‘Gimmeldingen’ 2010 Riesling

| 29. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Nichts für Fruchtikusse.

Kein Riesling für Primärfruchttrinker. Hier gibt anspruchsvolle Mineralität den Ton an und sorgt für ein aufregendes Trinkerlebnis.

Winzer/Weingut: Weingut A. Christmann, Gimmeldingen/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Stammt von Sand- und Kalksteinlagen aus unterschiedlichen Gimmeldinger Parzellen.

Riesling Gimmeldingen Flasche/Etikett: Abgefüllt in einer braunen Schlegelflasche ziert diese ein schlicht gehaltenes und deshalb umso eleganteres Etikett. In gedecktem weiss zu oberst gross die Initialen AC und darunter A. Christmann in dezent geschwungener Typo. Darunter Jahrgang, Gimmeldingen, Riesling und Pfalz, alles zentriert unterhalb des goldenen Randes der das Etikett ganz oben einfasst. Alles ist konzentriert aufs Wesentliche und auf jegliches Schnickschnack wird verzichtet. Schlichter geht´s nicht mehr und das ist gut so. Auch am Rückenetikett findet der Interessierte nur das Nötigste, was angesichts der gesetzlich vorgeschriebenen Angaben schon genug ist. Da der Gimmeldingen ein Sponti (auf der Wilden Hefe spontanvergoren) ist, darf er für eine Weile in der Karaffe seine Runden drehen und nach einer Stunde kommt er in die Gläser.

Im Glas: Gleich dem Gold des Fort Knox leuchtet es im Glas, es strahlt und funkelt und an der Glaswand läuft ein leichter Film gemächlich wieder ab.

In der Nase: Der Duft der in die Nase strömt ist schlichtweg umwerfend. Marillen, Orangen, Mango und auch saftige Ananas tummeln sich im Kelch und man kommt gar nicht mit den Schnüffeln hinterher. Gelber und auch konzentrierter geht es fast nicht mehr und über all den betörend süssen Aromen schwebt eine feine Holundernote die dem Ganzen eine feine Eleganz verleiht. Auch eine äusserst verhaltene Kräuternote zieht ihre Kreise im Hintergrund. Der absolute Killerduft. So wie das riecht möchte man sich am liebsten rein setzen.

Im Mund: Kaum kommt der Gimmeldingen in den Mund wird alles wieder über den Haufen geworfen. Was in der Nase so süss und fruchtig und so betörend gerochen hat, stellt sich urplötzlich als höchst pikantes Erlebnis dar, zeigt Rasse und zieht eine kalkige Mineralspur über die Zunge, dass man aus dem Staunen erst gar nicht raus kommt. Nichts mit kecker Frucht, hier bahnt sich eine Säureader ihren Weg durchs ‘Gelände’ die als Sahnehäubchchen auch noch eine freche Salznote auf der Zungenmitte ablädt um endgültig für Verwirrung zu sorgen. Mineralik in Form von Kalk und Salz – das sind die präsentesten Wahrnehmungen auf der Zunge und ich persönlich bin ein grosser Fan davon. Das was da auf der Zunge steht ist einfach frech, pulsierend ohne nervig zu sein und fühlt sich an wie feinster Salzstein. Der Gimmeldingen wirkt trotz einer gewissen Dichte schlank im Mund, trotz seiner durchaus vorhandenen Rasse fühlt er sich stoffig an und man stellt sich die Frage wodurch sich der Wein eher definiert; durch seinen Geschmack oder durch das Mundgefühl das er verursacht. Er wirkt eher auf der Zunge, brennt sich dort ein, was dank seiner salzigen Mineralik kein grosses Kunststück ist. Am Gaumen bleibt eher der kalkhaltige Nachhall übrig, kombiniert mit einer feinen Kräuternote. Der Wein vibriert vor Leben und doch hat man das Gefühl als wäre er ganz weich verpackt um ja nicht zuviel Lärm zu machen. Interessanterweise entwickelt sich der Duft mit der Zeit ‘zurück’, wird insgesamt ebenso mineralischer und frischer. Die Fruchtaromen sind noch da, doch ist die Süsse eben besagter Mineralik gewichen.

Es wird immer spannender, weil der Gimmeldingen immer mehr Fahrt aufnimmt und immer klarer, präziser und ausgeprägter auf der Zunge wird. Hier trinkt man Boden den man weniger schmeckt als spürt und dann doch wieder schmeckt. Alles klar? Knochentrocken ist der Tropfen und doch saftig und auch Rasse hat er, eingebettet in einem weichen Körper. Gleich einer schmalen Klinge zieht der Gimmeldingen schnurgerade über die Zungenmitte ohne auch nur den Verdacht aufkommen zu lassen, dass er über die Ränder ‘abrutschen’ könnte. Der Gaumen neidet der Zunge ihr salziges Naturschauspiel, weil ihm gerademal der Kalk (dieser dafür umso länger) erhalten bleibt.

Resümee: Der Gimmeldingen ist definitiv kein Riesling für Primärfruchttrinker und für jene, die rasch mal ein Gläschen ‘ohne Anspruch’ verputzen wollen. Das ist kein ‘schneller’ Wein und doch verdunstet er in den Kehlen jener, die anspruchsvolle Mineralik lieben. Für ca. 14 Euro hat man die Chance kompromisslosen Pfälzer Riesling kennen zu lernen. Es lohnt sich allemal.

Tipp: Geben Sie dem Wein eine Stunde und mehr in der Karaffe und geniessen sie ihn bei moderaten 10-12º Trinktemperatur. Geht sicher auch über zwei Tage in der offenen Karaffe sehr gut und birgt viele Überraschungen. Riesling für Kenner und Könner.

Einen Bericht über den Riesling Gimmeldingen lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling ‘Gimmeldingen’ 2010 vom Weingut A. Christmann aus der Pfalz, Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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