Riesling ‘Steckenpferd’ 2011

| 5. Januar 2013 | 0 Kommentare ...alles

Mutig gegen den Strich gebürstet.

Perfekter Wein für alle denen edelsüss zu süss und knochentrocken eben viel zu trocken ist. Schmackhafter kann ‘restsüss’ fast nicht sein.

Winzer/Weingut: Prinz von Hessen, Johannisberg/Rheingau, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Löss-Lehmböden sowie auf sandig-lehmigen Böden aus den Weinbergen rund um den Johannisberg.

Steckenpferd Flasche/Etikett: Da steht sie nun, die Flasche, die vorgibt ein Pferd zu hüten. Auch wenn es nur ein Steckenpferd ist. Das weisse Etikett strahlt Eleganz aus und auf ihm ist alles was man für die Reiterei braucht. Ein Helm, eine Spring- und Dressurgerte, Zaumzeug und für alle die kein eigenes Hoppahoppa haben, ein Pferd in Form eines… Steckenpferdes. Ob es sich bei dem Stück Holz um eine Zaunlatte handelt bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Mir fällt dazu Planke ein und damit wäre wohl der Bogen zum Gut Panker gespannt, welcher wiederum die Verbindung zum Namen Steckenpferd sein soll.

In gold ganz oben PRINZ VON HESSEN und unter den ganzen Utensilien in verspielter Typo Steckenpferd. An den Behälter in dem das ganze Reitzeug drinnen steht lehnt das Schild derer zu ‘Hessen’, in schlichtem Gold, um die sehr ruhig wirkende Farbgestaltung nicht zu übertönen. Am weissen Rückenetikett wieder alles was sonst noch von Wichtigkeit ist.

Im Glas: In einem sehr hellen Gelb zeigt sich das Steckenpferd im Glas. Fast albinogelb könnte man dazu sagen. Dezente grünliche Reflexe blitzen auf.

In der Nase: Die Nasenflügel zieht eine Wolke von Äpfeln hoch, vermengt mit zartem Blütenduft und Aprikosenaromen. Ein Schuss Zitrusfrucht mischt mit im Kern- und Steinobsensemble. Es riecht sehr frisch, nicht überschwänglich fruchtaggressiv, vielmehr elegant, vornehm und prickelnd. Müsste man dem Duft eine Farbe zuteilen wäre das am ehesten gelbgrün. Trotz seiner Frische ist das Bukett dicht und füllig, fühlt sich voll an in der Nase und lässt einen selbige gerne ganz tief ins Glas stecken.

Im Mund: Kaum streift der Riesling über die Lippen und legt sich auf die Zunge, beginnt der Tropfen schon zu ‘wiehern’. Einserseits mit einer äusserst attraktiven und lebendigen Säure und, andererseits, mit einem betörenden Zuckerschwänzchen welchem knapp 39g/l Restzucker zugrunde liegen. Man spürt die volle saftige Frucht im Mund, man fühlt wie sich die Säure auf der Zunge abarbeitet und wie die Süsse alles zusammen durchquirlt und zu einem dichten Saft werden lässt. Wagemutig süss, anders, belebend, frech und trotz allem elegant fühlt es sich an, wenn das Steckenpferd Zunge und Gaumen in Beschlag nimmt. Der Wein wirkt feingestrickt, punktet aber trotzdem mit saftigem Schmelz, er fliegt über den Gaumen und hat trotzdem reichlich Körper. Man schmeckt Marillen, Grapefruit und Äpfel und merkt wie rasch man sich an diese bezaubernde Süsse gewöhnt, sie mag und mehr von ihr will.

Über die Zungenränder fliesst der Riesling Steckenpferd süsslich ab während auf der Zunge und den Wangen noch die Säure steht und prickelt. Man leckt sich permanent die Lippen weil es einfach Spass macht diese Mischung aus süsser Säure zu fühlen, die fruchtigen Aromen zu schmecken welche nicht enden wollen und sogar noch im Nachhall vorhanden sind. Es ist eine perfekte Symbiose die sich da präsentiert, sehr harmonisch, vollkommen unbeschwert, subtil kindlich ohne deswegen kindisch zu erscheinen. Der Riesling Steckenpferd ist ein fröhlicher Wein, einer, der wie ein Trakehnerfohlen auf der Koppel seine Freude am Leben raus buckelt. Das Steckenpferd ist ein ebensolch junger fröhlicher Wein, der einfach Spass haben und machen will. Ohne Rücksicht auf die Meinung anderer.

Resümee: Es tut gut einmal abseits der gewaltgetrockneten Rieslinge auf einen Vertreter jener Sorte zu treffen, der mutig gegen den Strom schwimmt, der es wagt mit potenter Restsüsse anzutreten und so vielleicht sogar den Weg für jene zu öffnen, die Wein (noch) nicht unbedingt zu ihren Lieblingsgetränken zählen, weil ihnen zwischen pappig süss und trocken im Grunde nicht wirklich viel geboten wird. So gesehen kann das Steckenpferd dazu beitragen auf langsame Weise an ‘typische’ Weine heranzuführen, ohne gleich die Brechstange auspacken zu müssen. Mit seinen 11,5% hat das adelige Hoppahoppa sogar noch ein weiteres gewichtiges Argument sich an ihm reuelos zu versuchen in der ‘Hinterhand’. 18-20 Euro sind zwar nicht gerade Sozialtarif, dafür hat man aber feinstes ‘Material’ – wie es in der Pferdesprache heisst – im Glas.

Tipp: 10º sind ideal, nicht mehr. Am besten ohne alles, einfach solo, zwischendurch und überhaupt genossen. Unkomplizierter Trinkspass mit dem besonderen Kick unterm Sattel.

Nachtrag: Wer zu früh interpretiert, den bestraft der Wissende. In diesem Fall wurde ich im Zuge der schon im Vorfeld auf facebook aufgekommen Frage bezüglich des Namens des Weines, von Katharina Haase darüber aufgeklärt, dass nicht die Pferde des Prinzen, sondern sein ‘Sohnemann’ dafür verantwortlich zeichnet. Er war die Inspiration zu diesem Namen und ich wette es dauert nicht lange bis er auf einem richtigen Hoppahoppa sitzt.

Einen Bericht über den Riesling ‘Steckenpferd’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Steckenpferd 2011 vom Weingut Prinz von Hessen aus Johannisberg im Rheingau, Deutschland. Das Weingut Prinz von Hessen ist Mitglied des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter).

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Kategorie: Prinz von Hessen, Verkostet

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