‘Viognier’ 2010 Les Yeuses

| 30. Mai 2012 | 0 Kommentare ...alles

Gegensätze ziehen sich an.

Unterschiedlicher und entgegengesetzter können Geruch und Geschmack nicht sein. Ein Wein der staunen lässt und immer neugieriger macht.

Winzer/Weingut: Jean-Paul et Michel Dardé, Domaine Les Yeuses, Mèze/Languedoc, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus der Bucht von Mèze, gegenüber von Sète am Bassin de Thau im zentralen Languedoc, Frankreich.

Flasche/Etikett: Wie schon die beiden oben genannten Weine, ziert auch die Flasche des Viognier das an Apothekergläser erinnernde Etikett. In braunorange gehalten und der Name Viognier wieder in kunstvoller, geschwungener Schreibschrift aufgebracht. Mir persönlich gefällt dieses Design sehr gut, da es irgendwie nostalgisch aussieht und einen in der Zeit ein wenig zurück versetzt. Wenn da nicht der Hauch von Apotheke wäre. Andererseits, ist Wein nicht überhaupt die beste Medizin?

Im Glas: So unkompliziert wie der Wein sein soll, so einfach wird er aufgemacht und eingeschenkt. Hellgelb steht der Viognier im Glas, leicht grünlich blitzt und funkelt er und deutet auch Gehalt an.

In der Nase: In die Nase strömt ein Duft von exotischen Früchten, richtig intensiv und aromatisch. Man riecht Ananas, Mangos, prickelnd erfrischende Lychees und andere gelbe Früchte. Die aromatische Note dieses Buketts hat absoluten Suchtfaktor. Man kann nicht genug davon bekommen. Da geht was ab im Kelch und in der Nase und man will selbige immer tiefer ins Glas stecken. Ein Duft gekrönt mit einem Tick frecher Zitrusfrucht über all den saftigen Aromen.

Im Mund: Im Mund fühlt sich das was da gerade noch duftend aus dem Glas gesprungen ist komplett anders, völlig konträr zu dem was man gerochen hat an. Da ist nichts mehr von exotischer Frucht zu schmecken, keine überschwengliche Aktivität die man erwartet hätte. Es ist wie wenn Creme den Mundraum ausfüllt, samtig und weich. Fast vorsichtig gleitet der Viognier über die Zunge und man hat das Gefühl in einem Gewürzkorb gelandet zu sein. Wie schon erwähnt, der Wein hat fast keine Säure und genau das macht ihn so weich, aber auch saftig. Der Wein schmeckt definitiv anders als alles was man gewohnt ist. Es ist nicht einfach zu beschreiben welche Gewürze man vernimmt, am ehesten noch Kardamom, umhüllt von einem Hauch Zitrone. Phantastisches Mundgefühl, phantastisch anders. Viognier ist spannend und mit Sicherheit ein Wein, den man sowohl am Geruch wie auch am Geschmack immer wiederzuerkennen in der Lage ist. So füllig und rund wie dieser Wein den Gaumen streichelt könnte man ihn fast als ‘Schmusekater’ bezeichnen. Im Abgang zeigt er dann doch noch etwas Kraft und hinterlässt dabei eine ganz feine herbe Spur, die noch lange anhält.

Resümee: Es ist einfach unglaublich wie wenig hier Geruch und Geschmack zusammenpassen. Wie Tag und Nacht. Beide Wahrnehmungen für sich aber einzigartig, anders und aussergewöhnlich. Mit etwas Luft wird der Viognier noch weicher und runder und man will wie ferngesteuert immer mehr von beidem. ‘Nasentechnisch’ einfach eine Wucht und geschmacklich ein richtiges Erlebnis. Lassen Sie den Wein im Mund stehen, spielen sie mit ihm und spüren sie, wie sich das Gewürzspektrum auf der Zunge entfaltet und sich hauchzart über den Gaumen legt. So weich wie der Viognier im Mund ist möchten sie ihn am liebsten lutschen. Weinerlebnis der anderen Art. Aber bitte nicht zu warm servieren, dann machen sich seine 13% bemerkbar. Dass dieser ungewöhnliche Tropfen noch dazu um knappe 7 Euro zu erstehen ist macht ihn umso interessanter. Versuchen Sie mal etwas völlig anderes und überraschen sie nicht nur sich, sondern auch ihre Gäste mit etwas wirklich Neuem.

Tipp: Kühlen Sie den Wein gut, am besten auf 10-11º und geniessen sie ihn zu asiatischer Küche die durchaus etwas ‘spicy’ sein kann. Nichts zum bunkern, sondern innerhalb eines Jahres zu trinken.

Einen Bericht über den Viognier 2010 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein ‘Viognier’ 2010 von der Domaine Les Yeuses aus Mèze im Languedoc, Frankreich.

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Kategorie: Domaine Les Yeuses, Verkostet

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