Atanasius 2010

| 26. April 2014 | 0 Kommentare ...alles

Frisch-fröhliches Trinkvergnügen.

Rank und schlank und luftig locker ist der Tropfen der ideale Sommerrotwein, der sogar bei 40º im Schatten grossen Spass macht.

Winzer/Weingut: Gut Oggau, Weingut Tscheppe-Eselböck, Oggau, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Parzellen, die in der Umgebung von Oggau und Purbach am Neusiedlersee liegen.

Gut Oggau Anastasius rot Flasche/Etikett: Nicht das Bildnis des Dorian Gray ziert das hohe, in gedecktem weiss gehaltene Etikett, sondern jenes von Atanasius. Unter seinem Bild nur GUT OGGAU und ATANASIUS sowie der Jahrgang. Wie seine Schwester Theodora ist er “von typisch burgenländischer Leichtigkeit und offener Herzlichkeit, ein attraktiver, aber trotzdem nicht oberflächlicher junger Mann. Obwohl über die Maßen beliebt, hat er versteckte Qualitäten, die ihn erst recht interessant machen. Sein großer Traum: Eines Tages ein umjubelter Weltstar zu werden.” So steht es in der Beschreibung und am Rückenetikett erfährt der Weinfreund dann noch reichlich mehr über Atanasius. In toller, etwas geperrter grosser Typo oben in drei Zeilen Weingut, Name und Jahrgang und darunter ausschliesslich in Grossbuchstaben umfassende sensorische Notizen sowie eine Speisenempfehlung. Bescheidene 12% vol. erhöhen die Vorfreude auf Atanasius, der für einige Minuten in der Karaffe ein paar Runden drehen darf.

Im Glas: Glasklar und transparent wie dunkelroter Kirschensaft steht der Wein im Glas und deutet mit seiner Erscheinung ein leichtes Trinkvergnügen an.

In der Nase: Relativ fruchtig strömt Atanasius die Nase hoch. Mehr vom Aromenkorb des Zweigelt in sich führend. Etwas Kirsche, etwas Erdbeere und erst dann kommt so etwas wie eine dezente Würze zum Vorschein. Es riecht ungemein saftig, fast schon ein wenig süsslich ob der roten Frucht. Milchschokolade tummelt sich unter dem Erdbeermantel. Insgesamt duftet es charmant aus dem Glas und lässt einen an einen fruchtig frischen Wein im Mund denken.

Im Mund: Wie erwartet, hüpft einem förmlich aufgeregte, leicht frech wirkende Frische in den Mund. Jugendlich, etwas grünkräutrig und richtig belebend steht Atanasius auf der Zunge. Leicht und schlank fühlt es sich an, null Gewicht spürt man im Mund. Kühl wirkt der Wein, belebende Säure lässt ihn aktiv pulsieren und bringt gewaltig Leben in die Bude. Dazu kommt, dass die lächerlichen 12 PS für lockeren, unbeschwerten Trinkfluss sorgen. Über die Zungenränder fliesst Atanasius neckisch kitzelnd ab, lässt einen die frischen, noch nicht ganz reifen Kirscharomen schmecken sowie einen leichten Zitrustouch erfühlen. Als rotgrün würde ich die Farbe des Geschmacks beschreiben, der wirklich grossen Spass im Mund macht.

Mit etwas Luft wird Atanasius ein wenig tiefer in seiner filigranen Struktur. Man spürt, dass er noch jung, noch nicht voll ausgereift ist. Genau das macht ihn aber wieder so verführerisch. Seine unbekümmerte lockere Art, dieses fast schon spritzige Temperament auf der Zunge und den doch erwachsen wirkenden Eindruck am Gaumen zu spüren macht Spass. Man weiss was man hier trinkt und warum es so ist wie es ist. Ich habe keine Ahnung vom jeweiligen Rebsortenanteil in dieser Cuvée, aber es scheint als würde der Wein eindeutig von Zweigelt dominiert. Frisch, mehr fruchtig als würzig, weniger erdig und mehr ein ‘hint of chocolate’ hüllen die Zunge ein. Am Ende kaut man auf einer saftigen Erdbeere herum. Am Gaumen nicht übermässig dicht, vielmehr kühl und gerade. Schlank wirkend, klar und noch etwas ‘unsortiert’, was aber wieder dazu verleitet den Wein noch genauer in seinen ‘Einzelteilen’ zu erfassen. Im Abgang klar, kühl, frisch und erdbeerfruchtig. Leichte Mineralik dann im Nachhall.

Nach einer Stunde an der Luft zeigt sich Atanasius dann ein wenig vielschichtiger, es kommt etwas leicht Erdiges sowie ein wenig Würze dazu. Man merkt, dass auch Blaufränkisch mitspielt, dezent, aber doch. Es ist jetzt nicht mehr so die Frucht im Vordergrund, es wird fast ein wenig ‘rustikal’. Tannine kriechen hervor, es wird forscher und kräftiger. Man spürt plötzlich so etwas wie ‘Aufbegehren’ auf der Zunge, am Gaumen zieht auf einmal ein knochentrockener und sogar etwas staubiger Nebel vorbei. Jetzt wird es lustig mit Atanasius und man merkt wie er in seiner Rolle aufblüht. Jetzt ist er auf Betriebstemperatur. Die Essenz aber bleibt. Erdbeere mit heller Milchschokolade und ein Hauch von Wiesengras und grünen Kräutern. Frisch, fröhlich, unbekümmert, unbeschwert.

Resümee: Der Atanasius ist jedenfalls ein Wein zum Trinken. Einer den man einfach so verputzen kann, der wie von selbst verdunstet und von dem mit Freunden genossen eine Flasche viel zu wenig ist. Dank schlanker Struktur und läppisch geringem Alkohol ein idealer Rotwein auch für 40º im Schatten. Ob zum Grill oder einfach so, egal. Der Atanasius macht einfach Spass.

Tipp: 30 Minuten bis eine Stunde in die Karaffe mit dem Wein. 14-16º sind ideal. Zu Kalb, Geflügel oder Nudeln perfekt. Zur Wurst- und Bratenbrettljause purer Hochgenuss.

Einen Bericht über den Atanasius lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Atanasius rot 2010 vom Gut Oggau aus Oggau am Neusiedlersee im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Bio Wein Online Ramsau/Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Bio Wein Online, Verkostet

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