Pinot Noir 2012 Herrenhof Lamprecht

| 21. Januar 2014 | 0 Kommentare ...alles

Glasklares, elegantes Understatement.

Pur in seiner Charakteristik, abgespeckt auf das was wesentlich ist. Ein glasklares Geschmackserlebnis, das sehr leicht süchtig macht.

Winzer/Weingut: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf/Steiermark, Österreich..

Lage/Herkunft: Vom Weingarten Buchertberg mit tertiären Sedimenten, braunem Opok und kalkhaltigem Sandstein.

Pinot Noir Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt auch hier wieder ein grafisch äusserst anspruchsvoll gestaltetes Etikett. Auf weissem Untergrund wie schon beim Gemischten Satz in diesem Fall eine von rot dominierte Illustration am Rand. Eher als Beigabe denn als Hauptmotiv. Dieses gehört auch hier dem Aufrduck HERRENHOF LAMPRECHT mit der unterhalb angeführten Rebsorte PINOT NOIR und dem Jahrgang. Es ist ein elegantes, modernes und durchaus flott gestaltetes Stück Weinbeklebung. Am rechten Rand des durchgehenden Etiketts steht auch da wieder alles über den Wein und ebenso finden sich wieder alle ‘Kommunikationskanäle’ welche Gottfried Lamprecht im Internet so nutzt. Sei es YouTube, Facebook, Twitter oder Google+. Wo man virtuell aktiv ist wird gezeigt und auch das europäische Biosiegel darf natürlich nicht fehlen. Zwecks Vollständigkeit noch der QR-Code drauf. Auch hier wieder Schraubverschluss statt Kork. Für eine halbe Stunde darf der Pinot Noir sich seine neue Umgebung aus der Karaffe heraus ansehen.

Im Glas: Hellrot wie Erdbeeresaft steht der Pinot Noir vom Herrenhof im Glas. Klar wie ein Gebirgsbach und transparent wie man es selten sieht.

In der Nase: Typisch Pinot Noir ist man geneigt zu sagen, so dampft es nämlich aus dem Glas die Nasenwand hoch. Erdbeeren, Himbeeren und eine zarte grüne Kräuterwürze machen richtig Spass im Riechorgan. Weit hinten ist noch mehr zu riechen, schwer zu identifizieren, am ehesten nach Marzipan. So vordergründig die beiden roten Beerensorten im Vordergund stehen, so subtil werden diese von den beiden anderen Duftnoten untermalt. Ein Schnüffelduft der Spass auf den ersten Schluck macht.

Im Mund: So kommt der Pinot Noir in den Mund. Mit einer belebenden, aktiven Säure tänzelt der Tropfen über die Zunge, zeigt sogar so etwas wie Rasse und fühlt sich ausgesprochen mineralisch auf ihr an. Kein Schmusewasser das man im Mund spürt, sondern sehr schön texturierter Wein. Fruchtig ist er, durchaus, Erdbeeren und Himbeeren auch geschmacklich sehr gut wahrnehmbar, alles andere als ein seelenloses Wässerchen. Knochentrocken ist der Tropfen, dank seiner ausgeprägten Säureader richtig frech. Am Gaumen eine feine Herbheit hinterlassend und man spürt, dass der Pinot Noir auch Kraft hat. Auch hier wieder die zarte grüne Kräuternote im Hintergrund, kurz bevor der Schluck zu Ende ist. Da meldet sie sich nochmals bevor der Tropfen seinen letzten Gang antritt. Im Nachhall fruchtig-mineralisch, leicht herb, einen superfeinen Pelz hinterlassend, welcher dank seiner integrierten Säure den Speichelfluss enorm anregt.

Nach einer Stunde an der Luft quetscht der Tropfen auch seine letzten Fruchtaromen aus den Poren. Mischt diese gekonnt unter das mineralische Kleid und verbindet sich zu einem ausgesprochen delikaten Geschmackserlebnis. Es macht Spass den Wein an den Zungenrändern in seiner ganzen neckischen Art wahrzunehmen, der Fruchtspur hinterher zu schmecken und dabei zu spüren wie der Speichelfluss nicht enden mag. Der Gaumen freut sich eher über den trockenen wie auch herben Film den der Wein auf ihm hinterlässt, schätzt die sandig-steinige Mineralik und die dezente Kräuterwürze. Es ist ein subtil sprödes wie puristisches Erlebnis, das da im Mund abgeht. Alles fühlt sich extrem leicht, feingliedrig und schlank an, kein Gramm Fett auf den Rippen, fast nackt.

Klar und rein wie ein Bergsee.

Klar und rein wie ein Bergsee.

Resümee: Wie schon ein paar Mal erwähnt bin ich kein wirklich grosser Fan von Pinot Noir. Wohl weil ich zu viele schlechte gekostet habe. Gottfried Lamprechts jener aber gehört wieder zu den wenigen und seltenen, die mich restlos begeistern. Es ist keiner dieser banalen Erdbeer-Himbeersirups, sondern einer, der diese Aromatik gekonnt und selbstbewusst in einer Puristik präsentiert die Eindruck macht. Sowohl auf der Zunge die dank Saft und Säure ‘rollig’ wird, wie auch am Gaumen, der sich bedankt für nobles Understatement und den gewissen Touch von Herbheit die von Klasse zeugt. Und erst der Nachhall, der lang und sowohl fruchtig wie auch mineralisch herb ist. Man bleibt zurück mit einem Lächeln im Gesicht, weil man die kecke Säurespur auch noch nachdem der Wein schon weg ist spürt. Insgesamt ein glasklares, fast schon kristallines Geschmackserlebnis. Pur in seiner Charakteristik, abgespeckt auf das was wesentlich ist. 12 Euro sind für diesen Tropen mehr als Sozialtarif und wer die Chance hat noch eine dieser Flaschen zu ergattern, der gehört eindeutig zu den grossen Gewinnern.

Tipp: 30 bis 60 Minuten in die Karaffe damit. 10-12º Trinktemperatur sind ideal. Mundet vorzüglich zu feinem roten Fleisch und macht als Alleinunterhalter ausgezeichnete Figur.

Einen Bericht über den Pinot Noir 2012 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pinot Noir 2012 vom Herrenhof Lamprecht aus Markt Hartmannsdorf in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Herrenhof Lamprecht, Verkostet

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