HEIDA ‘perle des vins alpins’ 2009

| 1. November 2011 ...alles

Vom höchsten Weinberg Europas.

Wenn zwei Frauen sich an Wein ‘ran machen’ kann dabei trotzdem ein Wein für richtige Männer heraus kommen. Diese beiden Damen zeigen eindrucksvoll wie das geht.

Winzer/Weingut: Madeleine Gay ‘Collection Chandra Kurt’, Wallis, Schweiz.

Lage/Herkunft: In Visperterminen auf bis zu 1150 Metern Höhe. Der höchst gelegene Weinberg Europas im schweizerischen Wallis.

Flasche/Etikett: Auf der stilvollen Sachsenkeule gleich einmal der dezente Hinweis ‘Limitierte Produktion’ am Etikett und somit klar gemacht, dass es sich um was Besonderes handelt.

Auch sonst ist das Etikett mehr als aussergewöhnlich. Wie eine offizielle Urkunde prangt ein hohes Stück auf alt getrimmtes Papier auf der Flasche. Passend zur braunen Flasche ein farblich perfekt abgestimmtes Etikett. In Grossbuchstaben HEIDA oben, wie ‘gestempelt’ und ebenso das offizielle Herkunftssiegel mit Jahrgang und Lage.

Ein Foto von der Arbeit im Weinberg und die Geschichte über diesen Wein in Kurzform aufgedruckt. Ein Etikett das Leben versprüht.

Im Glas: Nach einer guten Stunde in der Karaffe wurde der HEIDA dann ins Glas ‘verfrachtet’. Dort schimmert es grünlich-gelb und die Konsistenz des Weins wirkt dicht und satt. Man kann es sogar als etwas dickflüssig bezeichnen. Das Glas wird von dicken Kirchenfenstern benetzt die nur langsam wieder abfliessen. Hier bahnt sich etwas Aufregendes an.

In der Nase: Sehr verhalten ist das Bukett, ohne deswegen nicht trotzdem ausdrucksstark zu sein. Man muss nicht brüllen um sich bemerkbar zu machen. Die Nase vernimmt eine feine Würze und auch eine gewisse Mineralität zeigt sich von ihrer angenehmsten Seite. Insgesamt riecht der HEIDA sehr dicht und ausserordentlich ‘weich’. Voll, fest und üppig.

Hatte man aufgrund seiner ‘hohen Herkunft’ doch auf ein wenig Kühle und Frische in der Nase getippt, so ist davon nichts zu merken. Im Gegenteil, der Wein strahlt eine erstaunliche Wärme aus und lässt auch keinerlei Hinweis auf eine eventuell vorhandene Säure zu. Ein sehr verhaltener und geheimnisvolles Duft der Rätsel aufgibt.

Im Mund: Am Gaumen dann das genaue Gegenteil. Plötzlich spürt man Rasse aufblitzen welche sich frisch und kühl im Mund ausdehnt und auf der Zunge festsetzt. Sehr voll und kompakt gleitet der HEIDA über den Gaumen und beschert diesem einen leicht bitteren Abgang. Nur ganz kurz, um sofort von einer beeindruckenden Mischung aus Gewürzen und Gestein überlagert zu werden. Dazwischen schmeckt man Nektarinen und Melonen.

Von der Konsistenz her fast wie eine Spätlese, besticht der Wein aber mit einer faszinierend animierenden und süffigen Trockenheit. Was an Frische und Kühle in der Nase gut versteckt ist, macht sich im Mund sehr elegant bemerkbar und schenkt einem ein fantastisches Trinkerlebnis.

Hochalpiner Weingenuss

Wer darauf wartet Säure zu entdecken, der lernt diese bestenfalls von ihrer sparsamen Seite kennen. Es scheint fast als würde sie sich nur sehr vorsichtig zeigen wollen um die generell beeindruckenden Geschmacksempfindungen nicht allzu sehr zu ‘stören’. Die ganze Aromatik wird von einer leichten und sehr angenehmen Rauchigkeit begleitet, welche dem HEIDA eine sehr elegante, ja mondäne Note verleiht.

Der Wein ist jedoch, gerade auch wegen seines umwerfenden Trinkflusses, nicht zu unterschätzen. Die 14% merkt man aufgrund seiner Komplexität auf den ersten Eindruck überhaupt nicht, sie ‘hängen’ sich aber trotzdem schwer rein und lassen keinen Zweifel daran, dass hier Kraft im Glas ist. So trocken der Tropfen die Kehle runter gleitet, so ölig ist er gleichzeitig und vermittelt einem das Gefühl, ein etwas ‘späteres’ Gewächs im Glas und im Mund zu haben. Der HEIDA schrammt nur knapp am Spätlese-Status vorbei und verzaubert einen mit aufregender Eigenständigkeit.

Resümee: Nachdem ich in dieser Runde bereits zwei Weine ‘abseits des Mainstreams’ kennen gelernt habe, ist der HEIDA der krönende Abschluss dieser ‘Outlaws’. Was für mich selbst gleichzeitig soviel bedeutet, dass bereits nach diesen ersten drei Weinen mein persönliches Geschmacksbild völlig auf den Kopf gestellt ist. Im positivsten aller Sinne, wohl bemerkt. Das was ich in dieser Runde verkostet habe, ist anders als alles andere was ich jemals getrunken habe. Und um mindestens 100 Punkte besser, als irgendwelche ‘Götter’ jemals in der Lage zu vergeben sind.

25 Euro sind nicht gerade Kleingeld das man für diesen ‘Gebirgswein´berappen darf. Andererseits bekommt man dafür aber soviel ‘hochalpinen’ Genuss geboten, der einen keinen Cent bereuen lässt. Wie schon im 1956 produzierten Hollywood-Schinken ‘Giganten’, gibt einem dieser Wein das Gefühl, auf Öl gestossen zu sein. Dabei muss man nur in der Schweiz ein paar Höhenmeter überwinden um dieses ‘flüssige Gold’ zu finden, nachdem man nicht einmal bohren muss.

Tipp: 10-12ºC sind ideal. Unbedingt karaffieren. 40-50 Minuten sind empfehlenswert und tun dem Wein nur Gutes.

Einen ausführlichen Bericht über den HEIDA lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein HEIDA ‘perle des vins alpins’ 2009 von Madeleine Gays ‘Collection Chandra Kurt’ aus Visperterminen im Wallins in der Schweiz. Mehr über Chandra Kurt erfahren Sie auch hier.

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Kategorie: Chandra Kurt, Verkostet

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