Waldacker 2013

| 10. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Best of Neuburger

Der frischeste Neuburger den ich in den letzten Jahren getrunken habe. Kaufen, bunkern und über die nächsten zehn Jahre vernichten.

Winzer/Weingut: Günther Schönberger, Mörbisch, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von 36 Jahre alten Reben auf tiefgründigen Lehmböden der Lage Waldacker.

Waldacker Neuburger Allgemeines: Von 1978–1996 stand Günther Schönberger mit der österreichischen Kultband EAV auf der Bühne und trällerte den einen oder anderen unvergessenen Hit ins Mikrofon. Heute bewirtschaftet er mit seiner Familie 25 ha Weingärten in Mörbisch, Rust und Oggau am Neusiedlersee. Ohne Klamauk, dafür nach biologisch-dynamischen Richtlinien. Demeter-Zertifizierung inklusive. Von seinem mehr als umfangreichen Sortiment habe ich heute seinen Neuburger Waldacker 2013 von gleichnamiger Lage im Neusiedlersee-Hügelland am Tisch der Wahrheit stehen. Spontanvergoren ist der Wein, 22 Monate wurde er in gebrauchten Barriques ausgebaut bevor er ungeschönt und unfiltriert abgefüllt wurde. Und vegan ist er obendrein auch noch. Ich werde den Waldacker jetzt von seiner Kapsel befreien und mich seinen Talenten widmen. Vorher kommt er aber noch für eine halbe Stunde in die Karaffe, wo er sich nebst Sauerstoffaufnahme auch auf die von Günther Schönberg empfohlene Trinktemperatur einpendeln kann.

Im Glas: In sattem dunkelbirnengelb dreht der Waldacker seine Kreise im Glas.

In der Nase: Äusserst verhalten ist der Duft. Sehr leise, unaufdringlich und mild. Von grünen Kräutern umwehte Mandeln riecht man, etwas Salz und trockene Erde. Dazu ein Stück frisch aufgeschnittene Birne und das war’s dann auch schon wieder. Mal schauen was in einer Stunde in den Nasenflügeln los ist. Auf jeden Fall ist dieser Duft ein schüchterner, der sicher noch ein wenig auftauen wird.

Im Mund: Typisch Neuburger, denkt man und doch hat er was, das nicht typisch ist; nämlich überraschend salzige Frische. Fast ölig bahnt er sich den Weg durch die Zungenmitte, ist butterweich – was auch dem oftmaligen Aufrühren geschuldet ist – und fühlt sich trotzdem frisch und agil an. Man schmeckt reife Birne, etwas dunklen Pfirsich und atmet gleichzeitig diese typischen Neuburger-Aromen von Mandeln und Haselnüssen ein. Klar erkennbar ziehen sie über den Gaumen, ebenso klar stehen sie auf der Zunge. Und obwohl Neuburger nicht gerade dafür berühmt ist mit Säure zu glänzen, treibt im Waldacker doch eine äusserst frische ihr fröhliches Spiel. In seinem ganzen Wesen erinnert der Waldacker an einen richtig erdigen, von der Nuss dominierten Weissburgunder. Der Nachhall weich, lang und herrlich nussig.

Wie erwartet öffnet sich der Waldacker mit der Zeit immer mehr in der Nase. Er wird frischer und aromatischer. Auf der Zunge steht er mit seiner cremigen Textur wie aufgerührter Honig, fühlt sich aber trotzdem zart stoffig an. Und immer wieder blitzt diese fröhliche Säuserader auf und haucht dem Tropfen so etwas wie Agilität ein. Am Gaumen selbst wird der Wein immer griffiger, immer nussiger und konzentrierter. Ein leiser Hauch von reifer Birne und ebensolchem Pfirsich weht über all dem, vermischt mit trockener, brauner Erde. Es ist ein tiefer Wein, dabei ein ungemein ruhiger und unprätentiöser. So wie er im Mund auftritt will man ihn am liebsten ganz lang schmecken und fühlen. Die Zunge badet in einem Meer von nussigen Burgunderaromen, der Gaumen sabbert jedem Tropfen den er kriegen kann entgegen, weil er dieses feuchte “Trocken” gar so mag.

Ich würde mich im Moment am liebsten rein setzen in den Saft. Die Nuss wird etwas grüner, die Aromen erwachen immer mehr, es wird immer griffiger im Mund. Es bleibt aber weich und cremig und dank der wirklich faszinierenden Säure herrscht eine Frische, die man von einem Neuburger niemals erwarten würde. Auch das feine Salz das sich an der Zunge anlegt trägt seinen Teil dazu bei. Und doch bleibt alles erdig, nussig und – wider Erwarten – auch relativ kühl im Mund.

Resümee: Das ist der frischeste Neuburger den ich in den letzten Jahren getrunken habe. Das ist Wein zum Meditieren, womit man auch gleich auf der Stelle beginnen will. Ich will ihn gar nicht mehr schlucken, ich will ihn nur mehr schmecken und spüren. Solange bis er sich von alleine im Mund auflöst. 12,5 %vol. hat der Waldacker, was ihn am Ende noch sympathischer macht als er ohnehin schon ist. Ab sofort bin ich offizieller Neuburger-Fan. Und was für einer. Ist das Zeug gut! Kaufen, bunkern und über die nächsten zehn Jahre vernichten. Oder fünf. Oder wie Sie wollen.

Tipp: Ein bis zwei Stunden in der Karaffe atmen lassen. Mit 12-14º geniessen. Zu knackigen Gemüsekreationen, zu Süsswasserfisch und auch zum Backhendl ausgezeichnet. Als Solist ein Entschleuniger der grossen Trinkspass macht.

Einen Bericht über den Waldacker lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Neuburger Waldacker 2013 vom Weingut Schönberger aus Mörbisch am Neusiedlersee im Burgenland. Österreich. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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