Moulin à Vent 2015

| 18. Februar 2017 | 0 Kommentare ...alles

Schlicht und einfach überwältigend

Das ist allerfeinstes, hochgradigst geniales Beaujolaiskino! Das ist Gaumenzirkus in Perfektion.

Winzer/Weingut: Richard Rottiers, Romanèche Thorins, Beaujolais, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Feuersteinböden und aus biologischem Anbau.

Moulin à Vent 2015 Allgemeines: Beaujolais is back! Und wie! Lange waren die Weine weg vom Markt, in der Versenkung verschwunden. Zuviel Mist wurde produziert und zuviel Kult betrieben. Seit ein paar Jahren aber ist Gamay wieder auf dem Vormarsch. Und zwar in rasantem Tempo und mit wirklich teils herausragenden Qualitäten. Einer, der wirklich anständigen, nicht weichgespülten oder uniformen Beaujolais herstellt, ist Richard Rottiers von der gleichnamigen Domaine in Romanèche Thorins. Richard ist ein traditionell arbeitender Handwerker der seine Weinberge gerade auf biologischen Anbau umstellt und dessen Weine sogar von Jancis Robinson in den höchsten Tönen besungen werden. Einen seiner Weine, den Moulin à Vent 2015 habe ich heute zur Verkostung am Tisch der Wahrheit stehen. Ein sortenreiner Gamay, der sich, bevor er zeigen darf wie gut er wirklich ist, sich für eine Stunde in der Karaffe mit Sauerstoff anreichern darf. Danach kommt er in den grossen Burgunderbecher um sich in seinem schönsten Kleid zu präsentieren.

Im Glas: Dunkelstes Violett, fast schon schwarz, leuchtet aus dem Kelch.

In der Nase: Ein echter Hammer ist der Duft des Moulin à Vent. Fein, elegant, rauchig, nach roten Beeren und dunkelschwarzen reifen Kirschen riecht es. Enorme Mineralik dampft über allem, Jod macht sich bemerkbar, zarte Blütentöne heben ihre Hand. Betörend steigt der Duft die Nase hoch, verführt und fühlt sich dabei klar und frisch an. Steinig-fruchtig-würzig könnte man dieses Naturschauspiel bezeichnen, das einem fast die Sinne raubt.

Im Mund: Was für ein Auftritt! Man wird praktisch überrollt von einer Lawine an kühler Mineralität, an dunkler feiner Würze und an zupackender und doch sehr klaren Textur. Das ist Haptik pur die man die ersten zwei Sekunden abbekommt, man spürt nur und vergisst komplett sich auch aufs Schmecken zu besinnen. Zu überwältigend ist dieser erste Eindruck. Danach erst fällt einem die schwarze Kirsche die den Moulin à Vent befeuert auf. Gerbstoff schiesst einem ein, seidig, frisch, kühl, fein geschliffen steht der Tropfen hinter den Lippen, am Gaumen legt sich eine elegante Würze an und der Abgang ist so filigran wie grandios. Was ist das für ein Zauberstoff! Wie herrlich fühlt sich das im Mund an! Wie leicht und filigran kann soviel Kraft sein?

Ich behaupte bereits an dieser Stelle: die Leute haben keine Ahnung WIE GRANDIOS gut gemachter Beaujolais sein kann. Der Moulin à Vent ist bestes Burgunderkino. Er ist fein, grazil, transparent, leicht und locker und doch ungemein packend. Seine Säureader lässt ihn vor Leben beben, die Frucht taucht im Zehn-Minuten-Takt immer mehr an die Oberfläche auf, die Mineralik wird immer klarer und auch steiniger, der Gesamteindruck immer betörender. Geschmacksfasching in der Futterzentrale! Veilchen haben sich durchgegraben, das Tanningerüst bietet jedem Seidenschal gekonnt die Stirn. Das ist der kühlste und eleganteste Gamay den ich seit Jahren getrunken habe. Die geniale Kombination von Würze, Mineralität, subtiler Frucht und rassig frischer wie auch kühler Lebendigkeit hätte Miraculix nicht besser hinbekommen.

Es ist einfach unfassbar was dieser Wein ablässt. Faszinierend seine subtile Jodnote die ganz weit hinten ihr Spiel treibt, vereinnahmend das Mundgefühl, berauschend und endgültig süchtig machend der Abgang und der Nachhall. Der Moulin à Vent packt zu, ist aber doch grazil in seinem Wesen, fühlt sich leicht im Mund an, trotz seiner Konzentration. Das hat nichts mit Beaujolais Nouveau zu tun (der soviel in diesem Markt versaut hat). Das ist allerfeinstes, hochgradigst geniales Beaujolaiskino!

Resümee: Das ist Gaumenzirkus in Perfektion. Sie trinken gerne Pinot Noir? Dann tauschen Sie die Erdbeer- und Himbeeraromen gegen Veilchen und Kirschen und Sie haben das perfekte Gegenstück gefunden. Zu einem Bruchteil jener Kosten, die Sie für grosse Burgunderweine investieren dürfen. Gamay heisst die Zukunft, und mit dem Moulin à Vent von Richard Rottiers hat sie bereits begonnen.

Tipp: Geben Sie dem Wein ein bis zwei Stunden in der Karaffe und trinken Sie ihn mit kühlen 14-16º aus dem Burgunderglas. Ratatouille bietet sich an, aber auch Geflügel und rustikale Pastagerichte. Oder geniessen Sie ihn einfach solo.

Einen Bericht über den Moulin à Vent lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Moulin à Vent 2015 von der Domaine Richard Rottiers aus Romanèche Thorins, Beaujolais, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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