Leithaberg Weiss DAC 2010

| 2. März 2017 | 0 Kommentare ...alles

Charmeur mit Profil

Ein ungewöhnlicher Wein der sich an der Luft so richtig austobt. Ganz spannend weil doch saftig, ungewöhnlich anders weil so anders würzig.

Winzer/Weingut: Die Winzerei, Grosshöflein/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Vom oberen Teil der Ried Obere Satz in Schützen am Gebirge sowie von einer kalkhaltigen Lage am Fölligberg.

Leithaberg 2010 Allgemeines: Ist schon einige Zeit her, dass ich Weine von Harald Pairits und Werner Ringhofer vom Weingut Die Winzerei aus Grosshöflein im Burgenland verkostet habe. Heute aber steht wieder ein Protagonist der beiden am Tisch der Wahrheit. Und zwar einer, den sie sehr lange zurückgehalten haben weil er gar so unzugänglich war und jetzt gerade am Beginn seiner Trinkreife steht; der Leithaberg weiss DAC 2010. Eine Cuvée aus Chardonnay, Neuburger und Weissburgunder, ausgebaut im grossen 500 Liter Holzfass. Die Trauben für den Wein stammen vom oberen Teil der Ried Obere Satz in Schützen am Gebirge sowie von einer kalkhaltigen Lage am Fölligberg. Damit sich der gute Tropfen auf seinen Auftritt hier auch entsprechend vorbereiten kann, wird er für eine Stunde in die grosse Karaffe umgefüllt wo er sich mit reichlich Sauerstoff anreichern kann. Das Burgunderglas scheint mir für den Wein die beste Wahl zu sein. Mal schauen was der Leithaberg davon hält und er sich präsentieren wird.

Im Glas: In hellem strohgelb dreht der Leithaberg im Becher seine Runden.

In der Nase: Der Duft sehr ungewöhnlich, herb in der Nase, Kumquat, Quitte, weisse und gelbe Strauchblüten, sehr aromatisch und ungewöhnlich facettenreich. Kräutertee kommt einem in den Sinn. Man kommt gar nicht nach mit dem Sortieren von Aromen. Am ehesten erinnert alles an eine in voller Blüte stehenden Wiese die frisch und fröhlich vor sich hindampft. Etwas Honig steht noch drunter und steuert eine gewisse Geschmeidigkeit bei.

Im Mund: Wie ein Faserschmeichler bewegt sich der Leithaberg über die Zunge. Weich ist er, fein und anschmiegsam. Etwas Butter, etwas Honig, eine Prise Salz und wieder weisse Blütenblätter nimmt man vordergründig wahr. Erst danach fällt einem das straffe Säurekleid auf, die angenehme warme gelbe Würze und die Frische die in diesem Tropfen ist. Ein Stück Orange macht sich bemerkbar, am Gaumen haftet der Tropfen fein und fühlt sich dabei dezent rauchig an was sich bis in den Abgang fortsetzt. Der Nachhall weissblütig, eher herb und ausgesprochen saftig. Ein ungewöhnlicher Wein der sich an der Luft so richtig austobt.

Was sich immer stärker durcharbeitet ist der feine Geschmack des Honigs in Verbindung mit der Quitte. Da ist keine Süsse zu schmecken, es ist eher herb, ganz zart, es ist fein würzig, schmeckt gelb und der ebenso feine Rauch am Gaumen sorgt für eine wohlige Wärme im Mund. Für den Kick sorgt letztlich eine subtile Salzspur an den Zungenrändern, sie bringt Leben rein in diesen weichen, sanften Körper. Obwohl von Frucht so gut wie nichts zu schmecken ist spürt man am Ende einen Schuss Orange und auch Quitte, die man aber ihres natürlichen Fruchtzuckers beraubt und sie auf ihre Herbheit reduziert hat. Ganz spannend weil doch saftig, ungewöhnlich anders weil so anders würzig. Das grosse Glas die ideale Wahl. Leithaberg so gar nicht von der Stange.

Je länger sich der Leithaberg mit Luft anreichert umso floraler wird er. Als würde man in einem dichten Gebüsch mit unzähligen weissen und gelben Blütenblättern sitzen. Man kann ihn förmlich atmen den Geschmack von Sanddorn, Flieder und anderen Gewächsen. Alles zärtlich untermalt von feinen hellen Honignoten.

Resümee: Ich mag den Tropfen weil er ein charmanter Schmeichler ist, der aber trotzdem nicht vergisst Charakter zu zeigen. Und weil er sich im Glas ständig weiterentwickelt und immer vielschichtiger, vor allem aber immer feiner wird. Für den wirklich kleinen Preis steht hier ganz schön viel Wein im Glas. Respekt.

Tipp: Ein bis zwei Stunden in der Karaffe sollte man ihm gönnen. Mit 10-12º aus dem Burgunderglas trinken. Passt zu Fischgerichten, zum Kalb und auch zu Geflügel mit hellen Saucen. Pur genossen ein charmanter Zeitvertreib.

Einen Bericht über den Leithaberg weiss lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

leithaberg_2010
Wein: Leithaberg Weiss DAC 2010
Winzer: Die Winzerei
Rebsorte(n): Chardonnay, Neuburger, Weißburgunder
Anbaugebiet: Neusiedlersee-Hügelland, Burgenland
Anbau: Nachhaltige Bewirtschaftung
Ausbau: 500l-Eichenfass
Empfehlung: Grosses Glas und etwas Luft
Verschluss: Schraubverschluss

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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