Riesling Haardt 2014

| 14. August 2016 | 0 Kommentare ...alles

Kommt mit Zeit und Luft in Fahrt

Schöner Riesling der sich nicht nur durch seine pflanzliche Charakteristik, sondern auch durch eine animierende salzige Ader von anderen unterscheidet.

Winzer/Weingut: Weingut Brand, Bockenheim, Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Rebstöcken die auch Muschelkalkböden stehen.

Haardt Riesling 2014 Allgemeines: Man kann nie genug Riesling trinken. Und das aus meinem Mund! Ja, ich bin ein echter Freund der deutschen Edelrebe geworden, und weil ich vom Weingut Brandt aus Bockenheim in der Pfalz noch nie einen getrunken habe, steht heuter zu ersten Mal einer von dort am Tisch der Wahrheit. Konkret habe ich heute von Daniel und Jonas Brand den Riesling Haardt 2014 im Glas, ein Riesling der mit weinbergseigenen Hefen spontan vergoren und ungeschönt und unbehandelt abgefüllt wurde. Ausgebaut im grossen Holzfass, gewachsen auf Muschelkalkböden. Generell verzichtet man bei den Brands vollständig auf den Einsatz mineralischer Dünger oder Pestizide, anstelle dessen begrünt man die Anbauflächen mit Klee und Wildkräutern, um mehr Bienen und andere Nützlinge anzulocken. Ebenso verzichtet man bei der Verarbeitung der Trauben auf jegliche tierische Hilfsmittel. Der Wein ist somit auch für Veganer geeignet. Damit genug geredet, es ist Zeit den guten Tropfen in seine wohlverdiente Freiheit zu entlassen.

Im Glas: Leicht angegrüntes Strohgelb funkelt mir entgegen.

In der Nase: Der Duft erfrischend anders als was man sonst von Riesling so gewohnt ist. Der Haardt glänzt mit pflanzlichen Noten, Wiesenkräutern, etwas gelber Steinfrucht und einer extrem feinen aber ungewöhnlichen Kümmelnote. Äusserst interessant diese Kombination. Minze ist dabei und auch eine Apfelspalte tanzt durch die Szenerie. Ein höchst animierender Duft der da die Nasenflügel hochzieht und neugierig auf den ersten Schluck macht.

Im Mund: Auch im Mund zeigt sich der Haardt erfrischend anders. Einerseits schmeckt es leicht nussig, etwas hefig, und dann schmeckt man weit hinten reife Aprikosen und gelben Apfel. Eingefasst ist alles von dieser eigenen pflanzlichen Aromatik die sowohl die Zunge wie auch den Gaumen dominiert. Knackig frische Säure sorgt für Leben in der Luke, zarter Schmelz am Gaumen für Textur. Ganz kurz blitzt das Minzeblatt auf und schiebt einen Hauch von grüner Frische nach. Im Abgang zeigt sich der Haardt mit einem leichten Tick von Salz, das sich erst langsam von den Zungenrändern löst und sich in Richtung Rachen aufmacht. Der Nachhall fruchtig-salzig, von einem kurzen süssen Touch begleitet. Ein äusserst spannender und interessanter erster Eindruck den der Topfen hinterlassen hat.

Richtig Spass beginnt der Haardt aber zu machen, wenn er eine Stunde Luft gesaugt hat. Dann geht er auf, zeigt auf einmal feine Haftung die den Gaumen nicht mehr loslässt. Es wird herrlich herb und immer mehr treten die pflanzlichen Noten in den Vordergrund. Gut gesalzen dank des Muschelkalks auf dem die Reben wachsen. Hier trifft wirklich der Boden direkt auf die Geschmacksnerven. Der Apfel und die Aprikose begleiten diese Aromatik eher als sie selbst in den Vordergrund treten. Und auch im Abgnag und im Nachhall wird der Tropfen jetzt so richtig salzig. Wer sowas mag der wird sich mindestens noch ein grosses Glas von diesem Riesling wünschen weil es gar so verführerisch ist. Trotz allem herben Einschlag steht der Haardt mit Fülle und mit Schmelz im Mund, ist klar, weich und dank seiner frischen Säure auch lebendig. Er fühlt sich gut an, animiert zu trinken und die leise Nuss-Hefenote im Hintergrund verleiht ihm eine angenehme Tiefe.

Resümee: Nach den paar Stunden die der Haardt jetzt offen ist, ist eines klar; er braucht Luft. Jetzt nach drei Stunden steht ein richtig dichter Saft im Mund der einerseits sehr pflanzlich, andererseits aber nun auch wunderbar fruchtig-salzig die Zunge einlullt. Die feine Kräuterwürze zeigt sich mit frischem Rosmarin, die Frucht ist dicht, gelb und marillig. Am Gaumen hingegen spielt sich frisches Leben. Griffig, fein und zart herb. Insgesamt ein sehr schöner Riesling der sich nicht nur durch seine pflanzliche Charakteristik von anderen unterscheidet, sondern auch weil er diese ungemein frische und animierende salzige Ader hat die allem noch einen Tick mehr von Agilität im Mund verleiht. Ich werde den Tropfen jetzt überhaupt offen stehen lassen und schauen was da noch so kommt.

Tipp: 1-2 Stunden Luft tun ihm gut. Am besten mit 10º geniessen. Zu Fisch gegrillt oder zu weissem Fleisch generell. Zur Alleinbespassung ein äusserst interessanter Parter.

Einen Bericht über den Haardt Riesling lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Haardt Riesling 2014 vom Weingut Brand aus Bockenheim in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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