Gradale 2008

| 6. Januar 2013 | 0 Kommentare ...alles

Saft und Kraft für kalte Nächte.

Ein Barbera mit mächtig Dampf in den Zylindern. Ein echter Kraftprotz der es schafft trotz Muskelmasse elegant zu bleiben.

Winzer/Weingut: Villa Terlina, Agliano Terme, Piemont, Italien.

Lage/Herkunft: Vom Weinberg Gradale aus Kalk-Mergelböden, welcher mit 4.800 Reben/Hektar bepflanzt ist.

gradale 2008 Flasche/Etikett: Abgefüllt in eine dunkle Bordeauxflasche ist der Gradale und so steht er auch auf unserem Tisch der Wahrheit. Beklebt mit einem hohen, einfachen, dafür aber umso schickeren Etikett. Auf hellem Untergrund präsentiert sich oben der Name in römisch angehauchter Typo mit einer darunter aufgedruckten Silbermünze. Darunter dann in rot Gradale in ebensolcher Typo, um dem ganzen eine gewisse ‘antike’ Stilistik zu verleihen. Mit dem in der Münze aufgebrachten Kreuz erweckt man fast den Eindruck etwas ‘Kirchliches’ vor sich zu haben. Unterhalb der Jahrgang und, ganz wichtig, der Hinweis, dass es sich um einen Barbera d´Asti handelt, was eine wesentliche Information ist. Rückenetikett gibt´s keines, weil alles was zu wissen ist schon vorne draufsteht, inklusive den PS, die sich hier mit 14,5% bemerkbar machen.

Auch wenn der Wein schon ein paar Jährchen in der Flasche zugebracht hat, darf er sich bevor er in die Gläser kommt für zwei Stunden im Dekanter akklimatisieren.

Im Glas: Strahlendes Rubinrot funkelt aus dem Glas und der klare grosse Kern wird erst zum Rand hin dunkler und undurchsichtiger. Der Rest ist relativ transparent und wirkt sehr frisch in der Farbe. Kräftig legt sich ein dicker Film an der Innenwand an.

In der Nase: Verpackt in dichter Würze riecht man saftige dunkle Beeren, Holz und Tabaknoten. Es duftet kräftig aus dem Glas heraus und was angenehm auffällt ist, dass der Duft des Gradale in keinster Weise vom Barrique dominiert oder gar überlagert wird. Der Holzton ist natürlich und vornehm, die Würze spielt die Erste Geige und Brombeeren unterfüttern alles mit betörend süssem Saft. Es riecht nach tiefem Wald, nach Herbstlaub und Gewürzküche. Verzaubernd, betörend, eindringlich, ohne aufdringlich zu sein. Bukett für Schnüffler.

Im Mund: Der erste Schluck macht dann sofort klar, dass man es hier mit einem Wein zu tun hat, der mächtig auf den Putz haut. Kommt er einerseits völlig überraschend kühl und lang und äusserst frisch auf die Zunge, so hämmert er gnadenlos seine ganze Kraft die in ihm schlummert auf den Gaumen und drückt dort seine dunkle Würze aus. Der Gradale ‘schiesst’ richtig ein, presst den letzten Rest Brombeeraroma auf dem Gaumen ab und zeigt sich sonst in elegantester Rustikaltät. Gäbe es den Begriff ‘nobelrustikal’, so wäre das die treffende Beschreibung für das was man da spürt. Im ersten Moment fühlt es sich süss an auf der Zunge, doch kaum hat man nachgeschmeckt merkt man wie sich alles in dieser dunklen Gewürzwolke, begleitet von Holz- und Kaffeearomen auflöst und den Gaumen förmlich einpinselt. Dabei merkt man auch die Drehzahl die der Gradale hat und man bekommt eine Ahnung was passieren kann, wenn man hier nicht aufpasst. Da ist ein muscle car im Glas und es hat richtig Dampf in den Zylindern.

Auf beeindruckende Art und Weise fasziniert der Gradale. Er ist mächtig, kraftvoll, konzentriert und zeigt ungeniert seine Muskeln. Und er schafft es dabei frisch zu bleiben, sogar irgendwie schlank zu wirken, fein und elegant zu sein und spielerisch mit seiner Kraft umzugehen. Auf der Zunge steht er in vollem Saft, zieht aber nicht breit über die Ränder ab, sondern geht den direkten, geraden Weg über den Gaumen, welchen er mit betörender Gewürzaromatik belegt. Während er ‘da oben’ seine Arbeit macht, spürt man die dunklen Fruchtaromen auf der Zunge nachwirken. Man fühlt den Gradale praktisch in 2D und man merkt wie er aufgrund seines hohen Alkoholgehalts Geist und Körper ‘wärmt’. Wenn der Tropfen um 1% weniger hätte wäre er eine ganz grosse Gefahr, weil diese ‘Leichtigkeit’ einen Trinkfluss bewirken würde der fast nicht mehr zu kontrollieren wäre.

Resümee: So wie sich der Gradale nach knapp drei Stunden an der Luft im Mund anfühlt, ist es einfach pure Lust und höchster Genuss. Er ist ein Kraftprotz, keine Frage. Dank seiner Eleganz und seinem Stil blendet man jedoch ganz gerne seinen muskulösen Körper aus und sieht ihn, durch die rosarote Brille, wie eingepackt in feinstes Tuch von Ermenegildo Zegna. Der Gradale ist Meditationswein, Kamintropfen, Traumdeuter und Flugbegleiter an kalten und frostigen Winterabenden. Er wärmt, entspannt und lässt einen abtauchen in die ‘Niederungen’ purer ungezügelter Genusslust. Für knapp 14 Euro kann man sich den Gradale kistenweise locker für die nächsten zehn Jahre einbunkern und sicher sein, dass man niemals mehr alleine ist.

Tipp: Geben Sie dem Wein unbedingt 2 Stunden im Dekanter und servieren sie ihn bei ca. 18º zu regionaler Küche, dunklem Fleisch und Käse. Als ‘Kamintropfen’ für die kalten Herbst- und Winterabende ein idealer Partner wenn das Essen ausfallen sollte und man einfach eine Runde fliegen will.

Einen Bericht über den Gradale lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Gradale 2008 Barbera d´Asti von der Villa Terlina aus Agliano Terme, Piemont, Italien.

Tags: , , , , ,

Kategorie: Verkostet, Villa Terlina

Ihr Kommentar