Lieblingsstück 2013

| 16. Februar 2017 | 0 Kommentare ...alles

Meister der Verwandlung

Kein Mainstream, das ist Silvaner für Leute die auch mal etwas warten können, bis sie dem Objekt ihrer Begierde näher kommen dürfen.

Winzer/Weingut: Richard Östreicher, Sommerach, Franken, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Sommeracher Katzenkopf, auf welcher die Rebstöcke auf sandigen Muschelkalk-Böden stehen.

Lieblingsstueck Allgemeines: Nicht umsonst heisst der Silvaner, der heute von Richard Östreicher aus Sommerach in Franken am Tisch der Wahrheit steht, Lieblingsstück. Stammt dieser doch von seiner liebsten Parzelle der Lage Sommeracher Katzenkopf, auf welcher die Rebstöcke auf sandigen Muschelkalk-Böden stehen. Handlese ist selbstverständlich am Weingut Richard Östreicher, lange Maischestandzeiten ebenso. Seinen Silvaner Lieblingsstück 2013 hat er im gebrauchten Barrique spontan vergoren und danach noch 6 Monate reifen lassen. Im Anschluss hat er den Wein ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Der Eichelmann Weinguide sagt von Richard Östreicher, dass er zu den besten Winzern Deutschlands gehört. Wie weit das zutrifft, davon will ich mich die nächsten Stunden selbst überzeugen und gönne dem Lieblingsstück erst einmal eine Stunde in der Karaffe. Denn auch das sagt man den Weinen Richard Östreichers nach, dass sie immer etwas Zeit und Luft benötigen um richtig aus “sich raus” zu gehen.

Im Glas: Strohgelb leuchtet der/das Lieblingsstück aus dem grossen Becher heraus. Zarte grüne Reflexe sind zu sehen.

In der Nase: Ungewöhnlich ist der Duft der in die Nase strömt. Erde steht im Vordergrund, dahinter nimmt man eine zarte Note Honig wahr. Frucht sucht man vergeblich und das Gefühl das sich die Nasenflügel hoch zieht ist ein weiches, rundes, äusserst angenehmes. Es hat Fülle und lässt die wahrnehmbare Erde richtig fein erscheinen. Etwas Lindenblüte zieht vorbei und erinnert an ungesüssten Kräutertee.

Im Mund: Mineralik pur schiesst einem auf der Stelle ein, sowie sich der/das Lieblingsstück der Zunge angenommen hat. So weich der Tropfen auch in der Mitte steht, sol salzig, straff und zitrusbetont zieht er über ihre Ränder ab. Es ist rund im Mund, solange der Wein sich in der Zungenmitte aufhält, doch kaum legt er sich darauf ab wird alles richtig knackig. Dann dreht die Säure schwer am Rad, gibt Gas und bringt enormen Drive zwischen die Kiemen. Am Gaumen selbst bleibt alles soweit ruhig und fühlt sich wie ein Schmustiger an. Weich, füllig, anschmiegsam. Im Abgang erst merkt man auch da wie alles von der markanten Mineralik dominiert wird, und auch im Nachhall ist sie nicht mehr zu vertreiben.

Was mich persönlich staunen lässt ist diese Kombination von weicher Fülle und dem rassig kernigen Säuregerüst. Denkt man in der Sekunde wenn der Wein die Lippen und die Zunge berührt einen wunderbar weichen Tropfen aufzunehmen, so kracht man zwei Sekunden später mit einer phänomenalen Säureader zusammen. Weich UND knackig? Wie geht das? Rund UND straff? Keine Ahnung. Und es wird immer kerniger je länger sich der/das Lieblingsstück im grossen Becher an der Luft befindet. Immer stärker kommt der Muschelkalk durch, immer eindrucksvoller schmeckt man Salz und grüne Kräuternoten. Der Wein baut Haftung auf am Gaumen, wird trockener und entpuppt sich langsam aber sicher immer mehr als Meister der Verwandlung. Zwei Stunden an der Luft und der Silvaner singt sein schönstes Lied.

So rund und füllig der/das Lieblingsstück sich ganz am Anfang angefühlt hat, so fein und klar ist er geworden. Er hat tatsächlich “abgenommen”, an Gewicht verloren und steht jetzt in seiner herrlich erdig-herben wie auch griffigen Charakteristik sowohl auf der Zunge wie am Gaumen. Elegant ist er geworden, klar gezeichnet und vor allem frisch und auch lebendig.

Resümee: Das ist kein Silvaner den man rasch einmal verputzt. Der hier fordert Geduld, Gehör und Muße. Da ist nichts mit Mainstream, das ist Silvaner für Leute, die gerne auch mal etwas warten können bis sie dem Objekt ihrer Begierde näher kommen dürfen. Dafür werden diese aber dann mit einem aussergewöhnlichen Weinerlebnis belohnt.

Tipp: Ein bis zwei Stunden in die Karaffe damit. Mit 8-10º aus dem Burgunderglas geniessen. Zu Wiener Schnitzel, Königberger Klopse und zum Kalbsfilet. Oder einfach ohne alles. Weil er auch das ganz locker kann.

Einen Bericht über den Amigne lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

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Wein: Silvaner Lieblingsstück 2013
Winzer: Richard Östreicher
Rebsorte(n): Silvaner
Anbaugebiet: Franken
Anbau: Nachhaltige Bewirtschaftung
Ausbau: Großes Holzfass, Stahltank
Empfehlung: Serviertemperatur 8-10°C, großes Glas
Verschluss: Schraubverschluss

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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