Singing 2014 Grüner Veltliner

| 23. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Tag des Veltliner-Pfefferls

Hat Rundungen, Struktur, Geschmack und Grip. Ebenso Profil und dank der ausgeprägten Pfefferwürze ein echter Kerl geworden.

Winzer/Weingut: Laurenz Maria Moser V., Wien, Österreich.

Lage/Herkunft: Überwiegend von Löss- und Schotterböden aus dem Kremstal in Niederösterreich.

Singing 2014 Allgemeines: Alle Jahre wieder, kommt er in grün, orange und flieder. Nein, das ist nicht die Einleitung zu einem literaturnobelpreisverdächtigen Gedicht. Es geht vielmehr um die jährlich wiederkehrende Grüner Veltliner-Kollektion von LAURENZ V. Allen voran die beiden Weine seiner Töchter Anna und Sophie, die eine in grün, die andere in orange. Heute steht Sophies Grüner Veltliner (in orange), der SINGING 2014 am Tisch der Wahrheit. Detail am Rande: Sophie, die 1991 geborene Tochter von Laurenz Maria Moser, stellt bereits die 16. Generation der Weinfamilie Moser dar. Das nennt man dann wohl Konsequenz. Die Trauben für diesen Grüner Veltliner wachsen auf Rebstöcken die auf Löss- und Schotterböden stehen und stammen mehrheitlich aus dem Kremstal. Ausgebaut wurde er wie immer im Stahltank. Ich freue mich nun schon wieder auf einen unkomplizierten, anspruchsvollen und frischen Tropfen. So haben sich jedenfalls die letzten “Ausgaben” von Sophie gezeigt und ich bin sicher, dass 2014 um nichts nachstehen wird.

Im Glas: Im Gegensatz zum 2013 leuchtet hier kein exklusives Strohgelb aus dem Glas, es wird vielmehr von einem deutlichen Schimmer Grün begleitet.

In der Nase: Sehr pfeffrig ist der Duft der sich die Nasenflügel hochzieht. Frischer Apfel, etwas Pfirsich und ein Schuss Limette spielen mit. Ebenso wirkt es erheblich mineralischer, sogar richtig feuchtrauchig in der Nase. Der SINGING 2014 ist nicht so dominant duftig wie der aus 2013, er fühlt sich kompakter, erwachsener, charaktervoller an. Es ist diese feucht-rauchige Note, vermengt mit weissem Pfeffer, die ihm eine gewisse Dichte einhaucht.

Im Mund: Definitiv anders als 2013. Man spürt sofort, dass der SINGING 2014 etwas mehr Speck an der Hüfte hat, gleichzeitig aber fühlt man wie der Wein richtig knusprig auf der Zunge und am Gaumen ist. Auch ist er wesentlich erdiger als 2013, weitaus mineralischer. War 2013 ein richtig unbeschwerter Fruchtikus, so ist 2014 überraschend erwachsen geworden. Ganz viel weisser Pfeffer sorgt hier wörtlich für das berühmte Veltliner-Pfefferl, die Würze ist dominant und der grüne Apfel und der Pfirsich spielen nur die zweite Geige. Auf der Zunge weich und cremig und doch knackt es wenn man drauf beisst. Am Gaumen ebenso cremig, fein erdig und mit Pölsterchen ausgestattet. Der Abgang würzig, begleitet von einem Schuss Frucht, der Nachhall pfeffrig-apfelig.

Was ebenfalls auffällt ist, dass der SINGING 2014 trotz seiner Weichheit und seines höheren Restzuckeranteils (4 statt 3g/l wie in 2013) gleichzeitig etwas stoffiger im Mund scheint. Dafür sorgt diese extreme Pfeffrigkeit die Würze pur im Mund verbreitet. Trockene Erde, Staub und Kieselstein halten die durchaus vorhandenen Fruchtaromen in Zaum. Was auch 2014 wieder spür- und schmeckbar ist, sind die weissen Blütenaromen die trotz Zucker eine gewisse Herbheit in ihn rein bringen. Wäre da nicht dieser hartnäckige Apfel, man könnte den SINGING durchaus im Süden Frankreichs aufgewachsen wähnen. Durch vollkommene Abwesenheit glänzt 2014 die Zitrone. Die hat man rausgeworfen. Oder sie auf nächstes Jahr vertröstet. Nix mit Austrias Next Veltliner Model.

Resümee: Der SINGING 2014 ist ein erwachsener Wein geworden, hat Profil entwickelt und sich dank seiner enorm ausgeprägten Pfefferwürze zu einem echten Kerl gemausert. Ich bin nach wie vor fasziniert davon, wie sehr man den Restzucker in soviel erdiger Würze untergebracht hat. Rundungen, Struktur, Geschmack und Grip; das passt einfach. Ich verkoste den SINGING seit 2011 und dieser hier, der 2014, ist für mich der interessanteste von allen. Ich sage absichtlich nicht der Beste, weil das zu wertend und nur subjektiv wäre. Vom Geschmack und vom Mundgefühl her ist er aber sicher der erwachsenste und vielschichtigste. Darauf noch ein Glas, weil’s einfach richtig Spass macht.

Tipp: Schrauber ab und mit 8-10º geniessen. Ich denke, dass der sogar eine Stunde in der Karaffe sehr gut verträgt. Zu Wiener Schnitzel, Grillfisch oder zum panierten Adler aus der Steiermark. Oder einfach solo trinken weil er dafür auch sehr gut geeignet ist.

Einen Bericht über den Singing lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner SINGING 2014 von LAURENZ V., Österreich. Zu beziehen in Ö bei Wein & Co.

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Kategorie: LAURENZ V, Verkostet

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