Viña Tondonia 2006 Tinto Reserva

| 1. März 2019 | 0 Kommentare ...alles

Kennt nur einen Weg; den durch Mitte

Wenn man Trinkfluss mit nur einem Wort beschrieben müsste, dann wäre Tempobolzer wohl am treffendsten.

Winzer/Weingut: Lopez de Heredia, Haro, La Rioja, Spanien.

Lage/Herkunft: Aus der Rioja Alta, die auf circa 400 bis 600 m Seehöhe liegt und wo die Nächte bereits relativ kühl sind

Vina Tondoni Reserva 2006 Allgemeines: Jedesmal aufs Neue bekomme ich Gänsehaut wenn ich eine Flasche von Lopez de Herediaa aufmache. Egal ob es sich dabei um die weissen Perlen oder die roten Ausnahmeweine dieses Kultweingutes in der Stadt Haro, der Hauptstadt von La Rioja Alta handelt, es ist immer wieder ein Erlebnis sondergleichen. Unvergessen ist jede einzelne Flasche die ich getrunken habe. Der Wein der heute hier am Tisch der Wahrheit steht ist der Viña Tondonia 2006 Tinto Reserva. Eine Cuvee aus grossteils Tempranillo sowie Garnacha, Graciano und Mazuelo. 6 Jahre reifte der Tropfen im Fass bevor er auf die Flasche kam. In der Zwischenzeit hat auch dieser Wein mehr als 12 Jahre auf dem Buckel und gilt somit – was die Weine von Lopez de Heredia angeht – als junger Hüpfer. Wie immer wird auch diese Flasche erst von ihrem goldenen Netz, dem Alambrado, das heute nur mehr Dekoration ist, befreit. Früher war es effektiver Schutz vor listigen Weinhändlern, die den ‘guten’ Wein oft gegen minderwertigen austauschten und so ihren Gewinn erheblich steigerten. Jetzt aber kommt der gute Tropfen ohne jegliche Hintergedanken bezüglich Gewinnmaximierung in freudiger Erwartung in das Glas.

Im Glas: In wunderschönem ziegelrot zeigt sich die Reserva im Glas.

In der Nase: Verführerische Duftschwaden von getrockneten roten Beeren strömen die Nasenflügel hoch, etwas Erde begleitet diese vornehm wie auch zurückhaltend. Ein wenig trockenes Laub weht kurz vorbei, am Ende mischen sich feine Gewürznoten unters Aromenvolk. Ganz zarte Vanilletöne summen aus dem Hintergrund hervor, bringen mit den braunen Gewürzen eine herbstliche Note ins Gesamtbild ein. Nach und nach tauchen reife Kirschen und eine dicke fette Pflaume in der Nase auf und sorgen für elegante Fruchtigkeit im Riechorgan. Ein Duft der Sehnsucht weckt.

Im Mund: Wie nicht anders erwartet steht ein richtig frischer, höchst agiler und vor Lebendigkeit sprühender Wein im Mund. Rote Kirschen zeigen sich zuerst, danach entfacht die ungemein freche Säureader ein wahrer Feuerwerk in der Geschmackszentrale. Der Tropfen lebt, hat hohen Puls, ist frech und rassig auf der Zunge und macht richtig Tempo. Das Tannin ist fein und abgeschliffen, zeigt Präsenz am Gaumen und ist kühl und sehr gesittet. Vanille blitzt hervor, unerwartet frische Zitrusnoten blitzen auf. Spannungsgeladen ist die wohl treffendste Bezeichnung für diese Reserva. Sie vibriert, sie ist geladen wie ein Rennpferd vor dem Start. Zwölf Jahre war sie eingesperrt in Fässern und in Flaschen, jetzt steht sie da und platzt vor Lebenslust. Einfach traumhaft dieser Saft. Wie immer eigentlich, und wie immer ein Erlebnis.

Was soll man viel sagen über diesen Tropfen? Ausser, dass er einfach oberhammeraffengeil ist. Nur schwer wird man, so man sich auf die Suche machen würde, frecheres, agileres, lebendigeres und temporeicheres in rot finden. Die Frucht wie frisch gepflückt, das Tanningerüst so fein wie kühl wie geschmeidig, der Körper sehnig, schlank und rassig. Das Wesen jenes eines verspielten jungen Fohlens. Auf der Zunge beschleunigt die Reserva in zwei Sekunden von Null auf hundert, am Gaumen hinterlässt sie eine feine Spur von Herbst, der Abgang aussergewöhnlich zitrusfrisch, der Nachhall kirschig, zärtlich würzig, äusserst köstlich. Der Tropfen ist so süffig, so rasant im Mund, dass man beim besten Willen fast nicht nachkommt und permanent vor einem leeren Glas sitzt. Wenn Trinkfluss beschrieben werden müsste, dann wäre Tempobolzer wohl am treffendsten. Was für ein geiler Stoff!

Einfach sagenhaft was die Reserva auf der Zunge abhält. Quietschvergnügt zieht sie durch die Mitte, ist frech und unbekümmert, neckt mit ihrer kecken Kirschfrucht. Am Gaumen macht sie auf erwachsen wenn sie zwischendurch den Herbst “raushängen” lässt. Dieser Wein kennt keine Tempolimits, schert sich null um links und rechts, kennt nur einen Weg, den durch die Mitte.

Resümee: Wer einen dicken fetten Bomber sucht der lasse bitte seine Hände von diesem Wein. Wer aber Rasanz und Puls, wer Lebenslust und freche Unbekümmertheit sucht, der greife zu. Und zwar in rauen Mengen. Der horte was er kriegen kann von diesem Rassetropfen und gönne sich vollkommen unbeschwertes Trinkvergnügen über die nächsten zehn Jahre. So geht Weinspass. Weltklasse.

Tipp: Aufmachen, einschenken und geniessen. Steht sofort wie eine Eins im Glas. Grundsätzlich zu Fleischgerichten jeglicher Zubereitungsart geeignet, ist aber fast zu schade als Essensbegleitung. Um die 16-18º genossen am besten.

Einen Bericht über den Tinto Reserva lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Viña Tondonia 2006 Tinto Reserva von Lopez de Heredia aus Haro, La Rioja, Spanien. Bezugsquelle: Fine Wine Shop, Illmitz.

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Kategorie: Kracher, Verkostet

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