Chardonnay Edelschuh 2009

| 22. Dezember 2014 | 0 Kommentare ...alles

Wandlungsfähig wie ein Chamäleon.

Wer diesen Wein in Höchstform erleben will gedulde sich und gebe ihm genügend Zeit in der Karaffe und im grossen Glas.

Winzer/Weingut: Wohlmuth, Kitzeck im Sausal, Südsteiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von roten und blauen Schieferböden der Lage Edelschuh.

Chardonnay Edelschuh Flasche/Etikett: Auf der Bordeauxflasche klebt ein Etikett, welches der 1939 in Belgrad geborene und 1946 mit seiner Mutter nach Frankreich emigrierte Maler Jakov Bararon gestaltet hat. Er zeichnet für das Jahrgangsetikett von 2009 verantwortlich, welches in diesem Fall ein dreifärbiges abstraktes Gemälde zeigt. Die drei intensiv gehaltenen Farben gelbgrün, rot und blau stellen wohl die Wiesen, die Rebstöcke und den Himmel dar. Getrennt durch eine breite goldene Linie steht im weissen unteren Teil des Etiketts Chardonnay Edelschuh 2009 und am Rand wie üblich Kitzeck – Sausal – Österreich. Im etwas breiteren schwarzen Teil am Ende des Etiketts wie gehabt in weisser Schrift in Grossbuchstaben WOHLMUTH. Am weissen Rückenetikett steht wieder alles über die Lage Edelschuh, den An- und Ausbau des Weines sowie darüber, dass vom Rebschnitt bis zur Lese alles per Handarbeit erledigt wird. Bevor der Wein in den Burgunderkelch kommt, wird er für zwei Stunden sich selbst in der Karaffe überlassen, um genügend Luft aufnehmen zu können.

Im Glas: In kräftigem goldgelb steht der Chardonnay Edelschuh im grossen Glas.

In der Nase: Warme Bäckereiaromen strömen einem schon von Weitem entgegen, feine Nuss vermischt mit etwas Karamell taucht auf. Milchkaffee im Hintergrund. Nichts fruchtiges, nur edle wie auch sanfte Würze, man spürt ihre Weichheit förmlich in der Nase. Der Rest ist das was sonst um drei Uhr Früh aus jeder Bäckerei dampft. Brot, Kipferl, Semmeln, Kekse. Schwadroniert von einer grünen Nuss, welche die Aromen schön in Zaum hält und keinen aus der Reihe tanzen lässt. Ein weicher, warmer und auch verführerischer Duft der sich das Riechorgan hoch zieht.

Im Mund: Straffer als erwartet strömt der Chardonnay Edelschuh zwar weich und mild auf die Zunge, zeigt aber sofort mit einer frischen Säure auf die für kräftig Speichelfluss sorgt. Nix mit butterweicher Butterkeks und so, da pocht der Puls im Mund, da wird auf die Säuredüse gedrückt und für Leben gesorgt. Die grüne Nuss ist wieder da, als Begleitung hat sie eine ganze Ladung Mineralik mitgebracht, die sich frech und richtig rassig über die Zungenränder her macht. Im Mundraum eher grün, die Bäckerei ist umgesiedelt und findet sich ganz weit im Hintergrund erst wieder. Man ahnt nur mehr das Brot und die warmen Kipferl. Nur noch zarte Röstaromen nimmt man wahr, ganz leicht, ganz fern, ganz fein und unter der konsequenten Fuchtel der grünen Nuss. Am Gaumen weich und erst im Abgang ‘atmet’ man den zarten Qualm der aus der Bäckerei dampft ein.

Der Chardonnay Edelschuh ist wieder so ein Wein, den man quasi zweimal auf einmal wahrnimmt. Man schmeckt und spürt ihn nämlich gleichzeitig. Auf der Zunge straff, extrem mineralisch, würzig-aromatisch und dank lebhafter Säure auch pulsierend. Am Gaumen das genaue Gegenteil. Da ist er weich, leicht rauchig, leicht röstig, dezente Nussaromen pinseln alles ein und vom Gefühl her denkt man am ehesten an Weiss. Man spürt ihn auf der Zunge pulsieren und ebenso am Gaumen, nur dass er dort ganz weich und mild ist. Im Abgang trifft sich alles wieder, die grüne Nuss führt alles an, man atmet Bäckereiaromen und spürt die Säure die noch lange auf der Zunge steht. Ich gebe dem Tropfen nochmals eine Stunde und bin sicher, dass ich dann einen ganz anderen Wein vorfinden werde.

Resümee: Nach drei Stunden in der Karaffe wird der Chardonnay Edelschuh nussiger, weicher, die Säure verflüchtigt sich mehr in den Hintergrund, lässt nach und im Mundgefühl wird plötzlich alles weiss und ausgesprochen trocken. Jetzt treten auch die Bäckereiaromen verstärkt in den Vordergrund, die Nuss ist nicht mehr grün, sie dreht ins Braune. Der Wein beginnt erst jetzt zu zeigen wo die Reise hingeht und plötzlich hat man einen ausgesprochen mineralischen Chardonnay im Mund. Hat am Anfang noch die Säure dominiert, so wirkt sie jetzt konsolidiert, beruhigt und konzentriert darauf, die würzige Aromatik des Weines zu unterstützen, nicht mehr zu dominieren. Auf der Zunge steht der Tropfen weich und mild, breitet warmen Brotteig auf ihr aus. Am Gaumen fein, weiss, leicht rauchig und im Abgang dezent nussig und noch lange bleibend. Jetzt ist er da, der Edelschuh, jetzt fängt er an zu singen, jetzt zeigt er, dass er ein echter Chardonnay ist. Um die 30 Euro zu erstehen und wer ihn in Höchstform haben will gedulde sich und gebe ihm genügend Zeit in der Karaffe und im grossen Glas. Dann braucht man auch kein Kino mehr, weil dieses hier schon abendfüllend ist.

Tipp: 3 Stunden in der Karaffe sind zu empfehlen. Wächst an der frischen Luft noch weiter. Im Burgunderglas mit 10-12º geniessen. Zu Fisch, zu Brie und zu Pasteten. Auch zu Gebratenem und vielem mehr. Als Solist ein Wein der Zeit verlangt und dafür dann auch mehr als nur entschädigt.

Einen Bericht über den Chardonnay Edelschuh lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Chardonnay Edelschuh 2009 vom Weingut Wohlmuth aus Kitzeck im Sausal, Südsteiermark, Österreich.

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Kategorie: Verkostet, Wohlmuth

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