Château Le Puy “Émilien” 2015

| 15. März 2018 | 0 Kommentare ...alles

Tänzerisch wie Muhammad Ali

Keine Sekunde wirkt der Tropfen schwer, vielmehr tänzelt er mit seiner frischen Säureader wie einst Muhammad Ali im Ring.

Winzer/Weingut: Château Le Puy, Saint Cibard, Bordeaux, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von durchschnittlich 50 Jahre alten Reben die auf Kalkböden stehen.

Château Le Puy “Émilien” 2015 Allgemeines: Bordeaux, und so … heisst es heute. Von dort wo auch Saint-Emilion und Pomerol liegen, kommt der Wein der jetzt und hier am Tisch der Wahrheit steht. Und zwar vom Château Le Puy aus Saint Cibard. Seit 1610 wird dieses Traditionsweingut jeweils von den Vätern an die Söhne übergeben, heute führt Jean-Pierre Amoreau das Weingut und was er unter einem Grand Vin de Bordeaux versteht, zeigt er mit dem Château Le Puy “Émilien” 2015. Als biodynamischer Betrieb (seit 2016 ECOCERT) verzichtet man auf jegliche Chemie und sonstigen Hilfsmittelchen. Was die Weine des Château Le Puy auszeichnet ist deren Finesse, die Vermeidung von Überextraktion und Überholzung. Sie sind keine Alkoholbomben und unterscheiden somit von zahlreichen anderen Bordelaisern. Ich habe heute das Vergnügen einen dieser Weine, den bereits erwähnten Château Le Puy “Émilien” zu verkosten, doch bevor der Spass beginnt, kommt der gute Tropfen für zwei Stunden in die Karaffe um dort reichlich Luft zu schnappen.

Im Glas: In tiefdunklem granatrot leuchtet der Émilien aus dem Glas heraus.

In der Nase: Aromen von reifen schwarzen Brombeeren und Johannisbeeren werden von feinen Holz- und Röstnoten umweht. Dunkle Schokolade zeigt sich, es fühlt sich fleischig in der Nase an und irgendwo weit hinten zieht auch rohes Fleisch durch die Gegend. Ein Duft der kraftvoll, aber alles andere als schwer ist. Dicht, komplex und saftig riecht es, die Johannisbeeren haben mit den feinen Holzaromen augenblicklich das Kommando übernommen. Die Neugier auf den ersten Schluck ist gross.

Im Mund: Saftig strömt der Émilien mit reifer Frucht auf die Zunge. Dicke Johannisbeeren in Begleitung feinster Gewürze streichen sie lustvoll ein, graben sich förmlich in jede freie Ritze. Am Gaumen haftet sich ein herrlich feiner Nebel fest, man spürt und schmeckt den Kalk von dessen Boden dieser Tropfen stammt. Aus Kaschmir das Tanninkleid das der Émilien trägt, das Futter wie aus kühler Seide. Man überlegt wovon man mehr spürt bzw. schmeckt; von Frucht oder von Mineralität. Am Ende stellt man fest, dass beide ungemein harmonisch miteinander umgehen und so für ein erhabenes wie edles Mundgefühl sorgen. Am Schluss ein Stich Cassis und dann geht´s ab in einen ausgesprochen frischen Abgang. Traumhaft.

Je länger der Émilien in der Karaffe seine Runden dreht, umso saftiger wird er, aber auch umso “frecher”. Die Johannisbeeren haben eindeutig das Kommando übernommen, necken die Zungenspitze mit ihrem Saft, fast meint man einen Tick Sauerkirsche wahrzunehmen. Es scheint als würde alles filigraner, leichter werden, sich auf wundersame Weise von jeglichem Ballast befreien. Der Tropfen transformiert sich immer mehr in einen Wein mit sehr subtiler Rassigkeit, zu einem Elixier das zwar extraktreich, aber doch sehr fein und elegant ist. Man kaut sich quasi durch den Beerentopf und freut sich über ein grandioses Frucht- und Säurespiel. Bordeaux phänomenal frisch, es geht!

Was positiv überrascht ist die enorme Zugänglichkeit. Zwar braucht der Émilien noch reichlich Luft, doch hat er erstmal richtig “durchgeatmet” legt er los und verzaubert mit seinem eleganten Fruchtspiel, mit seinem aristokratisch wirkenden Tannin, das weich und cremig in seinen dichten und trotzdem feinen Körper eingebunden ist. Vorne haben die schwarzen Beeren ihren grossen Auftritt, für die Begleitmusik sorgt die Mineralik feinsten Kalks. Keine Sekunde wirkt der Tropfen schwer, vielmehr tänzelt er mit seiner frischen Säureader wie einst Muhammad Ali im Ring, in diesem Falle auf der Zunge auf und ab.

Resümee: Bordeaux kann richtig schön sein und dazu auch noch erschwinglich. Der Émilien mit seiner Rasse, seiner Eleganz und kühlen Frische gehört definitiv dazu. Ein Juwel das manchen “Star” verblassen lässt.

Tipp: Zwei bis drei Stunden Karaffe sind empfehlenswert. Mit kühlen 16º getrunken ein äusserst lebendiger Wein. Zum Chateaubriand der absolute Überflieger, als Solist ein ausgesprochen nobler Tropfen.

Einen Bericht über den Émilien lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Château Le Puy “Émilien” 2015 von Château Le Puy aus Saint Cibard, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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