‘Bric Trifüla’ 2010 Dolcetto d´Asti

| 24. April 2014 | 0 Kommentare ...alles

Subtile Rasse & grandioser Trinkfluss.

Dolcetto zum Verlieben. Hinterlässt so gut wie keine Spuren und sorgt dafür, dass man augenblicklich das nächste Maul voll davon haben will.

Winzer/Weingut: Cascina Luisin, Barbaresco, Piemont, Italien.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergelböden aus der Umgebung von Barbaresco.

Dolcetto Brico Trifüla Flasche/Etikett: Auf der dunkelbraunen Flasche, auf welcher am Flaschenhals ALBEISA aufgeprägt ist, klebt ein leicht angegilbtes Etikett. Albeisa heisst die spezielle Flaschenform die aus dem 18. Jahrhundert stammt und Bezug auf die Gegend Alba nimmt. In diese Flaschen dürfen nur Weine von den Langhe- und Roero-Hügeln mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung abgefüllt werden. DOLCETTO D´ALBA ist in Grossbuchstaben und in schwarz im oberen Teil aufgedruckt. Über und unter der Rebsorte und der Herkunftsbezeichnung steht in geschwungener goldgeprägter Schrift Bric Trifüla, der Name des Weins und Cascina Luisin, der Name der Azienda. Im unteren Teil zeigt sich ein auf einem sanften Hügel liegendes Dorf in Form einer in grau gehalten Strichzeichnung. Ein Rückenetikett fehlt und somit gibt es nichts was man mehr über diesen Wein erfahren könnte. Bevor der Bric Trifüla angetrunken wird, kommt er für eine Stunde in die Karaffe um sich mit der Umgebungsluft anzufreunden.

Im Glas: In dunklem karminrot präsentiert sich der Bric Trifüla mit einem fast schwarzen Rand im Glas.

In der Nase:Ebensolche schwarze Kirschen duften einem kraftvoll entgegen, tiefbraune Erde steht Spalier daneben. Es riecht nach Wald und roten Beeren, sehr saftig, keinesfalls laut. Süssholz, ein Hauch von Zimt? und Mandelstaub drehen fröhlich ihre Kreise im Becher. Etwas braune Gewürze strömen die Nasenflügel hoch, letztlich wird aber alles von diesen dunklen Kirsch- und Beerenfrüchten getragen. Es ist ein ‘saftig-süffiger’ Duft der grosse Lust auf den ersten Schluck macht. Insgesamt kann man ihn als ‘erdig-waldbeerig’ bezeichnen. Frisch und animierend.

Im Mund: Unheimlich leicht kommt der Bric Trifüla auf die Zunge. Feingliedrig breitet er sich auf ihr aus, ist trocken wie Löschpapier und wunderbar herzhaft in der Aromatik. Am hinteren Ende des Gaumens wirkt der Dolcetto fast sauer, ist er aber nicht. Es ist das Zusammenspiel von kleinen schwarzen Beeren mit einer frischen Säureader, die dem Tropfen eine gewisse ‘Übermütigkeit’ verleiht. Mit dieser agilen Säure, in Kombination mit der totalen Trockenheit und den wunderbar feinen Gerbstoffen die sich dazwischen schleichen, trinkt sich der Brico Trifüla viel zu schnell weg. Fast schon furchterregend wie rasch der Wein im Mund verdunstet. Von den Tanninen tropft förmllich Fruchtsaft ab, ohne dass der Wein deshalb eine Fruchtbombe wird. Vielmehr macht genau dieses Spiel auf der Zunge den Dolcetto so saftig, so süffig und so frisch. Läppische 12,5%vol. tragen das Ihre dazu bei, dass dieser Wein so enorm trinkfreudig ist.

Neunzig Minuten an der Luft haben den Brico Trifüla noch frischer, noch feiner werden lassen. Man spürt physisch wie schlank der Wein im Mund ist, wie leicht er sich auf der Zunge bewegt und an ihren Rändern abfliesst. Keine Spur von Fülle oder Körperreichtum, das ist Wein zum Verputzen. Man schmeckt etwas Mandeliges und kaum hat man die Geschmacksnoten identifiziert, löst sich der Tropfen in einer furztrockenen Gerbstoffwolke auf. Hinterlässt so gut wie keine Spuren und sorgt dafür, dass man augenblicklich das nächste Maul voll davon haben will. Braune Erde spürt man, etwas Waldboden, etwas Unterholz und dann ist da wieder diese saftige, fast süsslich wirkende Fruchtnote. Der Wein hat Pfeffer im Hintern und begeistert mit einer subtilen Rassigkeit die er im Mund freisetzt.

Resümee: Das Gefährliche am Bric Trifüla ist jedoch, ganz ohne Zweifel, sein enormer Trinkfluss. So rasch wie dieser Wein im Mund verdunstet und so gerne man den Mund damit voll nimmt um die Salami und den Braten flüssig zu begleiten, so schnell ist eine Flasche leer und man hat so gut wie nichts davon bemerkt. Nur der Gaumen freut sich am Ende über einen ultrafeinen Film von Gerbstoffen, welche wie von selbst auf die Zunge abrieseln und dort ganz kurz für ein leicht säurebetontes Pelzmäntelchen sorgen. Um sich so plötzlich aufzulösen wie sie gekommen sind. Nachfüllen ist angesagt. So trocken, so frisch und so animierend wie der Bric Trifüla daherkommt ist es schwer, diesem pfefferwürzigfruchtigen Topfen nicht zu verfallen. Der Wein hat Leben in sich, er hat Rasse und er präsentiert sich mit absolutem ‘Idealgewicht’ (12,5%vol.) auf der Zunge, am Gaumen, im gesamten Mundraum. Im Abgang zeigt er noch einmal mit einer kühlen Aromatik von roter Frucht auf, bevor er sich so saftig-würzig wie auch erdig-trocken ins Nirwana verabschiedet. Dolcetto zum zum Verlieben, Dolcetto zum Vernichten. Ich schneide mir jetzt noch ein paar ‘Scheiben’ vom kalten Braten ab weil dieser Piemonteser einfach danach schreit. Man will ja nicht dran schuld sein, dass auch nur ein einziger Tropfen davon übrig bleibt.

Tipp: 60 Minuten sind ideal für diesen Wein. Nicht zu warm geniessen (am besten bei 14-16º). Macht grossen Spass zu Wurst, zu Braten, zu deftiger Pastaküche, zu fetthaltigen wie auch kräftig-rustikalen Speisen. Hat sogar das Zeug als Solist für mächtig Spass zu sorgen.

Einen Bericht über den Bric Trifüla lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Dolcetto d´Alba Bruc Trifüla 2010 von der Azienda Cascina Luisin in Barbaresco im Piemont, Italien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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