekanter. Zwei sind sicher besser, aber die Neugier ist wie´s heisst ein Hund, und der will eben seinen Knochen haben.

Im Glas: Rot wie frisch gepresster Kirschensaft sowie sehr hell und transparent steht der Valmaggiore im grossen Becher.

In der Nase: Betörend, würzig, fleischig, beerig und voll Frische. Da tanzen Erdbeeren und Kirschen lustig durch die Gegend, ein paar dunkle Waldbeeren sind dabei. Gemeinsam schwingen alle ein grosses Minzeblatt und sorgen so für einen Hauch mentholischer Bekühlung. Eine leichte Colanote weht vorbei, ganz kurz und doch schön wahrnehmbar. Man spürt die Leichtigkeit des Seins und staunt über so viel wunderbare Filigranität in der Nase. Was für ein delikates Dufterlebnis.

Im Mund: Als würde einem Sand in den Mund geblasen. Rot, fruchtig, fein und mit einem Gerbstoffkleid geschmückt, das tatsächlich an einen Sandsturm erinnert. So zeigt sich der Valmaggiore nach einer Stunde im Mund. Dazu knackt eine Säure fast den Jackpot weil sie so lebendig und agil ist, dass man nicht weiss, worauf man sich mehr konzentrieren soll, Sand oder Säure. Und dann ist da noch die Kirsche die verschmitzt hervor lacht und sich als Fruchtbegleitung aufdrängt. Ich komme mit dem Kauen nicht nach, bin fasziniert von den Tanninen, die sich wie Flugsand überall im Mund anlegen und für einen Grip sorgen über den sich Formel 1 Piloten freuen würden. Es schmeckt phantastisch nach Erdbeeren und auch Himbeeren, jedoch komplett “entschlackt”. Nicht füllig, ordinär fruchtig oder gar pappig, sondern derart fein, dass man die Frucht mehr ahnt als wirklich spürt. Die orientalisch anumtende Würze trägt das ihre dazu und macht den Valmaggiore noch begehrenswerter. Der Abgang einer, der nie enden sollte.

Drei Stunden sind seit der Öffnung des Valmaggiore vergangen und was jetzt im Mund abgeht ist grosses Piemonteser Kino. Fast tut es einem leid, dass die Tannine sich eingerenkt haben und richtig zivilisiert geworden sind. Wie schön war es den Sandsturm zwischen den Kiemen zu spüren. Diese extreme Haftung und das feine rieseln. Dafür glänzt der Valmaggiore jetzt mit roten Beeren, mit frischen Kirschen und einer richtig salzigen Ader. Leichte Tabaknoten schmeckt man, die Würze ist mehr rot als braun, es ist filigran im Mund, leicht, schlank, fast schwerelos. Ein Hauch von Wein, getunkt in rot und elegant wie eine Gucci-Tasche. Auf der Zunge fruchtig-frech, mehr Erdbeere als Kirsche, mehr Himbeere als Waldfrucht. Am Gaumen wunderbar fein und rotwürzig. Es könnte auch edelster Burgunder sein, auch feinster Barbaresco. Doch ist es “nur” ein Nebbiolo aus Roero. Name, Herkunft, Image, Wert. Das Weinleben kann oft richtig ungerecht sein. Weil der hier locker in der Liga der “aussergewöhnlichen Gentlemen” mitspielen könnte.

Was macht dieser Wein Spass! Sauerkirsche tanzt nach sechs Stunden beschwingt auf der Zunge, Oder ist es doch nur Salz das von der Kirsche tropft? Egal. Es ist einfach wunderbar. Auch die phantastische Säureader steht wie eine Lichtgestalt im Mund und haucht dem Valmaggiore leicht erhöhten Puls ein. Die Erdbeer-Himbeer-Kirschen-Kombi erinnert leise an die “Desperate Housewives” welche sich nur widerwillig der orientalisch angehauchten Gaumenwürze unterordnen wollen.

Resümee: Volumentrinker werden sich auf der Stelle von der Brücke stürzen, Freude feinster, schlanker Eleganz hingegen werden sich in diesem Saft ertränken wollen. Wer schlanke, filigrane, straffe und säurebetonte Rotweine liebt, der wird dem Valmaggiore hoffnungslos verfallen. Und wer es ganz genau wissen will, der infiltriere mit ihm als Piraten eine Verkostung von feinen Barbaresci und Baroli. Das Staunen wird ein grosses sein. Ich gönn´ mir jetzt noch einen Becher und bin gespannt wie dieser Wein am Abend singt. Eine Ahnung habe ich, die behalt´ ich aber jetzt für mich und gebe dafür eine ernst gemeinte Kaufempfehlung ab.

Tipp: Zwei Stunden Karaffe sind zu empfehlen. Mit 15-17º geniessen. Grosses Glas nehmen. Zur Pasta, Salami, Prosciutto, Käse, Antipasti, Salsicchia und vielem mehr. Solo genossen einfach traumhaft und verführerisch. Trinkt sich weg wie nichts und sorgt mit jedem Schluck erneut für Staunen.

Einen Bericht über den Valmaggiore lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Valmaggiore Nebbiolo d’Alba 2013 von Luciano Sandrone aus dem Piemont, Italien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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