Riesling Edelschuh 2013

| 21. Dezember 2014 | 0 Kommentare ...alles

Kombination von Mineralität und Würze.

Wein den man mehr spürt, weil er nicht enden will und man schwer von seiner mineralisch-fruchtig-würzigen Charakteristik genug bekommt.

Winzer/Weingut: Wohlmuth, Kitzeck im Sausal, Südsteiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von roten und blauen Schieferböden der Lage Edelschuh.

Riesling Edelschuh Flasche/Etikett: Auf der klassischen Schlegelflasche klebt das von Prof. Ulrich Gansert aus Breslau/Schlesien, der heute als Maler, Fotokünstler und Theoretiker arbeitet, gestaltete Etikett. Er hat das Jahrgangsbild von 2013 entworfen, welches die “Schönheit der Gärten, Weinberge und Auwälder in der Mark Brandenburg, als Erinnerung an die Kindheit in den Gärten, Wäldern und Sümpfen dieser Gegend” symbolisiert. Getrennt durch eine goldene Linie steht unterhalb dieser EDELSCHUH und drunter Riesling 2013. Am Rand wie gewohnt noch Kitzeck – Sausal – Österreich. Im schmalen schwarzen Teil ganz unten in weiss in Grossbuchstaben WOHLMUTH eingedruckt. Am weissen Rückenetikett erfährt der Interessierte alles über die Lage Edelschuh, die Höhe, die Hangneigung und dass vom Rebschnitt bis zur Lese alles per Handarbeit erledigt wird. Auch der Riesling Edelschuh darf bevor in die Gläser kommt für eine Stunde ein paar Runden in der Karaffe drehen.

Im Glas: Frisches grünliches Gelb leuchtet aus dem Glas heraus.

In der Nase: Der Duft der in die Nase strömt löst augenblicklich Speichelfluss aus. Saftige Zitrusnoten, Mandarinen, grüne Äpfel und weisser Pfirsich drängen sich um die Vorherrschaft und sorgen intensiv, aber keinesfalls laut für ein animierendes Erlebnis in den Nasenflüglen. Begleitet wird die Fruchtarmee von rauchigen Noten sowie einer warmen Schieferwürze. Der Riesling Edelschuh betört mit einer Frische auf die man nicht mehr länger warten und sie auf der Stelle auch im Mund erleben will, weil dieser bereits unter Wasser steht.

Im Mund: Völlig überraschend kommt der Riesling Edelschuh aber nicht so fruchtbetont wie er in der Nase war auf die Zunge. Sofort macht sich eine ganz eigene, rauchige Mineralik breit im Mund und sorgt in einem relativ cremigen Mundgefühl für Staunen. Eine kräftige Würze schmeckt man, steinig fühlt es sich an und dabei doch so weich und gezügelt. Erst jetzt schmeckt man so etwas wie einen Tropfen Ananas, der sich aber augenblicklich in der intensiven Würze auflöst. Man meint Frucht zu schmecken, doch ist es eher die dichte saftige Textur, die einen glauben machen will man kaue dran herum. Tatsächlich ist der Riesling Edelschuh fast zur Gänze auf Mineralik aufgebaut, die wechselweise warm, dann steinig und dann rauchig-würzig über die Zunge und den Gaumen zieht. Auch im Abgang mehr würzig als fruchtig sorgt der Tropfen für einen sehr langen Nachhall.

Hat man sich erst an das mild-rauchige Mundgefühl gewöhnt bemerkt man, welch feingliedrige Säureader sich auf der Zunge und am Gaumen präsentiert. Sie steht eher in der zweiten Reihe und lässt der ausgeprägten Würze in all ihrer Pracht den Vortritt, begleitet sie im Hintergrund nur unterstützend. Saft, Schiefer, Ananas, etwas Honig und eine Apfelspalte sind es, die sich nach knapp zwei Stunden in einträchtiger Harmonie zeigen. Der Riesling Edelschuh beginnt seine Geschichte zu erzählen, von der Höhe und der Kargheit seiner Böden, von seiner Reife welche letztlich für das saftige Extrakt steht welches man in jeder Sekunde spürt. Auf der Zunge, am Gaumen und überhaupt. Und über allem steht die Kombination von Würzigkeit und Mineralität.

Auch der Riesling Edelschuh präsentiert sich als ‘Spätstarter’, braucht Luft und zeigt erst dann, so ab zwei, drei Stunden Sauerstoffanreicherung, welch Kaliber er ist. Dann kommen tatsächlich Früchte durch. Marillen schmeckt man, etwas rosa Grapefruit kommt hinzu. Die feine Säure sorgt, in der Würze aufgehend, für eine echte Kernigkeit. Der Rauch füllt den Mund aus und die warme Mineralik des roten Schiefers trägt das Ihre dazu bei. Auf der Zunge steht dichter Saft in engmaschiger Textur, am Gaumen einmal weiss, dann braun und immer rauchig.

Resümee: Ein Wein der wärmt und gleichzeitig leichten Schrittes durch den Mundraum tanzt. Intensiv, niemals überfordernd. Kraftvoll, ohne den Bizeps aufzublasen. Dicht, und trotzdem genug Abstand um feingestrickt zu wirken. Der Edelschuh ist Riesling für die Sinne. Ein Künstler wenn es darum geht Geschmack und Gefühl in Einem zu vermitteln. Letztlich ein Wein den man mehr spürt, weil er nicht enden will und man schwer von seiner mineralisch-fruchtig-würzigen Charakteristik genug bekommt. Um die 25 Euro kostet das Vergnügen. Ein Bettel wenn man um die Arbeit weiss, wie dieser Wein zustande kommt.

Tipp: 2-3 Stunden in die Karaffe damit. Um die 10-12º geniessen. Idealer Wein zur Wiener Küche, zu Salaten, Gemüse, Fisch und vielem mehr. Zur alleinigen Unterhaltung ein Wein mit dem man sich locker über zwei und mehr Tage vergnügen kann.

Einen Bericht über den Riesling Edelschuh lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Edelschuh 2013 vom Weingut Wohlmuth aus Kitzeck im Sausal, Südsteiermark, Österreich.

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Kategorie: Verkostet, Wohlmuth

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