Pó de Poeira Branco 2010

| 28. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Wein aus dem Staub.

So heisst der Wein, Poeira (Staub), und genauso trocken ist er. Doch wer glaubt, dass das schon alles war, der wird eines Besseren belehrt.

Winzer/Weingut: Jorge Moreira, Poeira, Provesende, Portugal.

Lage/Herkunft: Von puren Schieferböden aus einem der heißesten Weintäler der Welt, dem Dourotal.

po de poeira branco Flasche/Etikett: Auf der braunen Bordeauxflasche klebt ein quadratisches weisses Etikett, über welches sich ein weinrotes Tuch schlängelt. Ganz oben der Jahrgang und der Hinweis ‘Branco’ und unterhalb des Tuches pó de poeira. Das war´s dann schon. Erst am Rückenetikett erfährt man in portugiesisch mehr über den Wein und seine Herkunft. Extra gross hervorgehoben ist der Hinweis mittels speziellem Siegel, dass es sich um einen Vinho Regional Duriense handelt. Da der Wein spontanvergoren ist kommt er für eine halbe Stunde in die Karaffe. Das gibt ihm Zeit sich zu akklimatisieren und uns, um die Frühlingsklamotten auszupacken und uns an den imaginären Strand ans ebenso imaginäre Meer zu begeben.

Im Glas: In kräftigem strohgelb dreht der ‘Staubige’ seine Runden im Glas. Goldene Reflexe blitzen auf und insgesamt sieht es sehr saftig aus.

In der Nase: Der Duft verwirrt auf den ersten Eindruck, wirkt sehr verhalten, gibt nicht wirklich eindeutig definierbare Aromen frei. Lässt man ihn allerdings eine Weile auf sich wirken, dann spürt man in der Nase eine leichte Kräuterwürze und, wie schon eingangs erwähnt, vernimmt man diese leicht salzige Note und fühlt sich augenblicklich ans Meer versetzt. Im Vergleich zu den anderen Albariños die ich getrunken habe wirkt dieser Duft ein wenig gelber. Das kann aber gut an den doch noch kälteren Temperaturen liegen bei denen diese Weine generell etwas gelber im Duft und Geschmack sind. Im Sommer sind sie wie die reine Meeresgischt und duften ‘weisser’. Der Pó der Poeira Branco jedenfalls verzückt mit einem saftigen und trotz vorsichtiger Verhaltenheit recht frischen, animierenden Duft.

Im Mund: Kaum im Mund ist sie wieder da, diese so verzückende Salznote an den Zungenrändern. Sie ‘beisst’ jedoch nicht, sondern fliesst unheimlich cremig daran ab, sowie der ganze Mundraum von einer beeindruckenden Cremigkeit in Beschlag genommen wird. Vom Mundgefühl her macht der Pó de Poeira seinem Namen alle Ehre, denn viel trockener geht es fast nicht mehr. Staubtrocken trifft es perfekt und doch brilliert der Wein mit einer sanften Fülle auf der Zunge. Was man diesem Wein anmerkt sind die 18 Monate die er auf der Feinhefe verbracht hat. Alles fühlt sich cremig an im Mund, ist sanft, hat Charakter und Profil und transportiert eine ganz eigene mineralische Note, welche sich durch eine ungewohnte Sanftheit auszeichnet. Man kann den Wein mit Fug und Recht als mild bezeichnen, obwohl er lebendig frisch und äusserst trinkfreudig auftritt.

Die Zunge giert förmlich nach dieser subtilen salzigen Note und der Gaumen ist beeindruckt ob des leicht herben Films der über ihn hinweg zieht. Fast könnte man kurz meinen, dass es sich dabei um eine leichte Bitternote handelt, die natürlich nichts anderes als ein Hauch Schiefer, der Boden dem dieser Wein entspringt, ist. Der Pó de Poeira ‘schmeckt’ im Gegensatz zu meinen persönlichen Lieblings-Albariños von Anselmo Mendes und Pazo de Señorans völlig anders, er ist irgendwie ‘erwachsener’, verhaltener und ‘abgebrühter. Er fühlt sich auch komplett anders an. Ganz allgemein ist er weicher, sanfter, milder. Er bleibt länger am Gaumen haften, fühlt sich ein wenig herber an und ist neben seiner salzigen Ader eindeutig von einer ausgeprägten Mineralik dominiert. Temperatur- und Jahreszeiten bedingt wirkt er, wie bereits erwähnt, gelber, weshalb ich diesen Wein gerne auch im Sommer nachverkosten werde. Es ist erstaunlich wie cremig der Pó der Poeira einerseits im Mund ist und wie frisch er trotz dieser doch eher ‘langsamen’ Konsistenz dabei ist. Genau diese Kombination macht ihn aber auch so ‘gefährlich’, denn man will laufend mehr davon.

Resümee: Hat man sich erst auf diesen Trinkfluss eingestellt und sich damit abgefunden, dass dieser Tropfen besser als jeder Animateur auf einem Kreuzfahrtschiff ist, dann gewinnt man schnell die Erkenntnis, dass es besser ist gleich von Beginn an eine zweite Flasche aufzumachen. Jorge Moreiras Wein verdunstet nämlich auch dann, wenn es draussen immer noch ein wenig ‘frisch’ ist. Somit sollten all jene vorgewarnt sein, die eine Flasche dieses Alvarinhos im Sommer von ihrem Kork befreien. Dann ist nämlich Eile angesagt, weil es a) schade um den den guten Tropfen wäre wenn man ihn als Luftbefeuchter nutzen würde, und b) weil andere versuchen werden Ihnen etwas davon abzuluchsen. Um ca. 15 Euro gibt es diesen Weissweinspass vom Feinsten und glauben Sie mir eines: Egal ob Albariño oder Alvarinho; auf diese Weine kann man richtig süchtig werden.

Tipp: Einfach eine halbe Stunde in die Karaffe mit dem Wein und dann um die 10º geniessen. Wärmer wird er nicht, weil er im Mund (oder vorher schon im Glas) verdunstet. Zu mediterraner Kost wie auch einfach zu feinem Gemüse, Salaten und Krustengetier eine Offenbarung. Als Solist der perfekte Kumpel wenn es draussen ‘erfrischende’ Pizzaofentemperaturen hat.

Einen Bericht über den Pó de Poeira Branco lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pó de Poeira Branco 2010 von Jorge Moreira aus Provesende, Portugal.

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Kategorie: Jorge Moreira, Verkostet

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