‘Ravazzol’ 2009 Valpolicella Classico Superiore

| 25. April 2014 | 0 Kommentare ...alles

Ein Fall für den Jungbauern-Kalender.

Jung, spritzig, knackig und lebendig. Nichts dickes oder weichgespültes, sondern urig-nackter Trinkspass. Pur und unverfälscht.

Winzer/Weingut: Cá La Bionda, Valgatara di Marano, Veneto, Italien.

Lage/Herkunft: Von 30 bis 50 Jahre alten Corvina-Reben auf steilen kargen Kalk- und Lössterrassen.

Valpolicella Ca la Bionda Flasche/Etikett: Ein relativ klassisch wie auch elegant wirkendes Etikett klebt auf der Bordeauxflasche des berühmten Valpolicellas. Crémefarbig ist der Untergrund, ganz oben steht in Kapitalen CÁ LA BIONDA, unterhalb der Jahrgang und in der Mitte weist Vigneti di Ravazzol, Valpolicella Classico Superiore auf die Herkunft des Inhalts hin. Unterhalb ein grosser scharlachroter Buchstabe B. Nicht der ‘bekannte’ aus dem Mittelalter, sondern jener welcher für BIONDA steht. Das ganze Etikett ist von einem grauen Rand eingefasst. Insgesamt ein einfaches Stück Papier das kein grosses Aufsehen um sich macht. Eine rote Halsmanschette komplettiert das elegante Erscheinungsbild. Am kleinen Rückenetikett erfährt der Weinfreund in englisch und italienisch einiges über den Weinberg auf dem der Wein wächst, die Gegend und die Herstellung. Sehr informativ für alle, die gern ein wenig mehr erfahren wollen bevor sie die Flasche öffnen. Für eine halbe Stunde darf der Ravazzol ein wenig Wiener Frischluft schnuppern bevor er zur Verkostung in die polierten Gläser kommt.

Im Glas: Relativ transparent steht der Ravazzol in hellem Rubinrot im Glas. Fast geht er sogar ein wenig ins Bräunliche zum Rand hin.

In der Nase: So transparent wie er in der Farbe ist, so verhalten ist er im Duft. Nichts brüllt, nichts springt einem entgegen. Alles ist sehr zart und fein, man muss die Nase schon sehr tief ins Glas stecken um den Aromen auf die Spur zu kommen. Etwas rote Beeren, viel ‘Boden’, leichte florale Anklänge fallen einem vorwiegend auf. Ein dünner Hauch von Holz taucht auf, etwas erdige Würze kommt hinzu. Alles äusserst verhalten und leise. Es riecht leicht und fein, fast schon zerbrechlich und wenn der Wein sich im Mund so anfühlt wie er duftet, dann wird das ein maximal schlankes und kühles Trinkerlebnis.

Im Mund: Wie erwartet strömt der Ravazzol superschlank auf die Zunge. Mit einem etwas sauer wirkenden Film legt er sich auf der Zunge nieder und man spürt wie gut sich das anfühlt. Der Tropfen steht mager in der Mitte und macht keine Anstalten sich etwa auszubreiten oder Druck zu machen. Vielmehr lässt er einen spüren wie banal einfach sich Spass im Mund anfühlen kann. Mundwässernd fliesst er an den Zungenrändern ab, fühlt sich dabei federleicht an und erfrischt mit einer Leichtigkeit die man nicht für möglich gehalten hätte. Im Abgang kommt ein wenig Holz zum Vorschein, der Rest ist kühle Mineralik die sich über den Gaumen zieht. Das Einzige was an möglich vorhandener Frucht auftaucht ist am ehesten etwas Weichsel. Alles andere ist einfach nur kühl, leicht und frisch. Fast körperlos im Mundgefühl und deshalb schon wieder richtig interessant.

Bei all seiner mundwässernden Art ist der Ravazzol knochentrocken, nur die Säureader fühlt sich an als würde sie literweise Saft mit sich führen. Mit etwas Zeit kommen sogar minimalistisch fühlbare Gerbstoffe ans Tageslicht, verschwinden aber ebenso rasch wie sie gekommen sind. Erst jetzt bemerkt man, dass der Ravazzol ein richtig kerniger Bursche ist der sich ganz leise von hinten anschleicht. Keinen Arsch in der Hose, dafür aber umso mehr an frisch-frecher Lebendigkeit, die ihn in seiner leicht säuerlichen Art unwiderstehlich macht und bei jedem Schluck ein leichtes, nach oben gerichtetes Zucken der Mundwinkel verursacht.

Resümee: Auf der Zunge fühlt sich der Wein derart mager an, dass man am liebsten ‘anschieben’ möchte. Am Gaumen steht er auch nicht gerade lange und im Abgang ist er einfach kühl und frisch. Der Ravazzol ist der perfekte Spitzenkandidat für den italienischen Jungbauern-Kalender. Jung, spritzig, knackig und lebendig. Nichts dickes, fettes, oder gar auf schön getrimmtes Weinerlebnis, sondern urig-nackter Trinkspass. Pur, unverfälscht und transparent wie seine Farbe. Und dann, nach zwei Stunden an der Luft wird er sogar richtig rund. Nicht rundrund, einfach rund. Und süffig. Und überhaupt. Weichsel, Holz und ganz viel Erde. Zusammengewürfelt zu einem so klaren wie erfrischend kühlen Tropfen Rebensaft. Valpolicella vom Feinsten. Anders, mutig, eigenständig. So macht Corvina Spass.

Tipp: 30-60 Minuten tun dem Tropfen gut. 16º sind ideal um seine Frische zu unterstreichen. Zu Schmorbraten, deftigen Pastagerichten sowie Jausentellern, die mit Würsten, Braten und Schinken belegt sind einfach umwerfend. Grandios zu Pizza Bianca. Trinkt sich dazu wie Wasser. Wer mutig ist geniesst den Wein auch schon mal solo und grinst still und heimlich vor sich.

Einen Bericht über den Ravazzol lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein ‘Ravazzol’ 2009 Valpolicella Classico Superiore von Cá La Bionda Valgatara di Marano im Veneto, Italien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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