Über Grenzen gehen

| 1. August 2011 | 0 Kommentare ...alles

Eine trockene Rotweincuvée

Ein ungewöhnlicher wie auch einladender Name für einen Wein. Und somit auch eine Aufforderung der man gerne nachkommt.

Winzer/Weingut: Weingut Kiefer, Eichstetten, Baden, Deutschland.

Lage/Herkunft: Der Kaiserstuhl in Baden ist das grösste und bekannteste Weinanbaugebiet Deutschlands und wird auch als die “Sonnenterrasse” Deutschlands bezeichnet.

Flasche/Etikett: Abgefüllt in einer dunklen Burgunderflasche prangt ein minimalistisch gestaltetes blaues Etikett mit weisser Schrift darauf. Reduziert auf das Wesentliche und sehr ansprechend.

Im Glas: Tiefdunkles Rot glänzt mit rubinfarbigen Reflexen mit sich selbst um die Wette. Das Glas benetzt mit schönen Kirchenfenstern was auf Gehalt schliessen lässt.

In der Nase: Etwas gewöhnungsbedürftig, macht sich doch eine Cassisnote ziemlich stark bemerkbar. Man könnte sagen, dass der Wein eine gewisse kräutrige Note hat und sich von herkömmlichen Rotweincuvées stark unterscheidet.

Im Mund: Direkt aus der Flasche ist der Wein ziemlich ruppig und poltert durch die Mundhöhle. Eine Vielzahl von Aromen streiten sich um den 1. Preis und man nimmt Brombeeren, schwarze Johannisbeeren aber auch reichlich Würze und Holz wahr. Er zeigt sofort was “Sache” ist und breitet sich vollmundig, fruchtig, aber auch mit fester Säure im Mund aus. Bei all dem bleibt er knochentrocken. Um die einzelnen Aromen aufnehmen zu können muss man multitaskingfähig sein. Der Wein ist nichts für Weicheier und Gerbstoff-Verweigerer.

Mir persönlich war das alles etwas zu rustikal weshalb ich die halbe Flasche in eine kleine Karaffe umgefüllt habe und ihn eine halbe Stunde setzen liess. Und siehe da, auf einmal präsentiert sich ein völlig anderer Wein. In der Nase komplett anders, alle Aromen haben sich zu einer Einheit verschmolzen und geben dezent ihre Geheimnisse frei. Sogar der Cassiston ist zurückgetreten und wird jetzt von vanilligen und ein wenig rauchigen Noten begleitet.

Der “wilde Hund” ist zahm geworden und gleitet jetzt fast cremig über die Zunge, bleibt in der Mitte haften und öffnet seine feinen Gerbstoffe. Die Zunge und die Mundhöhle fühlen sich ein wenig pelzig an, aber trotzdem bleibt der fruchtige Geschmack stets präsent. Plötzlich ist der Wein “erwachsen” geworden und lädt einen ein, mit ihm gemeinsam über “die Grenzen zu gehen”. Ich habe diese Angebot gerne angenommen und mich mit ihm, nach dem ersten “Kampfglas”, auf das Abenteuer eingelassen und es nicht bereut.

Resümee: Um € 6,40 ein Wein für jeden Tag und für zahlreiche Anlässe. Süffig im Trunk, trocken und animierend und mit 12% angenehm leichtfüssig. Ein sehr guter und gut gemachter Basiswein der einfach Freude macht.

Tipp: Unbedingt 20-30 Minuten belüften um die volle Bandbreite geniessen zu können. Es zahlt sich aus.

Einen ausführlichen Bericht über diese Rotweincuvée lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde die Rotwein-Cuvée Über Grenzen gehen 2010 vom Weingut Kiefer aus Eichstetten am Kaiserstuhl, Deutschland.

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Kategorie: Verkostet, Weingut Kiefer

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