Silvaner Feuerstein 2013 Röttingen

| 25. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Wein zum Fühlen

Ein Wein für Aufgeschlossene. Das ist ganz feines Silvaner-Kino, das ist ganz feiner Silvaner schlechthin. Umwerfend gut.

Winzer/Weingut: Stephan Krämer, Auernhofen, Franken, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Rebstöcken auf Muschelkalk- und Feuersteinlagen im Taubertal bei Röttingen.

Silvaner Feuerstein Allgemeines: Mehr Bauer als Winzer ist Stephan Krämer aus Auernhofen in Franken. 75 Hektar bewirtschaftet er mit seiner Frau Simone, das ist sein Stammgeschäft. Der Wein ist seine Leidenschaft, er selbst bezeichnet sich als Garagenwinzer. Und so hat er auf ungefähr drei Hektar auch Rebstöcke auf Muschelkalk- und Feuersteinlagen im Taubertal bei Röttingen, in Tauberzell und in Iphofen im Steigerwald stehen. Was er aus den Trauben dieser Stöcke in die Flaschen zaubert, ist so eigenwillig wie aussergewöhnlich, so anders und so richtig bio. Der Silvaner Feuerstein 2013 ist so ein Wein. Spontan vergoren und im großen Holzfass ausgebaut ist er, ein langes Hefelager hat er hinter sich und auf jegliche Schönung zur Klärung wurde verzichtet. Stephan Krämers Weine sind fränkische “Naturweine” in des Wortes Sinn. Und ich werde jetzt so einen, den Silvaner Feuerstein 2013 verkosten und überlasse ihn vorab für eine Stunde sich selbst in der Karaffe um sich auf seinen Auftritt vorbereiten zu können.

Im Glas: Helles strohgelb schimmert aus dem Glas heraus.

In der Nase: Im Riechorgan machen sich Aromen von gelbem Apfel und einer rauchigen Wolke von Silex breit. Hefeduft liegt darüber, sehr fein und leicht. Der Apfel war es dann aber auch schon was Frucht im Silvaner Feuerstein angeht. Der Rest ist dezent erdbetont, kalkig und herb würzig. Nichts in das man sich verliebt, aber etwas, das neugierig macht und man gerne seine Nase oft und tief ins Glas steckt um diese mineralische Dichte zu erfühlen.

Im Mund: Oh oh, das ist ja neckisch! Knackige Säure macht sich, kaum dass der Wein im Mund ist an die Arbeit und sorgt für lustigen Speichelfluss. Es knackt, es knirscht und es ist herrlich erdig. Wer Frucht sucht kann das einstellen, er wird keine finden. Dafür erlebt man eine wunderbare Weichheit im ganzen Mundraum. Das lange Hefelager lässt grüssen. Richtig cremig überzieht der Silvaner Feuerstein die Zunge, schmiegt sich sanft an den Gaumen und erinnert an die berühmte Kuscheldecke. Dabei ist er fein kalkig und stark vom Silex geprägt. Klar in der Erscheinung, straff im Auftritt und tief in der Struktur. Im Abgang weich und anschmiegsam, leicht rauchig, dezent erdig und zart herb.

Einfach faszinierend diese Cremigkeit am Gaumen. Dabei null Frucht, nur Kalk und Feuerstein. Wie ein superfeiner Film legt sich die Mineralikwolke an, unterhalb spielt eine straffe Säure Mundharmonika. So rund der Silvaner Feuerstein sich auch anfühlt, so straff ist er. So klar und gespannt in seiner Struktur. Das ist dicht, stark und strahlt trotz der Knackigkeit eine entschleunigte Ruhe und Sanftheit aus. Es ist zitrusfrisch, ohne nach Zitrone zu schmecken, es ist neckisch salzig, man leckt praktisch am nackten Stein und schmeckt diese kristalline Ader. Holzausbau, Spontanvergärung, langes Hefelager – all das sorgt für ein Mundgefühl das unbeschreiblich sanft und weich ist. Und als Sahnehäubchen gibt es absolute Trockenheit noch oben drauf. Ich mag den Silvaner Feuerstein. Schon jetzt. Und ganz viel.

Drei Stunden ist er offen, er ist dicht UND knackig. Die Säure hat derart hohen Puls… oder ist es doch der Feuerstein, oder das Salz? Egal. Es ist als hätte man scharf geschliffene Katjes im Mund. Nur ohne Fruchtgeschmack, sondern mit knallharter Mineralik. Man muss ihn drehen, ihn wenden und ihn wirken lassen, den Silvaner Feuerstein. Dann schmeckt und spürt man seine weiche Erdigkeit, seine kristalline Steinigkeit und seine sanften Rundungen. Die Herbheit äusserst edel, die Würze verhalten und leise.

Resümee: Ein Wein zum Fühlen, ein Wein für Aufgeschlossene. Der Silvaner Feuerstein defintiert sich eindeutig über seine Haptik. Der Geschmack folgt quasi als Begleiterscheinung. Das ist ganz feines Silvaner-Kino, das ist ganz feiner Silvaner schlechthin. Ein Faserschmeichler der wie Chrom blitzt und einfach herrlich sanft ist. Unter 14 Euro zu erstehen, jeden einzelnen wert.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe ist angebracht. Mit 10-12º geniessen. Zu Fisch an hellen Saucen, zum Schnitzel oder zur gegrillten Hühnerbrust. Oder einfach mal für sich allein versuchen. Der hat richtig Feuer unterm Hintern und macht grossen Spass.

Einen Bericht über den Silvaner Feuerstein lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Silvaner Feuerstein 2013 von Stephan Krämer aus Auernhofen in Franken, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

Tags: , , , , , ,

Kategorie: 225 Liter, Verkostet

Ihr Kommentar