Mersino 2010 Valdonica

| 22. Januar 2014 | 0 Kommentare ...alles

Sündig-saftiges Verhängnis.

Exotischer Aromensturm der sich anfühlt wie ein sexy Pin-up Girl. Als Frauen noch etwas an den Rippen hatten.

Winzer/Weingut: Valdonica, Sassofortino, Maremma/Toskana, Italien.

Lage/Herkunft: Von Weingärten auf über 450 Metern Seehöhe, auf Lehm- und Sandböden des früheren Vulkans Sassoforte.

Mersino 2010 Flasche/Etikett: Auf der grünen Bordeauxflasche klebt ein in dunklem grau gehaltenes Etikett mit einem quietschgrünen, überdimensionalen V, dem Anfangsbuchstaben von Valdonica. Im linken unteren Teil Toscana VALDONICA und der Name, mersino, sowie der Jahrgang 2010. Ein überaus modern gestaltetes Etikett, elegant in der Farbwahl, einprägsam und dynamisch dank des riesigen Vs und den zusätzlichen geschwungenen Linien die für noch mehr Bewegung sorgen.

Auch das Rückenetikett ist dunkelgrau mit ebensolcher quietschgrünen Schrift bedruckt wie schon auf der Vorderseite. Alles was nötig ist wird kommuniziert, sowie das was in der Flasche drin ist; nämlich Malvasia und Trebbiano. 12 Monate gereift. Eine dunkelgraue Halsmanschette mit dem grünen eingedruckten Valdonica-Schriftzug rundet das Gesamtbild stimmig ab. Für eine halbe Stunde darf sich der mersino aus der Karaffe heraus auf seine neue Umgebung vorbereiten.

Im Glas: Rapunzel lass´ dein Haar herunter. Genauso goldig steht der mersino im Glas, leuchtet mit sich selbst um die Wette. Fast schon kitschig goldig wie der Tropfen strahlt. Und dann die Schlieren die er zieht, wie Öl fliesst er an der Glaswand ab.

In der Nase: Von der ersten Sekunde an riecht man den langen Schalenkontakt dem der mersino ausgesetzt war, es duftet gelb, intensiv, aromatisch, nach gelben Blüten, rauchig, irgendwie geröstet. Eine Vielzahl von ausgeprägten Aromen strömt die Nase hoch, dampfen einem richtig aus dem Glas entgegen. Saftige Honigmelone drängelt sich in den Vordergrund, alles riecht mehr exotisch als mediterran, ist dicht, fast opulent und irgendwo im Hintergrund rollt eine grüne Nuss durch das Bühnenbild.

Im Mund: Da steht der Saft im Mund und schreit vor Freude laut Hurra! Eine wahre Explosion an reifen Aromen tränkt die Zunge augenblicklich in eine Wanne voll von Mandarinen, Melonen und saftigen, gelben Ringlotten. Feinst geröstet, etwas gedörrt und saftig wie ein Badeschwamm. Ein Hauch grüner Nuss zischt über die Zunge, der Gaumen sabbert und tropft sich selbst voll ob dieses expressiven und exotischen Aromensturms. Man kaut den mersino zehnmal durch bevor man gewillt ist ihn zu schlucken, man beisst ihn, rollt ihn, spielt mit ihm im Mund und leckt sich nachher mit einem leicht debilen Grinsen im Gesicht die Lippen ab. Es fühlt sich weich und mild an, hat aber genug Säure die dem Wein zum Leben verhilft und ihn auch agil und frisch erscheinen lässt.

Nimmt der mersino etwas Luft auf, merkt man wie sich der Rauch verdichtet, wie die Röstaromen die satten, saftigen Fruchtaromen immer mehr einhüllen und alles noch dichter, sogar druckvoller machen. Eine mehr als elegante, weil superfeine Würze macht sich bemerkbar am Gaumen. Der mersino ist kein schlanker Wein, wird aber auch nicht nur ordinär breit. Vielmehr präsentiert er eine Form von Opulenz die leicht wirkt, die zwar Körper und Statur zeigt, aber keinesfalls die Muskeln aufpumpt. Weich und geschmeidig fliesst der mersino über den Gaumen, tränkt die Zunge dabei förmlich in seinen Saft ein und zieht wie eine feine Nebelschwade den Hals hinunter. Was bleibt ist etwas Wärme, etwas röstig-rauchiges und saftig Gelbes. Eher Nibelungen-Sage als Kindermärchen, wenn man zwischen diesen beiden Begriffen als Empfindung wählen müsste.

Resümee: So saftig, voll und kräftig der mersino im Moment wirken mag, so fein ist er doch. Er hat genug Dichte um voll zu wirken, ist aber weit entfernt von üppig. Er hat genug Textur und Statur um Druck zu machen, bleibt aber doch verhalten in seiner Kraft. Er ist saftig ohne fett zu werden, aromatisch und würzig ohne übers Ziel zu schiessen. Die Zunge betört er mit gelber, exotischer Aromatik, am Gaumen zeigt er wie elegant sich R&R (Rauch- und Röstaromen) präsentieren können und im Abgang tut es einem leid, dass dies bereits der Abgang ist. Wer auf Weine mit Aroma, mit Dichte und mit Saft steht, dem könnte der mersino leicht zum ‘Verhängnis’ werden. Rascher als einem lieb ist entwickelt sich der Tropfen zum echten Saufwein von dem man schwer wieder loskommt. Es ist definitiv eine der saftigsten Mundspülungen die ich seit Ewigkeiten genossen habe. Ich will mehr von diesem Italiener und werde ihn dann auch küchentechnisch zum Einsatz bringen.

Tipp: 30 Minuten in die Karaffe und dann mit 8-10º geniessen, nicht mehr. Zu Schafkäse, Rohschinken und Krustengetier, sowie zu Fruchtdesserts geeignet. Ohne feststoffliche Begleitung ein ganz gefährlicher, weil maßlos machender Suchttropfen.

Einen Bericht über den Mersino lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein mersino 2010 von Dr. Martin Kerres´ Weingut Valdonica in Sassofortino (Grosseto) in der Maremma/Toskana, Italien.

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Kategorie: Valdonica, Verkostet

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