TO 2016

| 5. März 2019 | 0 Kommentare ...alles

Leichtgewichtiger Charakterkopf

Reiht sich in die lange Liste aussergewöhnlicher Weine von Heinz Velich ein und zeigt, dass Unikate nicht unbedingt die Welt kosten müssen.

Winzer/Weingut: Weinbau Velich, Apetlon/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Sand-, Lehm- und Geröllböden im Nationalpark Neusiedlersee/Seewinkel im tiefsten Burgenland.

TO 2016 Allgemeines: Ein wahrlich aussergewöhnlicher Wein steht heute von Heinz Velich aus Apetlon im tiefsten Burgenland am Tisch der Wahrheit. Ein Wein der wie kein anderer das ganze Wesen des Neusiedlersees, tief unten an der ungarischen Grenze im Seewinkel, einfängt und widerspiegelt. Dort, wo die “Lange Lacke” die größte von über 40 salzhaltigen Lacken im burgenländischen Seewinkel, nur wenige Kilometer nordöstlich von Apetlon liegt. TO heisst dieser Tropfen, eine Cuvee aus Chardonnay, Sauvignon und Welschriesling. Auch wenn der Name TO eine Abkürzung zu sein scheint, so ist man damit auf dem Holzweg. TO ist ungarisch und heisst … See. Die Rebstöcke stehen auf Schotter, Kalk und Sandböden, ausgebaut wurde der TO im großen Holzfass sowie im gebrauchten Barrique. Eingeschenkt wird er, nachdem er eine Stunde in der Karaffe frische Luft geschnappt hat ins grosse Burgunderglas, weil er sich in diesem schlicht am wohlsten fühlt.

Im Glas: Wie ein Goldbarren aus dem Fort Knox leuchtet der TO aus dem Glas. Zarter grüner Schimmer zeigt sich an den Rändern.

In der Nase: Birne, Ananas und Meersalz setzen sich sofort im Riechorgan fest. Knackig fühlt sich der Duft in den Nasenflügeln an, mehr Salz als Frucht, dunkelgelb die Würze. Feuchter Apfel tritt aus dem Off hervor und schleppt ein Stück Melone mit. Flott, frech und frisch ist dieser Duft. Ganz tief eingesogen merkt man wie sich dezenter Speichelfluss bemerkbar macht.

Im Mund: Wie schon in der Nase, dominiert auch im Mund eine höchst attraktive Salzigkeit. Weich steht der TO auf der Zunge, zeigt eine gewisse Fülle, die dem langen Hefekontakt geschuldet ist und ist doch alles andere als “voll”. In der zweiten Reihe, quasi hinterm Vorhang, nimmt man Apfel, Birne und auch Ananas wahr. Überzogen von dieser aussergewöhnlichen Salzspur die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt und die sich dennoch ungewöhnlich weich und sanft anfühlt. Am Gaumen wieder dunkelgelbe Würzigkeit, leichter Rauch und reife Ananas. Im Abgang schmelzig, gelb und würzig, mit einem resoluten Schuss von Salz. Ein Leckerschmecker der zum Trinken animiert.

Leichtgewichtiger Charakterkopf

Der TO ist ein Tropfen der Zeit und Luft braucht. Und ein grosses Glas damit er sich entfalten kann. Dann zeigt er sich von seiner sanften Seite. Trotz der eindrucksvollen Salzigkeit ist er weich und mild im Mund, schiebt nach und nach ein Stück reife Frucht mit in den Vordergrund und fühlt sich herrlich trocken an am Gaumen. Man merkt, dass der TO von Kalk- und Schotterböden stammt, man kennt diesen steinig-staubigen Nebel der sanft über den Gaumen weht und sich in totaler Trockenheit auflöst. Nicht minder beeindruckend ist die gelbe Würze die dem Tropfen Ausdruck und Charakter verleiht. Bei aller wohligen Fülle die sich in cremigem Schmelz zeigt, ist der Tropfen mit seinen läppischen 12,5 PS ein echtes Leichtgewicht. So fühlt er sich letztlich dann auch an im Mund. Präsent und doch sehr fein und leicht. Dafür mit umso mehr Geschmack und Animo. Eine wahre Wohltat zwischen den Kiemen.

Resümee: Welche Rebsorte im TO dominiert ist schwer zu sagen. Am Ende schmeckt man schön den Chardonnay heraus, der mit weicher Hülle glänzt, zarte grüne Noten lassen mit viel Glück den Sauvignon erkennen, persönlich für mich im Vordergrund der Welschriesling, der diese knackige Frische rein zaubert, die letztlich noch durch die salzig-mineralische Ader befeuert wird. Der gelbwürzige Unterbau bringt etwas Dramatik ins Geschehen, die Leichtigkeit macht diesen Wein zu einem wunderbar süffigen Genusstropfen. Am Ende reiht sich der TO in die lange Liste aussergewöhnlicher wie einzigartiger Weine von Heinz Velich ein und zeigt, dass Unikate nicht unbedingt die Welt kosten müssen. Um 14,90 ist man mit diesem Wein dabei und er ist jeden Euro mehr als wert. Richtig tolles Kino aus dem tiefen Burgenland.

Tipp: Braucht Zeit und Luft. Eine Stunde Karaffe und ein grosses Glas sind perfekt. Entwickelt sich ständig weiter. Am besten mit 10-12º zu geniessen. Zu Fisch an hellen Saucen, zum Schnitzel, zum Schweinsbraten, einfach universell einsetzbar. Als Solist ein frischer und knackiger Begleiter für entspannte Stunden.

Einen Bericht über den TO lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein TO 2016 vom Weingut Velich aus Apetlon im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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